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Apr 10 2015

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Beispiel 2: Rennpferdehengst

Das zweite Pferd, das von Nelly Philippot beurteilt wird, ist ein 14jähriger Hengst aus Rennlinien.

14jähriger Hengst aus französischen RennlinienFoto: G. Waiditschka / IN THE FOCUS

14jähriger Hengst aus französischen Rennlinien
Foto: G. Waiditschka / IN THE FOCUS

Typ: Dieses Pferd ist ein Araber ohne jeglichen Rassetyp; sein Kopf hat nicht die dreieckige Form, die für den Araber typisch ist, sein Schweif ist tief angesetzt. Er hat eine starke Hinterhand mit ausgeprägter Muskulatur, wodurch er eher dem Typ eines Quarter Horse gleicht. Er sieht aus wie ein Wallach, i.e. sein Hals ist nicht geschwungen, es fehlt die aufmerksame, angespannte Haltung, die ein Hengst haben sollte.

AP 1-15 Form+Funktion Bild4

Hals: Der Hals ist tief angesetzt, aber er hat keinen „Tauben-Hals (d.h. keine „Ausbeulung“ am Übergang von der Brust zum Hals); der Übergang zur Brust ist okay, der Übergang zum Widerrist ist sehr gut. Die Länge des Halses ist nicht ausreichend (viel kürzer als in Beispiel 1), der Übergang vom Hals zum Kopf nicht so fließend (ihm fehlt „Genick“), der Kehlgang ist nicht „arabisch“. Der Widerrist ist gut, er reicht besser in den Rücken, aber ist nicht so ausgeprägt wie beim Beispiel 1.
Schulter: Die Schulter (a) ist steiler als bei Pferd 1, und das Schulterblatt ist kürzer. Der Oberarm (b) ist recht kurz und mehr horizontal gelagert.
Durch diese beiden Punkte wird die Vorhand sehr kurz (siehe links).
Da der Winkel zwischen Oberarm und Schulter gut ist (α – 90°), hat das Pferd vermutlich eine ergiebige Bewegungen, aber nicht so gut wie das Pferd in Beispiel 1, aufgrund der kürzeren und steileren Schulter und der Oberarm ist nicht so weit unter dem Körper.
Körper: Sein Körper ist weniger tief als der von Pferd 1, aber er behält die Tiefe über die ganze Länge des Körpers. Sein Rücken und die Lenden sind kräftig, aber nicht in der Art, wie es für Schaupferde Mode ist. Er hat eine gute Gurtenlage, weit hinter dem Buggelenk.

AP 1-15 Form+Funktion Bild5

Die Kruppe ist kurz; das Becken (c) ist sehr steil und sehr stark bemuskelt; der Oberschenkel (d) ist kurz und ziemlich horizontal, aber dennoch im 90°-Winkel mit dem Becken (γ), so dass sich das Hüftgelenk (6) wirkungsvoll in der Vorwärtsbewegung schließen kann. Auch dieser Teil des Körpers ist stark bemuskelt.
Die steile Schulter, zusammen mit dem relativ kurzen Oberarm ergeben eine kompakte Vorderpartie und zusammen mit der kurzen Kruppe erscheint die Mittelhand als zu lang, obwohl sie es eigentlich nicht ist!
Beine: Die Vorderbeine sind okay, steile Fesseln, die Gelenke sind klar definiert.
Die Hinterbeine haben sehr steile (offene) Sprunggelenke und weiche Fesseln (was gewöhnlich zusammengehört), und das Pferd ist geschnürt unter den Sprunggelenken (8).
Er steht vorne rückständig, um die Hinterbeine von dem Gewicht zu entlasten. Die schwachen (weichen) Fesseln hinten korrelieren mit den zu steilen (offenen) Sprunggelenken (8, δ). Steile Sprungelenke sind weniger effektiv in der Stoßdämpfung und daher werden die Fesselgelenke überbelastet.

Fazit: Vermutlich ein Pferd mit einem starken „Take-off“ im Rennen (wie bei Quarter Horses), aber der Raumgriff ist nicht sehr groß.
Nelly Philippot


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