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Feb 07 2018

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Besser spät als gar nicht

Vor annähernd 12 Jahren (!) habe ich den nachfolgenden Text für die Zeitschrift ARABER JOURNAL (No. 2/2006) geschrieben. Erschreckend, dass wir noch immer die gleichen Probleme haben!!

Viel zu lange wurde das Arabische Pferd in der Öffentlichkeit hauptsächlich als Schaupferd dargestellt. Mit der zurückgehenden Zahl von Teilnehmern an Schauen sind zwar einige Leute wach geworden – doch das Image des Arabischen Pferdes zu verändern kostet Geld!

Food for thought white-300pxHaben Sie sich auch schon einmal gewundert, warum Schauen zu einem so wichtigen Bestandteil in der Araberszene geworden sind, und eigentlich den Platz eingenommen haben, der in anderen Rassen von den verschiedenen Reitsportdisziplinen besetzt ist?

Die vier Gründe

1. Schauen haben ihren Ursprung in den Zuchtschauen, d.h. der Bewertung von Zuchttieren und daher sind die Züchter, d.h. die Mitglieder der Zuchtverbände, diejenigen, die an Schauen teilnehmen. Daraus ergibt sich ein enger Zusammenhang zwischen Züchtern, Zuchtverbänden und Schauen.
2. Man kann auf Schauen bereits mit einem Jährling starten, oder sogar mit einem Fohlen. Das bedeutet, man bekommt eine Beurteilung, ob das Produkt ein „Erfolg“ ist, bereits recht früh Zeitpunkt im Leben eines Pferdes, was für weitere Zuchtentscheidungen von Vorteil ist.
3. Ein Pferd auf Schauen zu schicken, benötigt – im Vergleich zum Sport – relativ wenig Vorbereitungszeit; auch eine seriöse Vorbereitung für eine größere internationale Schau braucht bestenfalls 3-4 Monate.
4. Schauen haben ein Eigenleben entwickelt. Sie haben ihre eigene Daseinsberechtigung erlangt, denn sie schaffen Spannung, Wettkampf, Erfolg und Beachtung, genau wie der Pferdesport.
Diese Entwicklung führte während der Hochzeit der Schauen in den 1980er und 90er Jahre nach oben, denn der Markt für Zucht- und Schaupferde war noch groß genug, und die alleinige Aufgabe eines Arabischen Pferdes lag darin, auf Schauen zu starten und in die Zucht zu gehen. Dann aber kam die Zeit als das Angebot größer als die Nachfrage war. Neue Märkte wären nötig gewesen, aber in der Zwischenzeit war der Freizeitreitermarkt und der Markt für Käufer eines vielseitigen Sportpferdes von anderen Rassen bereits eingenommen. Die Araberzuchtverbände hatten vielfach die Gelegenheit versäumt, das Arabische Pferd als ein vielseitiges Reitpferd für jedermann. Dieses, zusammen mit der Tatsache, dass Araberzüchter selten aktive Reiter sind, führte dazu, dass es zu einer Trennung von Züchtern als „Produzenten“, und Reitern als „Verbrauchern“ kam, bis hin, daß der eine nicht weiß, was der andere braucht.

Die Kluft

Selbst wenn das folgende Bild verallgemeinert ist, so beinhaltet es doch eine Portion Wahrheit: Für die meisten Züchter ist die Zucht Arabischer Pferde ein Hobby, ein teures Hobby, bei dem sie ihre Befriedigung darin finden, daß Pedigreestudiums und Auswahl des Zuchthengstes sich schließlich in einem Fohlen präsentieren, welches ihren Erwartungen entspricht. Sie freuen sich an der Geburt des kleinen Wesens, wie es seine ersten Schritte an der Seite seiner Mutter macht, und später auf der Weide herumtollt.
Reiter, auf der anderen Seite, freuen sich daran, für ihr Pferd zu sorgen, es zu reiten und es vielleicht an einem Wettkampf zu zeigen. Sie reiten gerne aus, sind gern in der Gesellschaft von Gleichgesinnten und freuen sich an der körperlichen Ertüchtigung, die der Sport bietet. Züchter empfinden es als zusätzliche finanzielle Bürde, ein junges Pferd reiterlich ausbilden zu lassen, während die Reiter – gewöhnlich junge Leute mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten – nicht bereit sind, den höheren Preis dafür zu bezahlen.
Die Verbindung zwischen den beiden Gruppen fehlt. In anderen Zuchten, wo der Erfolg im Reitsport von den Züchtern als Werbemöglichkeit für ihre Zucht genutzt wird, besteht diese Verbindung.
Versuche, diese beiden Gruppen – Schau und Sport, Züchter und Reiter – einander näher zu bringen, wurden unternommen. Es funktioniert auch in manchen Ländern, z.B. Großbritannien, wie die Kluft traditionell nicht so groß ist, aber es scheint in den meisten anderen Ländern nicht zu funktionieren: Geht man nach Aachen, sitzen Tausende von Zuschauern in der Halle und verfolgen die Schau, während nur eine Handvoll Freunde und Familienangehörige der Reiter sich die Sportklassen anschauen.

Das falsche Image

Selbst wenn wir nun verstehen, warum die Schauen das einzige „Markenzeichen“ des Arabischen Pferdes geworden sind, heißt das nicht, dass dies auch so bleiben muß. Rückläufige Zahlen bei den Teilnehmern an Schauen zeigen, daß etwas getan werden muß, damit das Arabische Pferd im Wettbewerb mit all den anderen Rassen überleben kann. Daher braucht es Ideen, wie man die Züchter dafür interessieren könnte, dass ihre Pferde im Sport gehen, und Reiter müssen dafür begeistert werden, an Rasseturnieren, die zu Aushängeschilder werden müssen, zu starten. Aber wie kann man das erreichen?
Einige Ideen, wie man den Züchtern helfen könnte sind: Preisgeld an Reitwettbewerben auszuschreiben, von dem ein Teil als Züchterprämie ausgezahlt wird. Sportresultate müssen in einer Datenbank gesammelt werden, damit die Züchter Informationen über spezielle Leistungslinien erhalten können, die besten Leistungspferde oder –vererber sollten gekennzeichnet werden.
Um den Reitern zu helfen, müssen die Rasseturniere attraktiv sein und so gut oder besser organisiert sein, wie rasseoffene (FN-)Turniere. Da ihre Verbreitung nie die der rasseoffenen Turniere erreichen kann, könnten Transportzuschüsse bezahlt werden, oder die Nenn- und Startgelder werden von den Zuchtverbänden bei erfolgreicher Teilnahme zurückerstattet. Aber das Problem mit all diesen Vorschlägen liegt auf der Hand: Geld.
Jede dieser Ideen, die das Arabische Pferd in einem anderen Licht darstellen könnte, kostet Geld, welches knapp ist. Jedoch sollte man bedenken, dass das Geld, welches in die Promotion und für die Öffentlichkeitsarbeit investiert wird, sich indirekt wieder auszahlt, wie man am Beispiel der Quarter Horses sieht: In vielen Ländern, wo der Westernreitsport eingeführt wird, ist dieser Markt schon bald ausschließlich von Quarter Horses gedeckt, und dies nicht nur, weil sie sich für den Sport besser eignen!
Daher müssen die Zuchtverbände und ihre Mitglieder erstens verstehen lernen, daß die Reiter ihnen helfen, ihre Pferde zu vermarkten. Selbst wenn diese Reiter nicht Mitglieder des Zuchtverbandes sind, sind doch die Pferde Produkte von Züchtern, d.h. von Verbandsmitgliedern. Zweitens, ist das Geld, das in den Sport geht, nicht rausgeschmissenes Geld, sondern sollte eigentlich unter „Werbe-Etat“ oder „Öffentlichkeitsarbeit“ laufen, denn die Reiter beweisen die Gebrauchsfähigkeit des Arabischen Pferdes und das ist es, worauf der Markt anspricht. Wie mit allem Geld, das in die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt wird, zahlt es sich nicht sofort aus, und auch nicht immer direkt für denjenigen, der es investiert. Wenn es jedoch in der richtigen Art und Weise gemacht wird, zahlt es sich auf lange Sicht aus. Das aber braucht Weitsicht. Hoffen wir, daß wir diese im Neuen Jahr haben.
Gudrun Waiditschka

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