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Apr 05 2018

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Die Tahawy-Beduinen

Tahawy-300px„Was lange währt, wird endlich gut“ – so könnte man dieses Werk von Kirsten und Bernd Radtke über die Tahawy Beduinen in Ägypten überschreiben. Begonnen wurden die Recherchen zu diesem Buch bereits 1980, als die Autoren Sheikh Soliman von den Tahawys kennenlernten. Das sollte nicht ohne Wirkung bleiben.
Die Tahawy-Beduinen sind ein pferdezüchtender Beduinenstamm, der einst mit Mohammed Ali gegen Napoleon gekämpft hat. Aus Dank erhielten sie fruchtbares Land im östlichen Nil-Delta, wo sie fortan ihre „Wüstenpferde“ züchteten. Als die EAO das erste ägyptische Stutbuch veröffentlichte, waren darin nur die Pferde des ägyptischen Staatsgestüts El Zahraa enthalten, sowie drei Tahawy-Pferde, die einflußreichen Besitzern gehörten. Die restlichen Tahawy-Pferde, und das waren zu dieser Zeit noch einige Hundert, wurden „vergessen“.
Als die Radtkes den Tawahy-Stamm besuchten, wurden sie von Sheikh Soliman gebeten, die Pedigrees und Details ihrer Pferde stutbuchmäßig zu erfassen. Das taten diese auch mit den 50 wichtigsten Zuchtpferden, nach WAHO-Vorgaben. Dennoch fand ihr Gesuch, dass diese Pferde von der EAO anerkannt und in das offizielle ägyptische Stutbuch aufgenommen werden sollten, kein Gehör. In der Zwischenzeit ist die Gruppe der Tahawy-Pferde auf einige wenige Individuen zusammengeschmolzen, aber noch nicht gänzlich verloren.
In dem Buch geht es nicht nur um Pferde, auch das Leben und die Kultur der Tahawy-Beduinen, die Jagd mit Pferden, Falken und Salukis, die Art und Weise der Pferdezucht, die Pedigrees der Tahawy-Pferde aber auch die Geschichte einzelner Pferde, die den Weg nach Europa fanden, bilden einen wichtigen Bestandteil des Buches. Die Fotos sind eine kulturhistorische Quelle von großem Wert. Sie stammen mehrheitlich aus dem Archiv Sheikh Solimans und wurden eigens für dieses Buch gescannt und aufbereitet.
Wer nun glaubt, dass diese Pferde keinen Einfluß auf die heutige weltweite Zucht hatten, und daher ruhig in Vergessenheit geraten können, der irrt. Denn im letzten Kapitel legt Joe Ferris dar, welche zeitgenössischen Pferde Tahawy-Blut führen. Dies reicht von Nazeer, über die Pferde von Hamdan Stables, bis hin zu Nasr Mareis Weltchampionesse Gelgelah Albadeia, aber auch Marwan Al Shaqab geht 34 mal auf die Tahawi-Stute Maanagia Hadragia zurück. Sicher, diese einzelnen Pferde, die in den Pedigrees heutiger Pferde stecken, sind WAHO-anerkannt. Umso bedauerlicher, dass politische Gründe eine Anerkennung der übrigen Tahawy-Pferde bis heute verhindert haben.
Inhaltlich ist das Buch ein „Muß“ für jeden, der sich mit der Geschichte des arabischen Pferdes auseinandersetzt. Ein Wermutstropfen bleibt, denn die graphische Aufarbeitung, das Layout, hätte mehr Professionalität verdient. Das Buch ist in englischer Sprache.
Kirsten und Bernd Radtke: „The Tahawy Bedouin“, 204 Seiten; scholz-Verlag Hamburg, 2017, ISBN 978-3-95648-119-2, Preis: Softcover 39,95 €, Hardcover 69,50 € oder bei uns im Online-Shop!

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