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Apr 05 2018

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Wildnis im Kleinformat – Der Paddock Trail

Explosiv, nervös und unausgeglichen – dieser schlechte Ruf haftet dem Araber seit langem an. Zu Unrecht! Denn viele Menschen tragen einfach seiner Intelligenz und seiner Lauffreude nicht Rechnung. Mit dem Paddock Trail wollen wir eine Haltungsform vorstellen, die diese Bedürfnisse berücksichtigt. Und das Beste ist: Jeder kann es nachmachen, und seien es auch nur einige Elemente daraus!

Was aussieht wie unaufgeräumt, ist in Wirklichkeit ein natürlicher "Trail Parcours" für Pferde.Foto: J. Pohl

Was aussieht wie unaufgeräumt, ist in Wirklichkeit ein natürlicher „Trail Parcours“ für Pferde.
Foto: privat


Der unbändige Bewegungsdrang des arabischen Pferdes kollidiert häufig mit seinen Haltungsbedingungen: Eine enge Box, wenig Auslauf und kaum Beschäftigung verursachen oftmals Verhaltensstörungen, woraufhin der Araber vielfach regelrecht in eine Schublade gesteckt wird, in die er nicht gehört. Denn vielleicht benötigt das sensible Tier einfach nur mehr Luft, Bewegung und Sozialkontakt, als wir es von anderen Rassen gewohnt sind? Einen Lösungsansatz für die artgerechte Haltung bietet das Konzept des Paddock Trails, das wir im folgenden vorstellen wollen.

Wildpferden auf der Spur

Die Grundidee basiert auf Beobachtungen des ehemaligen Hufschmiedes Jaime Jackson: Nach über 20 Jahren Forschung in den Wildpferdereservaten Nordamerikas kam er zu Erkenntnissen über die Bedingungen einer möglichst artgerechten Pferdehaltung, die er 2006 im Buch „Paddock Paradise“ veröffentlichte. Ein grundlegendes Argument aus Sicht des Hufspezialisten waren allen voran die robusten Hufe der Wildpferde, ihre Gesundheit sowie die fortlaufende Bewegung auf unterschiedlichsten Untergründen. Wildpferde fressen beispielsweise 16 bis 18 Stunden kontinuierlich kleine Mengen Futter, meist während sie sich im Schritt fortbewegen. Sie legen so etwa 15 bis 30 Kilometer am Tag zurück und das auf immer gleichen Wegen in ihrem Territorium – den sogenannten Trails. Lediglich fünf Prozent der Zeit verbringen sie mit Spielen, Rangkämpfen, Fortpflanzung und ähnlichem.

Pferdehaltung in neuer Dimension

Das Konzept des Paddock Trails projiziert die natürlichen Rahmenbedingungen auf deutlich geringere Flächen und künstlich angelegte Wegenetze. Um möglichst lange Strecken zu ermöglichen, führen diese meist im Kreis, ergänzt durch Alternativwege oder mögliche Abkürzungen. Um die „Wanderschaft“ in Gang zu setzen, gibt es verschiedene Futterstationen auf den Trails. Die Herdendynamik sorgt für den Rest. Zusätzlich bieten Salzstationen, Knabberäste und nicht zuletzt eine strategisch klug platzierte Wasserstelle Bewegungsanreize. Für Abwechslung und gesunde Hufe sorgen wechselnde Untergründe, Wasserfurten, Wurzelwege und Kletterhügel. Wer nun Angst vor erhöhter Verletzungsgefahr hat, der sei beruhigt, denn Übung macht den Meister. Und die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ in Deutschland sagen: „Je häufiger Pferde auf Naturboden oder ähnlichen Oberflächen Auslauf bekommen, desto besser lernen sie es, ihre Bewegungen den Bodengegebenheiten anzupassen. Das Risiko von Verletzungen des Bewegungsapparates durch schwierige Bodenverhältnisse ist daher bei ungeübten Pferden erhöht.“

Die Evolution der Pferdehaltung

Wenn man zurückblickt, wurden Pferde durch den Menschen in die unterschiedlichsten Behausungen gesteckt. Dabei fing alles ursprünglich mit naturnaher Herdenhaltung an, bis wir beschlossen haben, dass Anbindehaltung in Ständern und später Einzelboxen viel bequemer für uns waren. Das Arbeits- oder Reitpferd sollte stets verfügbar sein. Dass damit aber seine wichtigsten Grundbedürfnisse teilweise oder gar komplett vergessen wurden, spielte viel zu lange eine untergeordnete Rolle. Mit Paddockboxen, Offen- und Bewegungsställen bis hin zum Konzept des Paddock Trails setzen sich mehr und mehr (wieder) naturnahe Arten von Haltungskonzepten durch.

Haltung und Verhalten

Welcher Zusammenhang zwischen Haltungsformen und Verhaltensstörungen bei Pferden besteht, war Gegenstand einer im Jahr 2014 abgeschlossenen deutschen Studie von Dr. med. vet. Andreas Thelen im Rahmen einer Dissertation am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Basis: Pferdehaltungsbetriebe mit insgesamt rund 1000 Groß- und Kleinpferden mit einem Durchschnittsalter von zehn Jahren (sowohl Zucht- und Freizeitpferde, Beisteller sowie Sportpferde). In dieser Studie wurden u.a. die Verhaltensauffälligkeiten unterteilt nach Rassegruppen untersucht, dabei zeigten von den Ponys und Kleinpferden über die Hälfte Auffälligkeiten, bei den Warm- und Vollblütern betrug der Anteil rund 70 %, bei den Arabern sogar über 80 %. Zu diesem überaus beunruhigenden Ergebnis kommt eine nicht abschätzbare Dunkelziffer: „Circa zwei Drittel der angefragten Ställe lehnten eine Teilnahme von vornherein ab“, so Thelen.

Totholzhecken (also z.B. die Anhäufung von Baumschnitt zwischen eingeschlagenen Pfosten) oder einzelne Knabberäste dienen dem Kampf gegen Langeweile und bieten außerdem die Möglichkeit zur Aufnahme von Mineralien. Wichtig: Nur ungiftige Sorten, z.B. Haselnuss, Erle, Obstgehölze oder Weide verwenden! Foto: privat

Totholzhecken (also z.B. die Anhäufung von Baumschnitt zwischen eingeschlagenen Pfosten) oder einzelne Knabberäste dienen dem Kampf gegen Langeweile und bieten außerdem die Möglichkeit zur Aufnahme von Mineralien. Wichtig: Nur ungiftige Sorten, z.B. Haselnuss, Erle, Obstgehölze oder Weide verwenden!
Foto: privat


Auch die polnischen Wissenschaftler Katarzyna Olcsak und Czeslaw Kloceck von der Universität für Landwirtschaft in Krakau haben das Verhalten von Pferden unter die Lupe genommen und ihre Erkenntnisse 2016 in einer Studie veröffentlicht. Zentrales Element war das Aggressionspotential der Tiere. Genau wie Thelen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Ursachen hauptsächlich in der Haltung zu finden sind: So können zu wenig Platz, kein oder unzureichender Artgenossenkontakt sowie eine unpassende Fütterung Aggressionen fördern.
Eine Gruppenhaltung mit entsprechendem Raufutterangebot scheint die Lösung. Doch nicht selten wird auch dabei die von den Tieren eingeforderte Individualdistanz unterschätzt – und führt gegebenenfalls zu einem hohen Aggressionsniveau innerhalb der Herde. In einer Studie aus dem Jahr 2015 erforschten die Wissenschaftlerinnen Professor Dr. Konstanze Krüger von der Universität Nürtingen und Dr. Birgit Flauger von der Universität Hohenheim das Verhalten der Vierbeiner unter dem Aspekt des vorhandenen Platzangebotes. Ihre Erkenntnis: Mit steigendem Platzangebot bis zu 10.000 qm Auslauf verringerte sich sowohl aggressives als auch unterwürfiges Verhalten deutlich. Und erst ab 331 qm pro Pferd näherte sich der Aggressionslevel der Nulllinie an. Zum Vergleich: Für Auslaufflächen geben die „Leitlinien“ für bis zu zwei Pferde gerade mal ein Minimum von 150 qm vor, für jedes weitere Pferd 40 qm. Das „Handbuch für Pferde und andere Equiden – Selbstevaluierung Tierschutz“ in Österreich verlangt bei Gruppenhaltung noch weniger: Die erforderliche Mindestfläche liegt pro Pferd zwischen 6 und 14 qm (differenziert nach dem Stockmaß der Tiere) und für jedes weitere Pferd zwischen 4 und 9 qm. Trotz aller Erkenntnisse scheint der Weg noch weit…
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Die Bedürfnispyramide

Heute weiß man, dass neben Nahrung auch Licht, Luft, Sozialkontakt und Bewegung unabdingbar sind, um Pferde körperlich und seelisch gesund zu halten.
Betrachtet man die Bedürfnisse der Pferde als Pyramide (vrgl. „Natural Animal Centre“ (NAC), ein Zentrum für angewandte Wissenschaft im Hinblick auf das Verhalten von Tieren), bildet ein wichtiger Punkt die Basis: Sicherheit. In der Natur leben Pferde über lange Zeit in festen Herdenverbänden. Wechsel innerhalb der Gruppe treten selten auf – außer junge Hengste verlassen die Familie, um einen Junggesellenverband zu gründen, ein Anwärter vertreibt den Althengst oder es werden neue Stuten hinzu geworben. Ansonsten wächst die Herde lediglich durch die Geburt der Fohlen oder wird kleiner durch das Ableben eines Tieres. Domestizierte Pferde hingegen müssen sich den Launen und Vorstellungen der Menschen unterwerfen und erleben so zum Teil sehr häufige Wechsel durch Umzüge oder Änderungen in der Gruppenzusammensetzung. Bei jeder Veränderung müssen die Tiere erst wieder ihren Platz in der Rangordnung finden – ein Prozess, der sechs Monate(!) und länger dauern kann. Wie soll ein Pferd da ein Gefühl von Sicherheit entwickeln? Und: Was bedeutet das für sein Befinden, wenn alle anderen Stufen der Pyramide hierauf aufbauen?
Essen und Trinken bilden die nächste Ebene: Etwa 16 Stunden fressen wild lebende Pferde, meist während sie sich langsam im Schritt fortbewegen. Dabei nehmen sie in erster Linie (Steppen)Gras auf, lieben es aber genauso Blätter, Rinde, Wurzeln, Samen und Früchte zu knabbern. Ein Speiseplan, der in den meisten Ställen weder von der Art, noch der Dauer der Mahlzeiten erfüllt wird. Ganz davon zu schweigen, dass die Aufnahme von Nahrung und Wasser in der Natur eine sehr soziale Angelegenheit ist und nahezu ausnahmslos in der Gruppe erfolgt.

Ausgeglichenheit als Ziel

Auch die Körperpflege wird oft damit abgetan, dass unsere Stallbewohner in der Regel täglich vor dem Reiten gestriegelt und gebürstet werden. Aber genauso wie wir beim Putzen Kontakt und Nähe zu unserem Pferd aufbauen, brauchen die Tiere diesen Austausch von Pflege- und Schmuseeinheiten auch untereinander und bilden (wenn man ihnen die Möglichkeit dazu bietet) oft enge Freundschaften mit einem oder mehreren Artgenossen, die ein Leben lang anhalten können. Auch Gelegenheiten zum Schubbern (Baumstämme, Bürsten, Noppen…) oder Wälzen (v.a. Sand) sind höchst willkommen für eine ausgiebige Körperpflege, die ganz ohne die Hilfe des Menschen auskommt.

Ein Geröllfeld auf dem Weg massiert die Hufsohle, festigt diese bei regelmäßigem Kontakt und erfordert gleichzeitig Konzentration, Koordination und Trittsicherheit, die sich mit der Zeit automatisch erhöhen. Foto: privat

Ein Geröllfeld auf dem Weg massiert die Hufsohle, festigt diese bei regelmäßigem Kontakt und erfordert gleichzeitig Konzentration, Koordination und Trittsicherheit, die sich mit der Zeit automatisch erhöhen.
Foto: privat


Ruhen und Schlafen sind Bedürfnisse, die zum einen eng an das Gefühl von Sicherheit geknüpft sind, zum anderen an die Umgebung: Als Fluchttiere brauchen Pferde stets eine gute Rundum-Sicht, um, auch während sie dösen, Gefahren schnell bemerken zu können. Im Idealfall passt ein Herdenmitglied auf, während die anderen ruhen. Diese „Wächterfunktion“ kann in Einzelhaltung schlichtweg nicht erfüllt werden. Und selbst beim Koppelgang in der Gruppe bietet nicht jedes Gelände die Möglichkeit alles im Blick zu behalten. Zum Liegen und für den damit verknüpften Tiefschlaf ist darüber hinaus der Untergrund entscheidend und eine ausreichende Fläche. Denn nur, wenn sie sich von Zeit zu Zeit auf einer weichen, verformbaren Unterlage komplett ausstrecken und seitlich ablegen können, kommen Pferde erst wirklich zur Ruhe und in die Tiefschlaf-Phase.
Generell haben unsere Vierbeiner, ganz besonders lauffreudige Rassen wie der Araber, einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Wenn sie könnten, würden sie täglich viele Kilometer in abwechslungsreichem Gelände zurücklegen, verschiedene Untergründe überqueren und sowohl altbekannten Pfaden folgen, als auch neue Gebiete erkunden. Auslauf auf einem befestigten Quadrat ist also alles andere als das, was ihrer Natur entspricht. Dennoch liegt ihnen ein gewisses Territorialverhalten im Blut, das selbst wild lebende Pferde an ein Areal bindet. Hier finden sie alles, was sie brauchen – vor allem die nötige Sicherheit. Und es bietet ihnen Wahlmöglichkeiten für ein abwechslungsreiches Herdenleben. Das Entdecken der umgebenden Umwelt durch Erkundungsverhalten und Mut trainiert Problemlösungsvermögen und Selbstbewusstsein.
Das Konzept des Paddock Trails versucht den natürlichen Lebensraum der Pferde im Kleinformat abzubilden und ihre Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen. So bringt es Pferde nicht nur in Bewegung – es regt sie auf Basis von Behavioral Enrichment zu vielerlei mehr an.

Der ideale Speiseplan

Um unseren Vierbeinern also arttypisches Verhalten zu ermöglichen und ihnen Abwechslung zu bieten, fangen wir am besten bei der Nahrungsaufnahme an: Eine 24 h gefüllte Heuraufe ist eine gute Basis, um dem Dauerfresser Pferd gerecht zu werden. Zwei Raufen oder mehr, möglichst weit voneinander platziert, sind allerdings noch besser. Mit verschiedenen Fressplätzen werden die Tiere zum Pendeln angeregt und mehrmals am Tag von einem Platz zum anderen wandern. Heunetze, Fressgitter, frei hängende Heu-Toys, zeitgesteuerte Varianten oder das Verteilen vieler kleiner Portionen an verschiedenen Positionen sorgen außerdem für ein langsameres Tempo bei der Nahrungsaufnahme. Je unterschiedlicher und zahlreicher die Fressplätze, desto abwechslungsreicher gestaltet sich das „Slow Food“ für Pferde. Zusätzlich zum Grundnahrungsmittel Heu kann man auch gutes Stroh als Alternative anbieten. Für die Gabe von Kraftfutter existieren moderne computergesteuerte Lösungen, die mehrmals am Tag kleine Mengen abgeben und die Pferde so immer wieder zum Besuch der Stationen anregen.
Beim Wasser scheiden sich die Geister ein wenig. Ein Stück weit von den Futterstellen entfernt kann es durchaus als Bewegungsanreiz eingesetzt werden. Einen Weg von etwa 100 Metern sehen die meisten Experten als angemessen an, von deutlich längeren Wegen wird hingegen abgeraten – es kommt vor, dass die Tiere dann nicht genügend trinken.
Lecksteine hingegen können als Bewegungsanreiz an verschiedensten Stellen platziert werden und durch clevere Aufhängung oder Einbettung in das natürliche Umfeld zum spannenden Zeitvertreib werden: Baumstämme, Steinhaufen oder -türme, bei denen man den Inhalt erst entdecken muss, sind letztlich viel interessanter als konventionelle Lösungen mit Wandhalterungen.
Was immer wieder vergessen wird: Pferde zogen ursprünglich nicht nur durch karge Steppenlandschaften, sondern waren mitunter auch in Wäldern heimisch. Gewachsene Baumgruppen mit unempfindlichen Altbeständen von Obstgehölzen, Birken, Weiden, Haselnusssträuchern… bieten deshalb auch unseren domestizierten Tieren eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. Selbst wenn man den Genuss von Hölzern „direkt vom Baum“ auf den Weide- oder Paddockflächen nicht immer bieten kann, hat man mit der Gestaltung von Totholzhecken (also z.B. der Anhäufung von Baumschnitt zwischen eingeschlagenen Pfosten) oder einzelnen Knabberästen die Möglichkeit, seinen Pferden ein Stück ihrer Natur zurückzugeben.

Weitere Upgrades

Bürsten in unterschiedlicher Höhe, an einem Baumstumpf befestigt, animieren vor allem im Fellwechsel zum Schubbern. Eine gute Ergänzung zur sozialen Fellpflege.Foto: privat

Bürsten in unterschiedlicher Höhe, an einem Baumstumpf befestigt, animieren vor allem im Fellwechsel zum Schubbern. Eine gute Ergänzung zur sozialen Fellpflege.
Foto: privat


Salzsteine und/oder Minerallecksteine müssen nicht in der klassischen Halterung angeboten werden! Integriert in einen Steinhaufen oder Baumstamm laden sie zum Entdecken ein.Foto: privat

Salzsteine und/oder Minerallecksteine müssen nicht in der klassischen Halterung angeboten werden! Integriert in einen Steinhaufen oder Baumstamm laden sie zum Entdecken ein.
Foto: privat


Baumstämme sind ideale Schubberplätze. Ohne nutzbaren Baumbestand bieten an betonierten, stabilen Pfosten befestigte Bürsten oder Gumminoppen eine Alternative, die gern angenommen wird. Zum Wälzen ist ein weicher Sandboden das Optimum und kann insbesondere bei strategisch kluger Platzierung ebenfalls als Enrichment betrachtet werden.
Die Wege selbst dürfen durchaus einige Herausforderungen beherbergen: Natürliche Hindernisse wie Baumstämme, Kletterhügel sowie unterschiedliche Böden sorgen ebenso für Abwechslung wie der Track selbst, der etwa durch alternative Streckenabschnitte deutlich reizvoller für die Pferde ist als ein rechteckiger Auslauf. Hügelige Landschaften, ein Stück weit unwegsames Gelände und Grundstücke, die gemäß traditioneller Vorstellungen nicht oder nur bedingt zur Pferdehaltung geeignet waren, bieten für den Paddock Trail ideale Grundvoraussetzungen und Abwechslung.

Edle Pferde, raue Haltung?

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Manchem mag das Konzept des Paddock Trail etwas „rustikal“ erscheinen, zu robust für die edlen Arabischen Vollblüter. Dabei sind die intelligenten, ausdauernden Tiere auch für ihre Härte und Anspruchslosigkeit bekannt. Als ursprüngliche Wüstenpferde sind sie große Temperaturunterschiede gewöhnt und können problemlos ganzjährig draußen leben. Aber genügend Unterstände für alle Pferde sind Pflicht! Denn die wenigsten Weiden bieten ausreichenden natürlichen Witterungsschutz durch Bäume, Büsche oder Gelände. Gerade nasskaltes Wetter und Wind zehren – besonders bei älteren Tieren – an der Substanz, unabhängig davon, welche Mengen Heu gefüttert werden.
Die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ in Deutschland haben hierzu folgende Bestimmungen: „Ein Witterungsschutz muss unabhängig vom rassespezifischen Typ vorhanden sein, wenn Pferde ganzjährig oder über einen längeren Zeitraum ganztägig auf der Weide gehalten werden. (…) Der Witterungsschutz erfüllt nur dann seine Funktion, wenn er alle Tiere gleichzeitig vor ungünstigen Witterungseinflüssen schützen kann. (…) Bei größeren Pferdegruppen sind mehrere kleine Unterstände einem großen Unterstand vorzuziehen. Die Zugänglichkeit muss auch rangniedrigen Tieren möglich sein.“ Letzteres lässt sich übrigens mit Hilfe von mehreren Aus- bzw. Eingängen sowie Raumteilern im Gebäude gewährleisten.
Meist jedoch werden sie „unterwegs“ sein. Dem enormen Bewegungsdrang insbesondere beim Araber wird der Paddock Trail wie keine andere Haltungsform gerecht und schult, auch bei jungen Pferden, die Balance und Koordination. Nahezu spielerisch lernen die Tiere im Herdenverband sich sicher auf verschiedensten Untergründen zu bewegen und meistern im Alltag so manche Herausforderung ohne jedes Zutun des Menschen. Die Aktivität in der Gruppe fordert und fördert sie sowohl physiologisch als auch psychisch und verhilft den sensiblen Pferden zu mehr Ausgeglichenheit. Ein Ziel, das gerade in Anbetracht seines nicht immer positiven Rufes dem Araber in seiner Außenwirkung sehr entgegenkommt. Und auch für uns, seine Besitzer, Reiter oder Züchter, ist ein gesundes, ausgeglichenes und rundum zufriedenes Tier ein zuverlässiger Partner, wie wir ihn uns wünschen.
Jenny Pohl

Die Bilder zum Beitrag sind auf den Trails des Birkenhofs Wölling in Dorfen/Bayern entstanden. Am 6. Mai findet hier ein „Tag der offenen Stalltür“ statt, mit Stalltouren und spannenden Vorträgen rund um Paddock Trails und artgerechte Haltung. Der Pensionsbetrieb ist auch die Heimat der kleinen Araberzucht Tender Arabians.
www.birkenhof-woelling.de
www.tender-arabians.com

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