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Jan 24 2019

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Ein Sieg für die Jugend

ANC Turnier Aachen 2018

Dieses Jahr fielen eine Reihe junger Reiter in Aachen sehr positiv auf – auch der erfolgreichste Reiter des ganzen Turniers und Gewinner des PALTRA-Cups, der Holländer Kyle van der Heijden, ist erst 18 Jahre alt. Es wäre schön, wenn dies zu einem Trend werden würde!

Die Siegerin der A**-Dressur erreichte eine glatte 8,0, die Siegerin der A*-Dressur sogar eine 8,5. Warum dies so besonders erwähnenswert ist? Weil sie zu den jüngsten Teilnehmern des Turniers gehörten, die diese Glanzleistungen absolvierten – doch der Reihe nach!

Die Junioren sind Spitze!

Zwei Reiterinnen waren erst zehn Jahre alt und erhielten bereits die goldene Schleife des Siegers: Dies war zum einen Virginia Spönle, die Tochter von Frank Spönle und Elisa Grassi, zwei Namen, die man aus der Schauszene bestens kennt. Virginia reitet mit Adrette D eine 8jährige Reitpony-Stute und gewann hier in Aachen mit einer fantastischen Wertnote von 8,5 die mit elf Teilnehmern besetzte Dressur A*, außerdem wurde sie vierte in der L*-Trense. Virginia konnte auch schon andern-
orts Erfolge feiern, so vier Wochen zuvor mit dem Reitponyhengst Coer Noble, mit dem sie am Bundeschampionat der 5-jährigen Ponys einen fantastischen vierten Platz errang, leider aber führt Coer Noble kein Araberblut…


Die andere 10-jährige Reiterin war Neele Schlichte, die den Vollblutaraberhengst Al Ashar (Ashur / Aswana V) über den Parcours steuerte und die Stilspringprüfung Kl. A* mit einer Wertnote von 7,8 gewann. Neele reitet den gekörten Elite-Hengst noch nicht einmal ein Jahr, hat mit ihm aber schon das kleine Reitabzeichen abgelegt.
Mit ihrem 15-jährigen Vollblutaraber-Wallach Galahad (Werbum / Granada) siegte Helen Jodie Byrne aus Dänemark in der A**-Dressur gegen 19 Mitkonkurrenten mit einer Wertnote von 8,0. Helen ist 13 Jahre alt und reitet seit sie drei ist. Den Wallach Galahad hat sie erst seit zwei Monaten, doch die beiden verstehen sich offensichtlich bestens! Sie erreichten auch einen vierten Platz in der L-Kandare, geschlagen nur vom besten Teilnehmer des Turniers, Kyle van der Heijden und zwei weiteren, wesentlich älteren und erfahreneren Turnierreitern.
Ebenfalls aus Dänemark kam die 14-jährige Rebecca Frandsen mit Fair Orkan (LM Polaris / Bint Quahir), ein 17jähriger Vollblutaraber-Wallach, mit dem schon ihre Tante Lise Frandsen am Europa-Championat 2013 in Stadl Paura die Goldmedaille errang! Rebecca und Fair Orkan siegten in der A*-Dressur, die insgesamt 14 Starter zählte. Sie reitet Fair Orkan nun seit zwei Jahren, und so ein Pferd als Lehrmeister zu haben ist natürlich Gold wert!
Für die 16jährige Emma Dorn mit dem 14-jährigen Vollblutaraber-Hengst Mosri Al Dahab (Dahab / Mosilla), vor zwei Jahren Sieger der VZAP-Körung, lief es in Aachen nicht ganz so gut. Einen Platz im Mittelfeld der mit 14 Teilnehmern besetzten A*-Dressur, war ihr bestes Ergebnis.
Der erfolgreichste Reiter in Aachen war Kyle van der Heijden mit seinem Vollblutaraber-Wallach BA Aram von Amalfi (einem Vollbruder zu Enzo), aus der Aroussa Monpelou. Kyle ist 18 Jahre alt, das Pferd ist 10 und die beiden wurden dieses Jahr bereits Niederländische Meister in der Vollblutaraber-Dressur. Nun in Aachen haben sie abgeräumt: Drei Siege in der L*-Trense, L*-Kandare und M**, dazu noch den PALTRA-Pokal und ein Wellness-Wochenende, gesponsort von Anja und Claus Paltra – da hat sich die Reise gelohnt!

Die deutschen Teilnehmer

Interessanterweise waren alle elf Vollblutaraber aus Deutschland in der Dressur unterwegs, nur den bereits oben erwähnten Al Ashar traf man vor allem im Springparcours an. Der Hengst wurde neben Neele auch von Dirk Schlichte geritten. Seine vielseitige Veranlagung wollte auch COF Mirajj (Marajj / OFW Hannah) zeigen, in dem er am Nationalen Championat der Schaupferde das Silber-Championat errang und dann auf den Reitplatz wechselte und eine Eignungsprüfung absolvierte, zu der neben einer Dressur auch ein paar Sprünge gehören.
Die acht Shagya-Araber waren vor allem im Springen engagiert, seltener auch mal in der Dressur. Am erfolgreichsten in dieser Rassegruppe war Roxana (v. Occident) unter Ina Charlotte Seehricht. Dieses Paar siegte im A-Springen und belegte einen zweiten Platz im L-Parcours. Einen zweiten Platz unter derselben Reiterin war dann auch für den Shagya-Araber-Hengst Bahrain von Ludwigsburg (v. Bazar) drin, der letztes Jahr seine Hengstleistungsprüfung abgelegt hat, wo er seine Springmanier unter Beweis stellte. Hier nun erreichte er eine 7,6 im Stilspringen Kl. A hinter Al Ashar und vor Roxana.
In der Dressur, so muß man leider allgemein feststellen, waren die deutschen Teilnehmer dieses Jahr nicht so erfolgreich. Wie bereits erwähnt, nahm der Holländer Kyle van den Heijden mit BA Aram die Spitzenposition ein. Letztes Jahr noch war er „der ewig Zweite“ hinter Haifi El Sorrento. Dieses Jahr nun hatte er die Chance auf den Sieg, da Haifi El Sorrentos Reiterin sich das Bein bracht – erst der Unfall der Besitzerin, nun der Unfall der Reiterin, es war nicht ihr Jahr.
MS Madrass (Kamerton / Marenah) schlug sich tapfer mit seiner Reiterin Susanne Giese, doch kamen sie nicht über einen dritten Platz hinaus: Je einmal ein 3., 4. und 5. Platz war das Ergebnis, ganz zufriedenstellend war das wohl nicht, nach der Silbermedaille an der Europa-Meisterschaft in Wiener Neustadt.
Mit einer Wertnote von 7,4 sicherte sich Malik Ibn Prognoz (Prognoz / Juvara) unter Janine Holze den zweiten Platz in der L-Dressur auf Trense. Eine solide Leistung mit 7,4 und 7,3 in den A* und A**-Prüfungen lieferte Epifan (Psytadel / Epimeria) unter seinem Ausbilder Alexander Dansin ab. Der Hengst aus dem Gestüt Gut Meinfeld wurde anläßlich der VHS mit einer goldenen Schleife ausgezeichnet und hat die Rittigkeitspüberprüfung mit 7,5 abgelegt. Es ist gut, Hengste wie Mosri Al Dahab, Al Ashar, und Epifan die an der VHS bzw. Körung ausgezeichnet wurden, auch im Sport zu begegnen.

Die ausländischen Teilnehmer

Zwölf Teilnehmer schickte unser Nachbar Holland ins Rennen, darunter den eingangs erwähnten BA Aram mit Kyle van der Heijden. Ebenfalls aus Holland kam auch der Sieger der M*-Dressur, Nureyev von Nubiec, einem Balaton-Sohn. Der Fuchs aus der Zucht von Jan Calis fällt durch seine eigenartige Fellzeichnung auf – sozusagen eine „bloody shoulder“ am linken Vorderbein und Schulter bestehend aus Schimmelhaaren im Fuchsfell. Ein weiterer Hengst aus dem Stall von Jan Calis war der bereits 17-jährige Mythos (Marwan I / Isy), ein ehemaliges – sehr gutes – Rennpferd, der nun unter dem Dressursattel geht. Ein 5. Platz in der A** war sein bestes Ergebnis. Ein Pferd mit „Schaupferdeabstammung“ ist AR Fayyim von Valerio Ibn Eternity IV, der unter seiner Reiterin Saskia Rutte einen 2. Platz in der L-Kandare erreichte. Insgesamt erreichten die Holländer in der Dressur 4 erste, 3 zweite und 2 dritte Plätze.
Aus Dänemark waren sechs Reiter/Pferde-Paare angereist, darunter die beiden eingangs erwähnten Mädels mit ihren Pferden Galahad und Fair Orkan. Zum ersten Mal in Aachen dabei war Jibraeel Estopa of Tas (von Genotic) mit seiner Reiterin Karoline Louise Skot, die jeweils einen zweiten Platz in der M* und M** belegten. Darüber hinaus war auch Tamon (v. Wagant) angereist, der mit Mette Wenzelsen einen dritten Platz in der L* belegte. Insgesamt konnten die Dänen 2 erste, 3 zweite und 2 dritte Plätze erzielen.
Der Nationenpreis ging wieder einmal nach Deutschland, obwohl „gefühlt“ die Holländer – insbesondere bei den Vollblutarabern – die besseren Leistungen zeigten. Vielleicht sollte man hier über den Vergabemodus einmal nachdenken.
Gudrun Waiditschka

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