{"id":10256,"date":"2018-01-04T15:07:38","date_gmt":"2018-01-04T14:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/in-the-focus.com\/?p=10256"},"modified":"2018-01-24T09:06:10","modified_gmt":"2018-01-24T08:06:10","slug":"ein-komplettes-pferd-ist-das-zuchtziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2018\/01\/ein-komplettes-pferd-ist-das-zuchtziel\/","title":{"rendered":"&#8220;Ein komplettes Pferd ist das Zuchtziel&#8221;"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-size:120%; color:#d4a409\"><strong>Seit 25 Jahren z\u00fcchten Bernd und Gabriele Zimmermann vom Gest\u00fct Amurath arabische Pferde auf Weil-Marbacher Grundlage. Z\u00fcchter wie Bernd Zimmermann, der auch als Musterungsbeauftragter, nationaler Richter und langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied des VZAPs aktiv ist, bilden das R\u00fcckgrad der deutschen Vollblutaraberzucht. Wir sprachen mit ihm \u00fcber den Markt, die Schauszene und die Zukunft der Zucht.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Arabische Pferde:<\/strong> Herr Zimmermann, ihr Gest\u00fctsname Amurath bezieht sich auf den Hengst Amurath I 1829 aus dem K\u00f6niglichen Privatgest\u00fct Weil. Wof\u00fcr steht dieser Hengst f\u00fcr Sie und was gef\u00e4llt Ihnen an ihm so besonders, dass Sie ihr Gest\u00fct nach ihm benannt haben?<br \/>\n<strong>Bernd Zimmermann: <\/strong>Wenn man das Gem\u00e4lde betrachtet, so sieht man ein komplettes Pferd, ein Pferd mit bestem Typ, arabischem Schmelz, der n\u00f6tigen Feinheit und Aufrichtung. Da ist nichts &#8220;extremes&#8221; daran, vielmehr ist er f\u00fcr mich sehr nahe am Ideal.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-by-Volkers-600px.jpg\" alt=\"Amurath - by Volkers-600px\" width=\"600\" height=\"449\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10258\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-by-Volkers-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-by-Volkers-600px-300x225.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-by-Volkers-600px-160x120.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Und wieviel &#8220;Amurath&#8221; ist noch drin in Ihrer Zucht?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Wir befinden uns tats\u00e4chlich an einem Scheideweg mit unserer Zucht. Im Stutenstamm ist Amurath noch drin, aber auf der Hengstseite tun wir uns schwer, etwas Passendes aus der Weil-Marbacher Richtung zu finden. Und Hengste wie Dschehim und Said sind zu eng mit unseren Stuten verwandt. In j\u00fcngster Zeit haben wir mit El Nabila B und Pallaton K gedeckt, um mehr Aufrichtung, Auge und K\u00f6rper zu bekommen.<br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Welches waren Ihre Stammstuten, und wann haben Sie mit ihnen angefangen? Wieviele Generationen &#8220;Amurath&#8221; gibt es mittlerweile?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Unsere Zucht ist urspr\u00fcnglich auf drei Stammstuten aufgebaut. Mit Mahara (Gharib \/ Magda) *1980 haben wir 1992 mit der Zucht angefangen. Ihre Gro\u00dfmutter Molawa haben wir mit Monrad und Dahab auch auf der Vaterseite gefestigt und daraus unsere M-Linie erhalten, mit der wir in der 4. Generation z\u00fcchten &#8211; das sind rund 25 Jahre &#8220;Amurath&#8221;. Die anderen beiden Stammstuten waren Dagi (Hadban Enzahi \/ Hamdi) *1976, die wir im Alter von 22 Jahren \u00fcbernommen hatten. Sie brachte uns noch ein Fohlen, Amurath Damirah (v. Penthagonn). Die dritte war Samia II (Saher \/ Senitza) *1982, eine Vertreterin der S-Linie in Marbach. Sp\u00e4ter konnten wir auch noch die Stutenherde der Zucht von Ingeborg Wagner, Gest\u00fct Waldhof, \u00fcbernehmen. Hiervon ist aktuell leider nur eine Stute bzw. deren Nachzucht \u00fcbrig geblieben.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moheba-Familie-9-c-Finke600px.jpg\" alt=\"Moheba-Familie (9) (c) Finke600px\" width=\"600\" height=\"400\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10260\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moheba-Familie-9-c-Finke600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moheba-Familie-9-c-Finke600px-300x200.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moheba-Familie-9-c-Finke600px-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Wenn Sie nun Ihre Stammstuten betrachten und Ihre heutigen Zuchtprodukte nach 3-4 Generationen &#8211; was wurde ver\u00e4ndert, und durch welche Hengste?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Bei allen Marbachern gab es meines Erachtens den K\u00f6rper zu verbessern. In der Regel war der Halsansatz zu tief, die kurze Kruppe , das spitze Kreuzbein, ein Erbe von Hadban Enzahi &#8211; dies galt es zu verbessern.<br \/>\nWir haben seit vielen Jahren keinen eigenen Hengst mehr, was f\u00fcr uns den gro\u00dfen Vorteil hatte, v\u00f6llig frei in der Wahl eines Hengstes f\u00fcr die jeweiligen Stuten zu sein. In den Anfangsjahren, so von 1990-2005 standen noch einige Hengste mit viel Weil-Marbacher Blut zur Verf\u00fcgung, beispielsweise Monrad (Hadban Enzahi \/ Molawa) *1974 und Dahab (Monrad \/ Dawa) *1984. Mit Monrad haben wir Inzucht gemacht, mit Dahab Linienzucht, wobei Dahab die besseren K\u00f6rper brachte, vermutlich ein Erbe von Karmin. Penthagonn vererbte uns Halsung und die gro\u00dfen \u201eAmurath\u201c Augen.<br \/>\nMadkours Impuls (Madkour I \/ Imperia) *1997, den wir dann anschlie\u00dfend verwendet haben, brachte uns Gr\u00f6\u00dfe, Langbeinigkeit und Halsung, nicht immer in der ersten Generation, aber sp\u00e4ter.<br \/>\nSehr gut haben sich die Hengste El Sid, Fadi Al Shaqab und Muranas Jassehr mit den Nachkommen aus dem \u201ealten\u201c Stutenstamm vererbt.<\/p>\n<p><strong>AP:<\/strong> Macht Erhaltungszucht Sinn? Wenn wir zum Beispiel bei den Weil-Marbachern bleiben?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Das ist eine spannende Frage, die ich mir auch schon oft selbst gestellt habe. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich habe ich sie unter den aktuellen Bedingungen mit &#8220;nein&#8221; beantwortet. Akademisch betrachtet aber macht es Sinn und ist zu bef\u00fcrworten. Wenn allerdings die Pferde zu schlecht sind f\u00fcr die Marktanspr\u00fcche, bringt es auch nichts. Erhaltungszucht um seiner selbst willen, beispielsweise nur auf Optik oder nur auf Pedigree, macht f\u00fcr mich keinen Sinn. Es kommt also auf das Ziel der Erhaltungszucht an. Bei den Bahrainis beispielsweise kommt alles zusammen, Optik, Pedigree und Leistungsanspruch &#8211; dann ist das in Ordnung.<br \/>\nDamit es funktioniert, mu\u00df der Genpool eine gewisse Gr\u00f6\u00dfe haben. Dazu mu\u00df man aber global arbeiten, und man mu\u00df die privaten Z\u00fcchter mit einbeziehen, die Interessenlagen kl\u00e4ren, ein Zuchtziel definieren und ein Erhaltungszuchtbuch einf\u00fchren &#8211; dann kann es funktionieren. Vom Herzen w\u00e4re ich sofort dabei, aber der Plan scheint nicht umsetzbar.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stutenlinien-2000px.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stutenlinien-600px.jpg\" alt=\"Stutenlinien-600px\" width=\"600\" height=\"678\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10261\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stutenlinien-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Stutenlinien-600px-265x300.jpg 265w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Was sind Ihre Selektionskriterien, worauf legen Sie in der Zucht besonderen Wert?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Neben dem Exterieur sind das vor allem Umg\u00e4nglichkeit. Die Pferde m\u00fcssen ganz allgemein gut &#8220;funktionieren&#8221;, sie m\u00fcssen rittig sein, und eine gute Einstellung zur Arbeit haben. Das merkt man gleich beim anreiten, sie d\u00fcrfen nicht widersetzlich sein, sondern sollten Freude an der Arbeit haben. Das ist mir wichtiger, als Leistungstypen. Wenn die Fremdreiter an der Stutenleistungspr\u00fcfung zu mir sagen, sie h\u00e4tten ein super Gef\u00fchlt auf dem Pferd, dann sind sie auch leicht zu reiten. Klar im Kopf und ein guter K\u00f6rper &#8211; beides mu\u00df stimmen, um ein rittiges Pferd zu erhalten, und das ist es, was der Freizeitreitermarkt braucht und verlangt. Das Feedback von unseren Kunden spiegelt dies wider.<br \/>\nDas Ablegen der Stutenleistungspr\u00fcfung f\u00fcr unsere Zuchtstuten ist eine selbst auferlegte Selektionsma\u00dfnahme. Hier wird mit objektiven Kriterien die allgemeine Eignung als Reitpferd getestet. Grundgangarten, Rittigkeit (auch unter dem Fremdreiter), Leistungsbereitschaft und Leistungsverm\u00f6gen. Ganz wichtig ist mir pers\u00f6nlich das Freispringen. Hier ist der Mut, die \u00dcbersicht, Nervenst\u00e4rke, Intelligenz und Athletik eines Pferdes zu beobachten. Enorm wichtige Kriterien f\u00fcr ein Reit- und Zuchtpferd.<br \/>\nDiese Eigenschaften m\u00f6chte ich auf Dauer in meinen Stutenst\u00e4mmen erhalten.<br \/>\nLeider kann man derzeit auf wenig hochwertige Hengste mit Leistungspr\u00fcfung zur\u00fcckgreifen. Ich bedaure das, kann es aber nicht \u00e4ndern. Deshalb habe ich mich f\u00fcr diesen Selektionsweg mit den eigenen Stuten entschieden.<br \/>\n<strong><br \/>\nAP:<\/strong> Sollte man &#8220;z\u00fcchten was der Markt verlangt&#8221; und wo hat der Araber seinen Markt? Viele sehen ja noch immer in der Schau den Absatzmarkt schlechthin.<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Wir z\u00fcchten f\u00fcr Schau, Freizeitreiter, auch f\u00fcr den ambitionierten Freizeitreitermarkt, wir z\u00fcchten auch Sportpferde, Partbreds, Veredler &#8211; letzteres ist nicht uninteressant, wenngleich nur ein kleiner Markt. Leider gehen die Eigenschaften, die der Araber als Veredler mitbringen mu\u00df, immer mehr verloren. Hierzu eignen sich nur wirklich gute Pferde, wenn man bei den Warmblutz\u00fcchtern ernst genommen werden will. Man mu\u00df ein komplettes Pferd z\u00fcchten, das insbesondere auch zum guten Reitpferd taugt.<br \/>\nDie Linienzucht, und damit die ausgepr\u00e4gten Typen, gehen durch die Vermischung von allem mit allem verloren. Es gilt die Stutenlinien zu erhalten, die Vielfalt kann man dann \u00fcber die Hengste einbringen. Reine Linienzucht ist bei den Weil-Marbachern in der heutigen Zeit schwierig, weil die Hengste fehlen. Man mu\u00df seine eigenen Ideale in anderen Linien suchen, das kann polnisch, \u00e4gyptisch oder russisch, bzw. eine Mischung davon sein.<\/p>\n<p><strong>AP:<\/strong> Welches Ihrer Pferde w\u00fcrden Sie als Ihr bestes Zuchtprodukt betrachten &#8211; und warum?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Mein bisher gelungenstes Zuchtprodukt ist Amurath Mofeedah (El Sid \/ Amurath Morgana) *2007, von der wir zwei T\u00f6chter in der Herde haben, Amurath Mona Lisa (v. Muranas Jassehr) und Amurath Moneera (v. Fadi Al Shaqab). Das sind komplette, solide Pferde, die erfolgreich im Schauring sind, sich aber auch gut anreiten lassen. Mofeedah trifft meinen Geschmack am besten. Sie geht auf Magda und damit Molawa zur\u00fcck und auch ihr Gro\u00dfvater Monrad geht ebenfalls auf Molawa zur\u00fcck. Diese Linienzucht brachte das Wesen von Magda wieder hervor, durch El Sid hat sie aber mehr Rahmen und Feinheit im  Gesicht bekommen. Ihre Nachkommen sind meine Favoriten. <\/p>\n<p><strong>AP:<\/strong> Welchen Ratschlag w\u00fcrden Sie einem jungen Z\u00fcchterkollegen geben?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Mein Rat an Neuz\u00fcchter: Lassen Sie sich Zeit! Fangen Sie klein an und \u00fcbernehmen Sie sich nicht. Das Wichtigste f\u00fcr eine Zucht ist eine gute Zuchtstute &#8211; daher nehmen Sie sich bei der Suche nach einer Gr\u00fcnderstute viel Zeit. Seien Sie w\u00e4hlerisch und lassen Sie sich von einem erfahrenen Z\u00fcchter beraten, der Ihnen eine wirtschaftlich unabh\u00e4ngig Beratung gibt. Machen Sie keine Kompromisse bei der Qualit\u00e4t, und brechen Sie keine Entscheidung \u00fcbers Knie. Die Wahl des Hengstes h\u00e4ngt dann davon ab, was die Stute braucht, was es zu verbessern gilt, und nicht, was gerade modern ist.<br \/>\nAnsonsten rate ich jedem, sich laufend weiterzubilden, sowohl praktisch, wie auch theoretisch &#8211; und zwar als Pferdemann\/-frau ganz allgemein, nicht rassespezifisch. Wichtig ist es auch, sich viele Pferde anzusehen, wenn m\u00f6glich zu reisen und Kontakte zu kn\u00fcpfen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Masirah-IC1G5541c-Bietry-600px.jpg\" alt=\"Masirah IC1G5541(c) Bietry-600px\" width=\"600\" height=\"400\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10266\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Masirah-IC1G5541c-Bietry-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Masirah-IC1G5541c-Bietry-600px-300x200.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Masirah-IC1G5541c-Bietry-600px-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Welche Bedeutung hat die Schauszene f\u00fcr die Zucht des arabischen Pferdes?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Ich w\u00fcrde sagen, sie ist Fluch und Segen zugleich. Die Schauszene hat ihre eigene Faszination und sie bringt Menschen zusammen. Und auch wenn es nur ein kleiner Markt ist, so hat er eine gro\u00dfe Wirkung &#8211; finanziell, aber auch nach au\u00dfen. Das kann man als positiv erachten. Aber die Schauszene hat auch Moden kreiert, die viele Z\u00fcchter beeinflu\u00dft, nicht nur im Guten. Als positiven Einflu\u00df in der Zucht kann man beispielsweise das Wirken von Gazal Al Shaqab in Polen und der ganzen Welt betrachten. Er wurde nicht zuletzt mit Hilfe des Geldes der Schauszene gez\u00fcchtet. Man darf nicht vergessen, es gibt auch solide Schaupferdez\u00fcchter, die die gesamte Zucht positiv beeinflu\u00dfen. Und die Schauszene erregt Aufmerksamkeit und bringt neue Leute zum arabischen Pferd.<br \/>\nAber da ist auch der Fluch nicht weit, denn die &#8220;traditionellen  Pferdeleute&#8221; f\u00fchlen sich davon abgesto\u00dfen, durch die Art der Pr\u00e4sentation, der Aufzucht, etc., dadurch wird ein gewisses Klientel davon abgehalten, mit dem Araber in engere Beziehung zu kommen. Das Beste am arabischen Pferd, das faszinierende Wesen, die Liebe zum Menschen wird durch die Schauszene nicht wirklich herausgestellt. Es ist eine einseitige Darstellung des arabischen Pferdes. Hier liegt eindeutig der Nachteil der Schauszene.<\/p>\n<p><strong>AP:<\/strong> Wo sehen Sie die Zucht in 10 oder 20 Jahren?<br \/>\n<strong>B.Z.:<\/strong> Da mu\u00df man unterscheiden, zwischen Deutschland und der internationalen Szene. In Deutschland sehe ich eine Aufspaltung in  3 Kategorien. 1. Freizeitreiterzucht ohne klares Ziel und ohne Anschlu\u00df an die internationale Zucht 2. Eine leider kleiner werdende Gruppe von ca. 5 bis 10 Z\u00fcchter mit klarem Plan und Ziel, ein vielseitiges arabischen Reitpferd f\u00fcr  Sport und Freizeit in guter Qualit\u00e4t  zu z\u00fcchten. 3. und in eine kleine Gruppe von 5-10 Z\u00fcchter in Deutschland mit internationalem Anspruch. Die  Gr\u00e4ben zwischen den Gruppierungen, die sich in der Regel in 2 Lager spalten,  ist wohl kaum zu \u00fcberbr\u00fccken. Deutschland als Zuchtland wird, so ist bei fortschreitender Entwicklung zu erwarten, qualitativ und quantitativ in die Bedeutungslosigkeit abfallen.<br \/>\nInternational sehe ich neue L\u00e4nder, neue M\u00e4rkte, wie zum Beispiel China. Da gibt es viele verm\u00f6gende Leute, die sich f\u00fcr die Zucht und den Schaumarkt begeistern lassen. Diese M\u00e4rkte werden jetzt bereits bedient. Aber wir Deutschen besch\u00e4ftigen uns zu sehr mit uns selbst.<br \/>\nDie modernen Reproduktionstechniken &#8211; von Gefriersamen bis Embryotransfer in gro\u00dfem Ma\u00dfstab &#8211; treiben die Globalisierung voran. Der Abstand zwischen Deutschland und der internationalen Zucht wird sich vergr\u00f6\u00dfern, und obwohl Deutschland wirtschaftlich gut dasteht, wird es z\u00fcchterisch, was die Araberzucht anbelangt, voraussichtlich bedeutungslos werden.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-Seyah-c-Groger-600px.jpg\" alt=\"Amurath Seyah (c) Groger-600px\" width=\"600\" height=\"496\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10267\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-Seyah-c-Groger-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Amurath-Seyah-c-Groger-600px-300x248.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n<strong>AP:<\/strong> Worin sehen Sie die Entwicklung in Deutschland begr\u00fcndet?<br \/>\n<strong>B.Z.: <\/strong>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind meines Erachtens:<br \/>\n1) Der dauerhafte Ausverkauf, der in den letzten 15 Jahren stattgefunden hat, und der Fluch und Segen f\u00fcr die deutschen Z\u00fcchter bedeutete.<br \/>\n2) Die dauerhaften Probleme innerhalb unseres Zuchtverbandes VZAP, der mehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt ist, nicht richtungsweisend ist und nur mit der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung zu tun hat. Es sind Gr\u00e4ben in der Z\u00fcchterschaft entstanden, und potentiell vorhandene Energien wurden in falsche Bahnen gelenkt. Und obwohl wir den ANC ausrichten, wird dieser von den meisten Z\u00fcchtern nicht angenommen, ja, sogar abgelehnt. Die Konkurrenzsituation mit zwei Zuchtverb\u00e4nden f\u00fcr das Arabische Pferd ist ebenfalls zum Nachteil f\u00fcr eine positive Grundstimmung und schadet der deutschen Zucht insgesamt.<br \/>\n3) Es fehlte die Vorbildfunktion des Staatsgest\u00fcts. Eine sinnvolle Erhaltungszucht hat ebenso gefehlt, wie die z\u00fcchterische Weiterentwicklung der \u201ealten\u201c Weiler Zucht.<br \/>\n4) Und last not least: Die deutsche Mentalit\u00e4t. Es fehlt an Begeisterungsf\u00e4higekeit, stattdessen findet ein geradezu dogmatischer Kampf &#8220;Schau gegen Reiter&#8221; statt. Ich w\u00fcrde hier zu mehr Gelassenheit und Toleranz raten!<br \/>\nAls vorsichtige Zukunftsvision sehe ich: Sehr gute, qualit\u00e4tsvolle Schau-, Reit- und Zuchtpferde lassen sich auch verkaufen, das sieht man weltweit. Aber bei der Schau wie beim Reiten gilt: Tierschutzrelevante Ausw\u00fcchse m\u00fcssen unterbunden werden, sonst nimmt die Reiterei, die Schauen und die Pferdezucht in den Augen der Allgemeinheit Schaden.<br \/>\nWas die Pferdezucht und -haltung ganz allgemein anbelangt, so gilt es zu bedenken, dass diese durch immer weitere Umwelt- und Tierschutz-Auflagen teurer wird, auch durch die Klimaver\u00e4nderung! Wir haben beispielsweise durch Allwetterpl\u00e4tze darauf reagiert, dass anhaltende Regenf\u00e4lle die Weidesaison einschr\u00e4nken. Dies aber kostet Geld. Die artgerechte Haltung wird die Pferdezucht in Zukunft noch weiter verteuern, was bedeutet, dass nur mit entsprechendem Kapital, das au\u00dferhalb der Pferdezucht erwirtschaftet wird, ein l\u00e4ngeres Durchhalteverm\u00f6gen m\u00f6glich ist.<br \/>\nWenn ich zur\u00fcckdenke, welche Eigenschaften des arabischen Pferdes mich an diese Rasse gebunden haben, so waren es: der Charakter, die Menschenbezogenheit, die Sch\u00f6nheit &#8211; diese Faktoren haben sich immer wie ein roter Faden durch mein z\u00fcchterisches Leben gezogen und diese Eigenschaften m\u00fcssen wir vermehrt in den Mittelpunkt stellen, um diese Rasse zu vermarkten. Leider sind diese Eigenschaften nicht monet\u00e4r quantifizierbar (wie es beispielsweise die Milchleistung einer Kuh ist) &#8211; sie zahlen sich erst sp\u00e4t aus und es braucht einen langen Atem bis man die Fr\u00fcchte seiner Arbeit ernten kann. Heute verkaufen wir etwa ein Drittel unserer Pferde auf Emfpehlung von fr\u00fcheren K\u00e4ufern, oder an Leute, die gute Erfahrungen mit unseren Pferden gemacht haben.<br \/>\nF\u00fcr meine eigene Zucht bin ich optimistisch und teile den in Deutschland herrschenden &#8220;Grundpessimismus&#8221; nicht! Im Gegenteil, ich freue mich auf die weitere z\u00fcchterische Arbeit, denn mit jeder Generation kenne ich meine Linien und Pferde besser!<\/p>\n<p><strong>AP:<\/strong> Besten Dank, Herr Zimmermann, f\u00fcr das sehr interessante Gespr\u00e4ch, und alles Gute f\u00fcr Ihre kommenden Fohlenjahrg\u00e4nge!<br \/>\n<em>(das Interview f\u00fchrte Gudrun Waiditschka)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 25 Jahren z\u00fcchten Bernd und Gabriele Zimmermann vom Gest\u00fct Amurath arabische Pferde auf Weil-Marbacher Grundlage. Z\u00fcchter wie Bernd Zimmermann, der auch als Musterungsbeauftragter, nationaler Richter und langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied des VZAPs aktiv ist, bilden das R\u00fcckgrad der deutschen Vollblutaraberzucht. Wir sprachen mit ihm \u00fcber den Markt, die Schauszene und die Zukunft der Zucht. Arabische Pferde: &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2018\/01\/ein-komplettes-pferd-ist-das-zuchtziel\/\">Continue reading<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10269,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"amp_status":"","footnotes":""},"categories":[12,74],"tags":[],"class_list":["post-10256","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","category-no-42017-vol-12","item-wrap"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10256"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10615,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10256\/revisions\/10615"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}