{"id":13251,"date":"2019-01-10T08:00:08","date_gmt":"2019-01-10T07:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/in-the-focus.com\/?p=13251"},"modified":"2019-11-28T10:14:20","modified_gmt":"2019-11-28T09:14:20","slug":"was-zuechten-die-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2019\/01\/was-zuechten-die-deutschen\/","title":{"rendered":"Was z\u00fcchten die  Deutschen?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong><strong>Analyse des Fohlenjahrgangs 2017<\/strong><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Ein subjektiver Eindruck kann ganz sch\u00f6n t\u00e4uschen, denn der besagt, dass in Deutschland haupts\u00e4chlich \u00c4gypter und Schaupferde gez\u00fcchtet werden. Und was ist mit all den anderen Blutlinien? Die gibt&#8217;s doch gar nicht mehr&#8230; oder doch? Wir haben den Fohlenjahrgang 2017 analysiert!<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Sliderbild-1.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Basisdaten<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um verl\u00e4ssliche Daten zu haben, welche Abstammungen bzw. Blutlinien heute in Deutschland noch &#8220;aktiv&#8221; genutzt werden, wurde f\u00fcr die vorliegenden Aussagen der Fohlenjahrgang 2017 analysiert. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren demnach beim VZAP 584 Pferde des Jahrgangs 2017 in der Datenbank verzeichnet, beim ZSAA waren zus\u00e4tzlich 54 Fohlen registriert, macht insgesamt 639 Vollblutaraberfohlen im Jahr 2017.<br>Diese 639 Fohlen wurden bei insgesamt 258 Z\u00fcchtern geboren und hatten 288 verschiedene V\u00e4ter, das hei\u00dft, ein Z\u00fcchter z\u00fcchtete im Durchschnitt 2,47 Fohlen, w\u00e4hrend ein Hengst 2,2 Fohlen zeugte. Aber nat\u00fcrlich gibt es auch gr\u00f6\u00dfere Gest\u00fcte und Besch\u00e4ler mit mehr Nachwuchs, wie die Tabellen 1 und 5 darlegen.<br>Von diesen 639 Fohlen waren 339 Stutfohlen und 300 Hengstfohlen, das entspricht einem Verh\u00e4ltnis von 1,13. Unter nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnissen werden mehr m\u00e4nnliche als weibliche Tiere geboren. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr den &#8220;Stuten\u00fcberhang&#8221; k\u00f6nnte sein, dass es laut einer Studie Stutenlinien gibt, die eher weibliche Fohlen hervorbringen als Hengstfohlen. Die Antwort k\u00f6nnte in unserem Falle aber auch sehr viel einfacher sein, denn es ist gut m\u00f6glich, dass eine Reihe von Hengstfohlen erst gar nicht registriert werden (z. B. aus Kostengr\u00fcnden).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Zuchtrichtungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-1-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"220\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-1-3-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13302\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-1-3-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-1-3-600px-300x110.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um einen \u00dcberblick zu bekommen, mit welchen Blutlinien &#8211; und damit auch mit welchem Zuchtziel &#8211; heute gez\u00fcchtet wird, wurden diese Fohlen in &#8220;Gruppen&#8221; eingeteilt. Dazu braucht es halbwegs praktikable &#8220;Definitionen&#8221;. Die einfachste ist &#8220;Straight Egyptian&#8221; &#8211; das ist ziemlich universell, und jeder wei\u00df, was darunter zu verstehen ist. Bei<br>Straight Russian oder Pure Polish wird es schon schwieriger &#8211; und was bittesch\u00f6n ist eine &#8220;Schaupferde-Abstammung&#8221;?<br>Um das Ganze dennoch halbwegs \u00fcbersichtlich zu halten, wurden zuerst einmal drei Hauptkategorien geschaffen:<br>a) &#8220;SE\/asil&#8221;, d. h. Straight Egyptian, inclusive aller &#8220;asilen&#8221; Blutlinien, wie Davenport, asile Weiler etc.<br>b) moderne Schaupferde-Abstammung, womit Fohlen gemeint sind, die von einem der bekannten &#8220;Modehengste&#8221; (oder -stuten) in erster oder zweiter Generation abstammen. Diese werden hier (etwas willk\u00fcrlich) als Gold, Silber oder Bronze Champion am ANC, Europa- oder Welt-Championat in erster oder zweiter Generation definiert, ersatzweise geht auch zwei Urgro\u00dfelternteile (3. Gen.). Die Ergebnisse der Schau-Saison 2018 sind nicht ber\u00fccksichtigt.<br>c) alle anderen Blutlinien und &#8220;Mixturen&#8221;. Diese werden in einem zweiten Schritt n\u00e4her differenziert.<br>Da diese Gruppen nicht nach einem einheitlichen Kriterium definiert wurden (z. B. Blutlinien oder Gebrauchszweck), sind die Grenzen zwischen den einzelnen Gruppen oft flie\u00dfend und nat\u00fcrlich gibt es auch \u00dcberschneidungen. So wurden SE\/asil-Pferde, die auch auf Schauen erfolgreich waren bzw. erfolgreiche &#8220;Schau-Eltern&#8221; haben (z. B. Al Lahab), trotzdem unter SE\/asil gef\u00fchrt, da &#8211; auch in Hinblick auf die entsprechenden Z\u00fcchter &#8211; die Abstammung bei der Zuchtwahl vermutlich im Vordergrund stand, nicht so sehr das Endprodukt &#8220;Schaupferd&#8221;. Das Ergebnis finden Sie in Tabelle 2.<br>Interessant ist auch der Anteil an &#8220;Farbzuchten&#8221;, d.h. Rappen. Dieser Anteil ist bei den SE\/asilen Pferden signifikant h\u00f6her als bei den anderen. Ein &#8220;schwarzer \u00c4gypter&#8221; ist also f\u00fcr viele das Nonplusultra.<br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Die anderen Blutlinien<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gruppe von rund 40 %, die nach dieser anf\u00e4nglichen Gruppierung \u00fcbrig bleibt, ist am schwierigsten zu beschreiben und voneinander abzugrenzen, weil sie einen Sammelbegriff f\u00fcr alle m\u00f6glichen Zuchtziele darstellt (s. Tabelle 3).<br>Grunds\u00e4tzlich wurde unterschieden zwischen &#8220;-related&#8221; und &#8220;-Mix&#8221;. Bei &#8220;related&#8221; mu\u00dften 75 % oder mehr zur namensgebenden L\u00e4nderbezeichnung geh\u00f6ren. Also &#8220;deutsch-related&#8221; w\u00e4ren 75 % oder mehr deutsches Blut, deutsch-Mix bedeutet mind. 50 % deutsches Blut, die restlichen 50 % geh\u00f6ren diversen anderen Linien an, usw. Wobei gerade &#8220;deutsch&#8221; schon schwierig zu fassen ist. Zum einen z\u00e4hlen dazu nat\u00fcrlich die Linien, die auf Weil-Marbach, Achental etc. zur\u00fcckgehen. Diese aber gibt es nicht mehr in &#8220;Reinform&#8221;. So wurden auch Pferde hierzu gez\u00e4hlt, die in den letzten 3-4 Generationen in Deutschland gez\u00fcchtet wurden und auf diesen Linien basieren. Und nat\u00fcrlich geh\u00f6ren hierher auch Hengste wie Hadban Enzahi &#8211; obwohl aus \u00c4gypten importiert; das wurde also \u00e4hnlich gehandhabt, wie beim \u00c4gypter Aswan der in russischen Pedigrees als &#8220;Russe&#8221; gilt.<br>Fohlen aus (oder mit) franz\u00f6sischen Linien geh\u00f6ren der Leistungszucht an, sei es Rennen oder Distanzsport &#8211; fallen aber in Deutschland, da es keine Rennen mehr gibt, sowieso nicht ins Gewicht.<br>Russische und polnische Linien wurden zusammengefasst, da beide L\u00e4nder ein \u00e4hnliches Zuchtziel verfolg(t)en und aufgrund der historischen Gegebenheiten immer stark im Austausch standen. Z\u00fcchter dieser Blutlinien sind in erster Linie leistungsorientiert. Es sei aber auch angemerkt, dass es insgesamt weniger polnische als russische Linien gibt und keine &#8220;rein polnischen&#8221; Fohlen geboren wurden, wohl aber ein paar &#8220;rein russische&#8221;.<br>Bei den Kreuzungen mit SE\/asilen Pferden (meist Hengsten) wurde die andere Blutf\u00fchrung nicht weiter analysiert. Hierbei will man vermutlich eine &#8220;Veredlung&#8221; oder &#8220;Verfeinerung&#8221; erzielen.<br>Unter &#8220;international&#8221; wurde alles gesammelt, das keiner obigen Beschreibung zuzuordnen war. \u00dcblicherweise handelt es sich hier um eine bunt gemischte internationale Abstammung. Sie sind vielfach auch als Leistungspferde (Distanzsport) unterwegs, ohne dass man sie jetzt speziell zu den russisch\/polnischen oder franz\u00f6sischen Leistungslinien z\u00e4hlen k\u00f6nnte. Hier k\u00f6nnen sowohl &#8220;alte Pedigrees&#8221; (z. B. alt-deutsch, alt-polnisch und US-domestic) vorliegen, wie auch internationale Mixe mit Schaupotential, aber ohne die erw\u00e4hnten Super-Champions im Pedigree.<br>Es wird deutlich, dass insbesondere die &#8220;alten&#8221; Pedigrees, wie beispielsweise die deutschen Linien, an Liebhabern verlieren. W\u00fcrde man aus den &#8220;deutschen&#8221; Fohlen die Weil-Marbacher aus dem Haupt- und Landgest\u00fct herausrechnen, blieben nur noch drei Fohlen \u00fcbrig, die in Privatbesitz geboren wurden und diesen Kriterien entsprechen.<br>Wie gesagt, die Abgrenzung ist schwierig und so manches Fohlen k\u00f6nnte man auch in zwei Gruppen einteilen. Aber um einen \u00dcberblick zu bekommen, mag die Tabelle 3 ausreichen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Hengst- und Stutenlinien<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"479\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-4-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13298\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-4-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-4-600px-300x240.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen anderen Hinweis, wie divers oder einheitlich eine Population ist, bieten die Hengst- und Stutenlinien. Die Anzahl an Hengstlinien, die es weltweit gibt, ist leider nicht bekannt, da es in der T\u00fcrkei, Syrien, dem Iran, Bahrain etc. zahlreiche Linien gibt, die bei uns hierzulande keinerlei Rolle spielen. Die Anzahl der &#8220;im Westen&#8221; \u00fcblichen Hengstlinien gibt Betty Finke mit 19 an (ohne Davenport, sollte es hier \u00fcberhaupt noch eine geben). Bei den Stutenlinien sieht es etwas besser aus, hier gibt es noch rund 70, die &#8220;in Gebrauch&#8221; sind, davon 11 aus \u00c4gypten, 5 aus Ungarn, 8 aus Gro\u00dfbritannien, 3 aus Frankreich, 9 aus Polen, 9 aus den USA, 1 aus Deutschland und (theoretisch) 27 aus Spanien (!), von denen aber vermutlich einige ausgestorben sind.<br>In Deutschland fanden im Jahr 2017 von diesen 19 Hengstlinien immerhin 13 Verwendung, von den 70 Stutenlinien waren es 50 &#8211; das l\u00e4\u00dft doch auf eine gr\u00f6\u00dfere Diversit\u00e4t schlie\u00dfen, als man gemeinhin annehmen m\u00f6chte, aber es kommt auf die Verteilung an. So hat die Hengstlinie des Saklawi I (\u00fcber Nazeer und seine S\u00f6hne und Enkel) eine enorme Vormachtstellung und nimmt 75 % f\u00fcr sich in Anspruch. Die 12 anderen Linien teilen sich die restlichen 25 % &#8211; da bleibt f\u00fcr jeden nicht mehr viel.<br>Wie wir eingangs gesehen haben, fallen auf jeden Hengst 2,2 Fohlen. Hengste aus der Saklawi-I-Linie liegen sehr nahe bei diesem Durchschnitt &#8211; logisch, mit 75 % dominieren sie auch die Statistik. F\u00fcr Hengsthalter interessant ist vielleiccht, dass Hengste der Bairaktarlinie, insbesondere \u00fcber den russischen Zweig, pro Hengst 4,75 Fohlen hatten &#8211; also \u00fcber doppelt so viele. Hierf\u00fcr ist in erster Linie der El Nabila-Sohn Pallaton K verantwortlich, der im Gest\u00fct Ismer Einsatz fand. Eine andere Linie f\u00e4llt ebenfalls etwas aus dem Rahmen: Die Mirage-Hengstlinie hat 6,5 Fohlen pro Hengst aufzuweisen, aber dies kommt nur dadurch zustande, dass AJ Mardan allein 20 Fohlen produzierte, davon 16 gez\u00fcchtet von Sheikh Ammar aus Sharjah &#8211; zu entscheiden, ob dieser ein &#8220;echter&#8221; Repr\u00e4sentant der deutschen Zucht ist, bleibt jedem selbst \u00fcberlassen. In der Statistik aufgef\u00fchrt ist er, da diese Pferde beim VZAP registriert sind.<br>Die einzelnen Zahlen entnehmen Sie Tabelle 4.<br><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Die Bedeutung f\u00fcr die Zucht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13301\" width=\"301\" height=\"1344\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-6.jpg 355w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-6-67x300.jpg 67w\" sizes=\"auto, (max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Worin liegt nun die Bedeutung der Hengst- und Stutenlinien f\u00fcr die Pferdezucht? Zuerst einmal kann &#8220;Entwarnung&#8221; gegeben werden. Die Araberzucht verf\u00fcgt \u00fcber erstaunlich viele Hengstlinien im Vergleich zu anderen Pferderassen. So gibt es in der Englischen Vollblutzucht nur noch drei Hengstlinien, die anderen finden sich nur noch in Pferden in &#8220;der Mitte des Pedigrees&#8221;, beim Araber sind es immerhin rund 20. Bei den Stutenlinien gibt es sowohl beim Englischen wie beim Arabischen Vollblut jeweils rund 70 Stutenlinien (oder Gr\u00fcnderstuten). Aber auch hier gilt: Auch in der &#8220;Mitte des Pedigrees&#8221; gibt es noch weitere Pferde, die zum Entstehen des heutigen Individuums beigetragen haben. Selbst wenn diese nicht als Stammvater oder -mutter einer Linie in Erscheinung treten, so haben sie dennoch genetisches Material beigesteuert.<br>Rein genetisch betrachtet kann mit Sicherheit nur gesagt werden, dass das Y-Chromosom in der m\u00e4nnlichen Linie (Hengstlinie) vererbt wird, genauso wie die sog. mt-DNA, d. h. au\u00dferhalb des Zellkerns sich befindliches DNA-Material nur \u00fcber die Stutenlinie weitergegeben wird. Wir k\u00f6nnen also sagen, dass beispielsweise Hengste der Bairaktar-Linie auch heute noch &#8211; nach ca. 17-20 Generationen mit Sicherheit das Y-Chromosom des Hengstes Bairaktar tragen, der vor \u00fcber 200 Jahren gelebt hat. Es geht allerdings noch weiter, denn neuere wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass s\u00e4mtliche Pferderassen auf letztendlich nur einige wenige &#8211; wenn nicht gar nur einen &#8211; Hengst zur\u00fcckgehen. Dieser allerdings mag vor etlichen Tausend Jahren gelebt haben, zu Beginn der Domestikation. Wenn wir also sagen, dass die Englische Vollblutzucht \u00fcber drei Hengstlinien verf\u00fcgt, so sind das drei Hengste, die man namentlich kannte und die am Anfang der Stutbuchaufzeichnungen stehen. Dies schlie\u00dft aber nicht aus, dass auch diese drei Hengste &#8211; wenn man weitere Jahrtausende zur\u00fcckgeht &#8211; von einem gemeinsamen Urvater abstammten.<br>Die Pferdezucht lebt vielfach von Erfahrungswerten, weniger von Wissenschaft, und so werden vielfach mit Hengst- und Stutenlinien bestimmte Eigenschaften assoziiert. Dies trifft besonders auf Stutenlinien zu, denken wir an die Leistungsfamilien der Sarmacja-Sabellina in Polen oder der Sapine in Russland. In der praktischen Zuchtarbeit sind die Hengst- und Stutenlinien also zumindest ein &#8220;Werkzeug&#8221;, mit dessen Hilfe man bestimmte Leistungsmerkmale und die Varianz innerhalb einer Population im Auge behalten kann.<br>Untersuchungen verschiedener Populationen von arabischen Pferden ergaben, dass (heute) die h\u00f6chste genetische Varianz in den Populationen von Syrien und dem Iran zu finden sind. Geht man davon aus, dass dies auch schon vor 200 Jahren zum Zeitpunkt der Importe der Gr\u00fcnderpferde in die westlichen L\u00e4nder der Fall war (und warum auch nicht), so haben die damaligen Ankaufskommissionen sich einige wenige Tiere aus diesen vorhandenen Populationen herausgepickt, die ihren Vorstellungen entsprachen, und diese in den Western verbracht. Diese einzelnen Tiere haben nat\u00fcrlich nicht diesselbe genetische Vielfalt wie die Population, aus der sie kommen, und verk\u00f6rpern damit nur einen kleinen Ausschnitt der Eigenschaften, die im gesamten Genpool damals im Mittleren Osten vorhanden waren. Aber aus diesen wenigen Tieren haben wir im Westen die &#8220;moderne&#8221; Rasse aufgebaut, Eigenschaften, die bei diesem ersten Selektionsschritt (Ankauf) nicht ber\u00fccksichtigt und nicht &#8220;mitgenommen&#8221; wurden, konnten damit auch nicht in die &#8220;moderne&#8221; Rasse des Vollblutarabers Eingang finden. Durch eine weitere Verengung des Genpools auf einige wenige Linien (z. B. Saklawi I &#8211; Nazeer) wird der Genpool der Rasse insgesamt betrachtet wiederum einige Eigenschaften verlieren, denn es ist, als ob unsere heutigen Z\u00fcchter wiederum nur einzelne Gr\u00fcnderv\u00e4ter (Nazeer) zur Zucht verwenden w\u00fcrden. Es ist au\u00dferdem unvermeidbar, dass Nazeer auch &#8220;in der Mitte des Pedigrees&#8221; auftaucht, und so gibt es heute kaum mehr SE\/asil-Pferde, die Nazeer-frei sind.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Die begehrtesten Hengste<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"730\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-5-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13300\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-5-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-5-600px-247x300.jpg 247w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Tabelle-5-600px-493x600.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir nach diesem Exkurs wieder zur\u00fcck zu unseren in Deutschland verwendeten Hengsten. Die beliebtesten Hengste (gem\u00e4\u00df Anzahl der 2017 produzierten Fohlen) k\u00f6nnen Sie Tabelle 5 entnehmen. Diese standen zum gro\u00dfen Teil auch bei den gr\u00f6\u00dften Z\u00fcchtern (s. Tabelle 1), wodurch ein Hengst naturgem\u00e4\u00df mehr Bedeckungen aufweisen kann. Die Mehrheit der Hengste aber hatte nur 1-2 Fohlen, was f\u00fcr die Diversit\u00e4t f\u00f6rderlich ist.<br><br>Nun haben die wenigsten Z\u00fcchter den Gesamt-Genpool im Blick, vielmehr konzentrieren sie sich auf ihr Zuchtziel. Das kann z. B. die Rappzucht sein, die immerhin 15 % ausmacht, und innerhalb der SE\/asil-Gruppe sogar fast 25 %. Oder es kann die gezielte Leistungszucht sein oder die Schaupferdezucht, oder man legt besonderen Wert auf einen guten Charakter. Nicht alle dieser Merkmale lassen sich einfach quantifizieren oder gar an Abstammungen festmachen, weshalb es schwierig ist, sie in Gruppen einzuteilen. Dennoch kann man wohl sagen, dass die meisten erfolgreichen Schaupferde (A- und Titelschauen) heutzutage aus den beiden &#8220;Schaupferde-Clustern&#8221; um Padrons Psyche und Gazal Al Shaqab kommen, die besten Rennpferde dagegen aus dem &#8220;Rennpferde-Cluster&#8221; um Denoust\u00e9 (siehe <a  data-e-Disable-Page-Transition=\"true\" class=\"dlm-download-link\" title=\"\" href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/download\/13305\/?tmstv=1782086017\" rel=\"nofollow\" id=\"download-link-13305\" data-redirect=\"false\" >\n\tWas z\u00fcchten die Deutschen - Hengstlinien\t(2337 downloads\t)\n<\/a>\n). Haben diese &#8220;Stempelhengste&#8221;, die ihre eigenen &#8220;Cluster&#8221; gegr\u00fcndet haben, also doch einen leistungssteigernden Einflu\u00df auf das jeweilige Merkmal? Oder ist das alles nur eine Mode-Erscheinung?<br>Das Alter der zur Zucht verwendeten Elterntiere lag \u00fcbrigens bei rund 10 Jahren (Geburtsjahrgang 2007). In der Schaupferdezucht waren diese j\u00fcnger (8 Jahre, Jahrgang 2009), in der \u00c4gypterzucht etwas \u00e4lter (fast 11 Jahre). Die heterogene Gruppe der &#8220;anderen Blutlinien&#8221; lag dazwischen. Dieser Trend ist leicht erkl\u00e4rbar: Da sich die Mode im Schauring so rasch \u00e4ndert, l\u00e4uft man mit einem Hengst, der \u00e4lter als 10 Jahre ist, dem Zuchtziel bereits hinterher, wohingegen bei den relativ konservativen \u00c4gypter-Z\u00fcchtern, die eine Erhaltungszucht betreiben, die Zuchttiere eher \u00e4lter sein d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-color wp-block-heading\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Schlu\u00df\u00fcberlegung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun darf man nicht von der deutschen Situation ausgehend auf die Weltpopulation schlie\u00dfen. Die vorgelegten Zahlen und Trends ergeben sozusagen nur einen ganz charakteristischen &#8220;Fingerabdruck&#8221; der deutschen Zucht. In anderen L\u00e4ndern sieht diese Verteilung wieder g\u00e4nzlich anders aus. Nehmen wir Frankreich, wo die franz\u00f6sischen Rennlinien die Rennpferde- und Distanzzucht dominieren, wo \u00fcberhaupt der Leistungsgedanke st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt ist als bei uns. Dennoch k\u00f6nnen diese Zahlen und Analysen dem ein oder anderen Z\u00fcchter eine Hilfestellung sein. So f\u00fchlen sich viele Z\u00fcchter, die sich der Erhaltung &#8220;alter&#8221; Blutlinien, also deutscher, polnischer (ohne Schaupferde), russischer Linien verschrieben haben, oftmals alleingelassen. Viele Hengste aus diesen Linien sind kaum mehr aktiv, wenn die Hengstbesitzer aber wissen, dass Interesse besteht, k\u00f6nnten sie &#8220;reaktiviert&#8221; werden. Anhand der Hengstlinien (Seite 14 bis 17) kann man erkennen, wo es noch aktive Hengste gibt &#8211; und nicht zuletzt finden sich auch in unserer &#8216;HengstParade&#8217; Hengste aus allen Bereichen, auch &#8211; und ganz speziell &#8211; leistungsorientierte und\/oder seltene Linien, deren Erhaltung der gesamten Population dient.<br><em>Gudrun Waiditschka<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analyse des Fohlenjahrgangs 2017 Ein subjektiver Eindruck kann ganz sch\u00f6n t\u00e4uschen, denn der besagt, dass in Deutschland haupts\u00e4chlich \u00c4gypter und Schaupferde gez\u00fcchtet werden. Und was ist mit all den anderen Blutlinien? Die gibt&#8217;s doch gar nicht mehr&#8230; oder doch? Wir haben den Fohlenjahrgang 2017 analysiert! Basisdaten Um verl\u00e4ssliche Daten zu haben, welche Abstammungen bzw. Blutlinien &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2019\/01\/was-zuechten-die-deutschen\/\">Continue reading<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13311,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,25,86],"tags":[],"class_list":["post-13251","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","category-bloodlines","category-no-4-2018-vol-16","item-wrap"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13251"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15971,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13251\/revisions\/15971"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}