{"id":13379,"date":"2019-01-19T11:15:42","date_gmt":"2019-01-19T10:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/in-the-focus.com\/?p=13379"},"modified":"2019-05-17T07:59:14","modified_gmt":"2019-05-17T05:59:14","slug":"das-erbe-der-beduinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2019\/01\/das-erbe-der-beduinen\/","title":{"rendered":"Das Erbe der Beduinen"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-size:120%; color:#d4a409\"><strong>Das neue Buch von Dr. Matthias Oster \u00fcber die &#8220;Sieben S\u00e4ulen der  Welt des Arabischen Pferdes&#8221; erl\u00e4utert die Herkunft dieser Pferderasse und die Grundprinzipien ihrer Zucht.<br \/>\nNachfolgender Beitrag erkl\u00e4rt die Ambivalenz zwischen Kriegspferd und Familienpferd &#8211; ein Kapitel aus diesem Buch.<\/strong><\/h3>\n<h3 style=\"font-size:120%; color:#d4a409\"><strong>Das Kriegspferd und das Familienpferd &#8211; Schlussfolgerungen<\/strong><\/h3>\n<p>Selbst wenn nicht jedes Verhaltensmuster genau einem der beiden Typen zugeordnet werden kann, k\u00f6nnen beide doch als Antipoden des Charakters der arabischen Rasse bezeichnet werden. Die erste, das Kriegspferd, ist mehr eine Eigenschaft des maskulinen Hengstes, die zweite, das Pferd im Zelt, der f\u00fcrsorgenden Mutterstute. Ein hohes Ma\u00df an Domestikation liegt im Streit mit einem hitzigen Temperament, das noch immer nahe am Wildpferd ist. \u201eDie Sanften und die Feurigen\u201c, Titel eines Buches \u00fcber die Araber Marbachs, bringt es auf den Punkt.<br \/>\nDer Charakter eines jeden Arabers setzt sich zusammen aus diesen gegens\u00e4tzlichen Eigenschaften und kann auf einer Skala zwischen diesen beiden Extremen eingeordnet werden. Die meisten Pferde sind eine Komposition von beidem und tendieren mehr oder weniger auf eine Seite der Skala. Idealerweise haben sie die besten Eigenschaften beider Typen mitbekommen: Sie lieben den Menschen und wollen ihm gefallen, sind furchtlos und intelligent, vertrauen auf ihren Herren aufgrund einer erworbenen gegenseitigen Beziehung. Manche Pferde ben\u00f6tigen dazu einen l\u00e4ngeren Weg, doch oft belohnen die herausfordernderen Tiere die Anstrengung auf \u00fcberw\u00e4ltigende Weise.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Maseer-ret-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"alignleft size-full wp-image-13380\" width=\"300\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Maseer-ret-600px.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Maseer-ret-600px-287x300.jpg 287w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Manche m\u00f6gen mehr Kriegspferd als Familienpferd sein, oder andersherum. Ber\u00fchmte Arabische Pferde kommen in den Sinn, die nur mit einer einzigen Person ihr volles Potential zeigten. Morafic (Nazeer \/ Mabrouka), der in El Zahraa als Nachfolger seines ber\u00fchmten Vaters auserw\u00e4hlt war, sollte auf der Rennbahn seine Leistung beweisen. Doch niemand konnte sein \u00fcbersch\u00e4umendes Temperament z\u00fcgeln, so dass er wieder zur\u00fcck auf das Heimatgest\u00fct geschickt wurde. Erst nach seinem Verkauf in die Vereinigten Staaten fand er in Tom McNair einen Menschen, der den wahren Charakter Morafics zum Vorscheinen brachte. Unter diesem Trainer begann seine gl\u00e4nzende Karriere als Schau- und Reitchampion, und Morafic wurde nicht nur als Zuchhengst einer der f\u00fchrenden S\u00f6hne seines \u00fcberragenden Vaters. Viele Kinder von Morafic erbten seinen Charakter, etwa Ruminaja Ali, der aus dem gleichen Holz geschnitzt war. Das Ein-Mann-Pferd oder das Eine-Frau-Pferd ben\u00f6tigt einen Freund und Herren, um sein volles Potential auszusch\u00f6pfen. Das Kriegspferd beiderlei Geschlechts, ein Albtraum f\u00fcr den, der es nicht versteht, aber das Pferd des Lebens, f\u00fcr den, der den Schl\u00fcssel seines Wesens findet. Dominante Pferde, die von Fremden nicht angefasst werden m\u00f6chten, ohne dass vorher eine Begr\u00fc\u00dfung erfolgt ist. Pferde, die b\u00f6se werden k\u00f6nnen, wenn sie falsch behandelt werden. Ein Horror f\u00fcr den Tierarzt, der diesen Charakter nicht kennt und der sich nicht auf die Bezugsperson des Pferdes verlassen kann. Ehrgeizige Pferde, die Arbeit lieben und eine Aufgabe brauchen, geborene Renn- oder Distanzpferde. Unabh\u00e4ngige Tiere, die nicht gezwungen werden wollen. Aber auch Pferde, die darauf warten, dass ein sie liebender Herr in ihr Leben tritt, f\u00fcr den sie alles tun werden. Stuten, die zum Kriegspferdetyp tendieren, weisen oft eine gewisse M\u00e4nnlichkeit im Aussehen und im Verhalten auf. Viele lassen sich nur ungern decken, oder zeigen kaum Anzeichen von Rosse. Manche geben ein Hengstfohlen nach dem anderen. Hengste des Kriegspferdemodells ertragen andere Hengste nicht neben sich und w\u00fcrden mit einem Rivalen bis zum bitteren Ende k\u00e4mpfen. Zwei Hengste dieser Art sollte man nicht nahe beieinander halten, da sie sonst \u00e4rgerlich und aggressiv werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDie andere Seite der Medaille zeigt das sensible und sanfte Pferd, das Familienpferd. Es ist vom ersten Tag an dem Menschen zugewandt, liebt es gestreichelt zu werden und sucht die Gegenwart von Menschen. Es toleriert eine Menge Fehler, die von den Bezugspersonen gemacht werden, solange diese durch Zuwendung und Futter wieder gutgemacht werden. Es ist unterw\u00fcrfiger und ordnet sich leichter unter, doch es bringt oft nicht die Leistung, die man vielleicht erwartet. Manche m\u00f6gen etwas stur sein und ben\u00f6tigen viel Motivation oder haben oft keine Lust am Arbeiten. Diesen Mangel an Ehrgeiz machen manche wieder gut durch ihre Dressurveranlagung, doch das Training darf sie nicht langweilen. Hengste zeigen vielleicht wenig m\u00e4nnliches Verhalten, vor allem wenn sie von anderen Hengsten des Kriegspferdetyps unterdr\u00fcckt werden und sie sich nicht trauen, sich als Hengst zu pr\u00e4sentieren. Doch die Besitzer eines solchen Pferdes sollten nicht vergessen, dass deren Temperament nur unter der Oberfl\u00e4che versteckt ist und ganz unerwartet zum Vorschein kommen kann. Ein solcherart gestricktes Familienpferd kann ein einziges Anzeichen eines Kriegspferdes besitzen, n\u00e4mlich in bestimmten Situationen \u00fcberm\u00e4\u00dfig zu reagieren. F\u00fcr Schauen eignen sich Familienpferde ebenfalls weniger, da ihnen diese \u201elook-at-me\u201c Attit\u00fcde fehlt, die im heutigen \u201eShow-Circus\u201c gefordert ist. Mit Plastikt\u00fcten und \u00e4hnlichem Schnick-Schnack wird dann nachgeholfen.<br \/>\nEin ziemlich st\u00f6rendes Verhalten beobachtet man bei vielen Arabern, sowohl bei Hengsten als auch bei Stuten: das Kreisen des Kopfes bei Erregung. Es ist, als ob sie zu viel aufgestaute Energie loswerden wollen. Das kann recht gef\u00e4hrlich werden, wenn man vom harten Kopf getroffen wird. Dieses Kopfsschlagen ist ein Kriegspferde- und ein intra-Spezies-Verhalten der Aggression, das selbst in den ausgesprochenen Familienpferden anzutreffen ist.<br \/>\nMan sagt, dass Arabische Pferde niemals vergessen. F\u00fcr einen Besitzer, der gleichzeitig Tierarzt ist, m\u00f6glicherweise eine Herausforderung, da er ja nicht immer Schmerzen vermeiden kann, wenn er sein Pferd behandelt. Das Familienpferd kommt zum Vorschein, wenn ein Araber Schmerzen hat: Es kann sehr r\u00fchrend wirken, wenn der Araber sein schmerzhaftes Bein dem Menschen entgegenstreckt. Arabische Pferde zeigen mehr Schmerz als andere Rassen. Ursache ist einmal das gro\u00dfe Temperament, aber auch die Beziehung zum Menschen. Man k\u00f6nnte den Eindruck bekommen, dass es sich um einen \u201eSofty\u201c handelt, da es so offensichtlich leidet. Das mag t\u00e4uschen, denn die sprichw\u00f6rtliche H\u00e4rte und Toleranz des Beduinenpferdes wird sich im Ausgang der Erkrankung zeigen und nicht im Ausdruck des Schmerzes. Es wird au\u00dferdem Trost und Hilfe beim Menschen suchen, wenn es Krankheit und Schmerz erleidet. Der Autor hat lebensbedrohende Krankheiten bei Arabern erlebt, bei denen er nicht umhin konnte, dem Tier ein gewisses Bewusstsein der Brisanz des Geschehens zuzusprechen. Auch die anderen Pferde der Herde reagierten. Die gesamte Atmosph\u00e4re im Stall ver\u00e4nderte sich v\u00f6llig. Pferde, die normalerweise sich mitteilten, sind zu solchen schrecklichen Zeiten stumm. \u00c4hnlich, doch g\u00e4nzlich anders, geht es an den Tagen zu, die von freudigen Ereignissen bestimmt werden. Neues Leben in Gestalt eines Fohlens wird von den Pferden begr\u00fc\u00dft. Kommt man des Morgens in den Stall und in der Nacht ist unerwarteterweise ein Fohlen geboren worden, so trifft man den ganzen Stall in Aufregung an. Auch gibt es Pferde, die dem Menschen die bevorstehende Geburt eines Fohlens mitteilen k\u00f6nnen. Montasar (Madkour X Maymoonah), viele jahre lang Hauptbesch\u00e4ler des Gest\u00fcts Seidlitz, tat das, wenn seine Lieblingsstute in der Nachbarbox in n\u00e4chster Zeit fohlen w\u00fcrde. Wie das? Nat\u00fcrlich durch Reden! Auf seine ganz eigene Weise! Indem er seine Vorfreude zum Ausdruck brachte, dass er seine Stute bald wieder in seinem Harem empfangen kann.<br \/>\n<em>Dr. Matthias Oster<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Buchtitel-300px.jpg\" alt=\"\" class=\"alignleft size-full wp-image-13383\" width=\"300\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Buchtitel-300px.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Buchtitel-300px-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nDr. Matthias Oster: &#8220;&#8221;Das Erbe der Beduinen&#8221;, erschienen im Eigenverlag 2018 (in deutscher Sprache)<br \/>\nca. 300 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Hardcover<br \/>\nZu beziehen beim Autor: dr.matthias.oster@t-online.de<br \/>\noder www.arabianheritagesource.com\/<br \/>\nPreis: 59,00 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Buch von Dr. Matthias Oster \u00fcber die &#8220;Sieben S\u00e4ulen der Welt des Arabischen Pferdes&#8221; erl\u00e4utert die Herkunft dieser Pferderasse und die Grundprinzipien ihrer Zucht. 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