{"id":18318,"date":"2020-10-18T14:56:54","date_gmt":"2020-10-18T12:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/in-the-focus.com\/?p=18318"},"modified":"2020-10-18T16:49:37","modified_gmt":"2020-10-18T14:49:37","slug":"der-freizeitreiter-das-unbekannte-wesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2020\/10\/der-freizeitreiter-das-unbekannte-wesen\/","title":{"rendered":"Der Freizeitreiter &#8211; das unbekannte Wesen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Der Begriff des Freizeitreiters ist nicht wirklich definiert, genauso wenig wie das Zuchtziel &#8220;Freizeitpferd&#8221;. Genau das macht die Sache so schwierig. Im nachfolgenden Beitrag  wollen wir ein wenig Licht auf die Fragestellung werfen, was der Freizeitreiter will und was der Z\u00fcchter bieten mu\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"422\" height=\"600\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px-422x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-18319\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px-422x600.jpg 422w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px-211x300.jpg 211w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px-106x150.jpg 106w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px-281x400.jpg 281w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hamasa-Mansour-IMG_2893-600px.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gruppe der Freizeitreiter ist in unseren Breiten zweifellos der gr\u00f6\u00dfte Absatzmarkt f\u00fcr das arabische Pferd, und dennoch haben viele Z\u00fcchter nur eine vage Vorstellung von dem, was diese K\u00e4ufer denn eigentlich suchen. Das liegt zum einen daran, dass dieser Begriff nicht wirklich definiert ist &#8211; denn reiten wir nicht alle in unserer Freizeit (die wenigen Berufsreiter mal ausgenommen)? Zum zweiten liegt es daran, dass der Begriff eine gro\u00dfe Bandbreite abdeckt, vom Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger und Schlachtpferderetter bis hin zum anspruchsvollen Reiter mit Wettkampfambitionen ist alles darunter versammelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\">Wer ist ein Freizeitreiter?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger nicht einsehen, gutes Geld f\u00fcr ein gutes Pferd zu bezahlen &#8211; der Satz &#8220;Ich finanzier&#8217; doch dem Z\u00fcchter nicht sein Hobby&#8221; ist da mitunter zu h\u00f6ren &#8211; verstehen sich die Schlachtpferderetter als die Gutmenschen in der Pferdeszene. Beide Gruppen sollen nicht Gegenstand unserer \u00dcberlegungen sein, denn beide sind auf ihre Weise unbelehrbar. Aber es gibt zum Gl\u00fcck auch noch andere &#8211; Leute, f\u00fcr die das Pferd ein Partner ist, mit dem sie reiterlich etwas unternehmen wollen, seien es Austritte, Wanderritte oder auch Distanzritte. Leute, die Freude daran haben, ihr Pferd auszubilden, sei es klassisch, Western oder zirzensisch, wobei der Weg das Ziel ist, die gemeinsamen Stunden z\u00e4hlen, nicht irgendwelche Schleifen und Pokale. Diese Menschen hatten oftmals als Kinder oder Jugendliche schon Kontakt zum Pferd, hatten dann aber andere Priorit\u00e4ten wie Beruf und Familie und kommen nun &#8211; als Wiedereinsteiger &#8211; zur\u00fcck zum Pferd. Sie haben Freude daran sich fortzubilden und sie sch\u00e4tzen die Lebensqualit\u00e4t durch die gemeinsamen Stunden mit ihrem Pferd. Und dabei ist gerade der Araber im Vorteil, denn er eignet sich hierf\u00fcr in idealer Weise, weil er dem Menschen zugewandt ist, und man mit ihm eine wirkliche Partnerschaft eingehen kann. Es gibt aber auch die bereits &#8220;Arabitis-Infizierten&#8221;, die sich in der Hochphase der Araberzucht vor 20-30 Jahren ihr erstes arabisches Pferd anschafften. Erinnern wir uns &#8211; 1995 hatten die Fohlengeburten in Deutschland ihren H\u00f6hepunkt, die meisten Pferde gingen auch damals schon in den Freizeitreitermarkt, und ihre Besitzer suchen nun nach einem Nachfolger. Diese beiden Gruppen &#8211; die Wiedereinsteiger und die Wiederholungsk\u00e4ufer gilt es zu bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\">Die Wiederholungsk\u00e4ufer<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wiederholungsk\u00e4ufer haben meist eine klare Vorstellung, wie ihr Nachfolge-Pferd sein soll &#8211; n\u00e4mlich genau so wie der Vorg\u00e4nger. Daher liegt es nahe, dass sich diese Klientel beim Z\u00fcchter des ersten Pferdes umschaut &#8211; wenn es ihn noch gibt, denn derzeit grassiert ein &#8220;Z\u00fcchtersterben&#8221;, das nicht zuletzt durch die nicht vorhandene Nachfolge verursacht wird. Da die meisten Araberz\u00fcchter nicht berufsm\u00e4\u00dfig z\u00fcchten, vererbt man meist keinen &#8220;Betrieb&#8221;, sondern ein &#8220;Hobby&#8221; &#8211; und das ist schwierig. Wenn man also beim Z\u00fcchter des ersten Pferdes nicht f\u00fcndig wird, oder es diesen nicht mehr gibt, dann wird der Wiederholungsk\u00e4ufer dennoch diesen &#8220;Typ Araber&#8221; suchen, der wie sein erstes Pferd ist &#8211; doch dieser &#8220;Typus&#8221; ist 20-25 Jahre alt! Es gibt ihn zum Gl\u00fcck noch, den Allrounder unter den Arabern, der h\u00fcbsch ist, ohne zu fein zu sein, und der im Umgang und im Gel\u00e4nde ein Verlasspferd ist. Nach meinem Eindruck wird sogar wieder vermehrt auf diese Eigenschaften und eine \u201ealte\u201c Abstammung geachtet, aber man muss dennoch nach diesen Pferden suchen, denn sie sind die &#8220;Sch\u00e4tze in Deutschlands St\u00e4llen&#8221; und werden nicht f\u00fcr &#8220;einen Appel und ein Ei&#8221; angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\">Der Wiedereinsteiger<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr den Wiedereinsteiger, der fr\u00fcher zwar zum Pferd, aber nicht speziell zum Araber Kontakt hatte. Das &#8220;Pferdebild&#8221; dieser Menschen ist h\u00e4ufig noch von fr\u00fcher gepr\u00e4gt und abh\u00e4ngig von den jeweils gemachten Erfahrungen. Diese Menschen springen in erster Linie auf einen h\u00fcbschen Kopf und einen menschenzugewandten, &#8220;positiven&#8221; Charakter an. Wobei das Bild vom &#8220;h\u00fcbschen Kopf&#8221;, welches diese K\u00e4ufer vor dem inneren Auge haben, meist nichts mit dem \u00fcbertriebenen Hechtkopf gemein hat, wie er auf Schauen (bzw. Shows) favorisiert wird. Viele sind auch v\u00f6llig \u00fcberrascht, dass der wahre Charakter des Arabers nicht &#8220;spinnert&#8221; ist, sondern sanft und freundlich, h\u00e4ufig sind sie sogar ausgesprochen &#8220;cool&#8221;. Aber nat\u00fcrlich gibt es auch hier Unterschiede &#8211; Pferde aus Schaulinien sind leichter erregbar als solche aus erprobten Reitlinien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\">Der Neueinsteiger<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sich als &#8220;Neueinsteiger&#8221; f\u00fcr einen Araber interessiert, also keine vorherige &#8220;Pr\u00e4gung&#8221; auf einen bestimmten Typus aufweist, der z\u00e4hlt meist zur j\u00fcngeren Generation und kommt \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Plattformen der Araberzucht zu dieser Rasse: die Shows bzw. deren Live\u00fcbertragungen. Diese Pferde pr\u00e4gen das Bild des Neueinsteigers, wie ein Araber auszusehen hat. Diese Gruppe kennt den Allrounder, der sowohl auf gro\u00dfen Schauen als auch auf der Rennbahn oder unter dem Sattel gewann, leider nicht mehr. Sie informiert sich zunehmend auch auf Facebook &amp; Co., wo je nach Gruppen das &#8220;Schaumerkmal&#8221; des extremen Kopfes propagiert wird, nach dem Motto &#8220;je mehr &#8216;Dish&#8217;, desto besser&#8221;. In Deutschland ist dies eher eine Minderheit, aber in der globalisierten Welt des arabischen Pferdes bekommt man auch diese Einfl\u00fcsse zu sehen.<br>Aber egal zu welcher &#8220;Kategorie&#8221; ein K\u00e4ufer geh\u00f6rt &#8211; er sollte sich \u00fcberlegen, was er mit seinem k\u00fcnftigen Pferd machen will. Wenn dann das Wort &#8220;reiten&#8221;, egal in welcher Form, vorkommt, so ist es von Vorteil, sich beim Kauf auch speziell daf\u00fcr zu interessieren.<br>Wenn also &#8220;reiten&#8221; auf dem Programm steht, dann sollte man sich auch mit den Voraussetzungen auseinandersetzen, die ein Pferd mitbringen sollte, um diesen Erwartungen zu entsprechen. Es ist viel schwieriger, Defizite durch entsprechendes Training zu kompensieren, als von vornherein ein Pferd ohne diese Defizite zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\">Der richtige Partner Pferd<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie geht man dabei vor? Grunds\u00e4tzlich kann man sagen, dass ein Pferd mit sportlichen Erfolgen im Wettkampf, sei es Turnier oder Distanzritt, auch ein Pferd f\u00fcr den Freizeitreiter ohne Wettkampfambitionen ist. Ein franz\u00f6sischer Z\u00fcchter, der ma\u00dfgeblich am Aufbau der Distanzszene in Frankreich beteiligt war, sagte mir einmal: &#8220;Wenn ich Pferde z\u00fcchte, die 160 km an einem Tag unter Wettkampfbedingungen gehen k\u00f6nnen, dann kann ich mit diesen Pferden auch 30 km gem\u00fctlich in der Natur spazierenreiten.&#8221; Soll hei\u00dfen: Wenn ich als Z\u00fcchter h\u00f6here Anspr\u00fcche an das Pferd stelle, als es der Markt verlangt, dann kann ich es auch verkaufen. Nur umgekehrt funktioniert das nicht! Daher macht es als K\u00e4ufer Sinn, insbesondere bei jungen Pferden zu fragen, welche Erfolge denn die Eltern oder Geschwister des Probanden haben &#8211; waren sie eher im Schauring zu Hause oder unter dem Sattel? K\u00f6nnen sie Erfolge aufweisen oder wurden sie nur im &#8220;Verborgenen&#8221; geritten (wenn \u00fcberhaupt)? Sind im Pedigree Pferde mit Hengst- oder Stutenleistungspr\u00fcfungen zu finden, mit Pr\u00e4mien- oder Elite-Titeln?<br>Es ist nicht immer einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn leider werden auch Vollblutaraber, die f\u00fcr die Schau nicht &#8220;extrem&#8221; genug sind, dem ahnungslosen K\u00e4ufer als Reitpferde angepriesen, bei denen weder Eltern noch Gro\u00dfeltern auch nur einen Sattel auf dem R\u00fccken hatte. Wer also selbst nicht die n\u00f6tige Fachkenntnis hat, ein gutes Pferd zu erkennen, der sollte sich professionellen Rat holen bzw. zur Besichtigung jemanden, der sich auskennt, mitnehmen.<br>Es gibt Leute, die recherchieren f\u00fcr ihren neuen Fernseher stunden- und tagelang, um das beste Modell zu finden. Ein Pferd aber liegt in der Regel preislich h\u00f6her und ist eine Anschaffung f\u00fcr die n\u00e4chsten 20-25 Jahre. Daher ist die Zeit, die man in die Recherche nach geeigneten Blutlinien und Z\u00fcchtern investiert, keine verlorene Zeit!<br><em>Gudrun Waiditschka<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff des Freizeitreiters ist nicht wirklich definiert, genauso wenig wie das Zuchtziel &#8220;Freizeitpferd&#8221;. Genau das macht die Sache so schwierig. Im nachfolgenden Beitrag wollen wir ein wenig Licht auf die Fragestellung werfen, was der Freizeitreiter will und was der Z\u00fcchter bieten mu\u00df. 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