{"id":20078,"date":"2022-01-16T15:38:30","date_gmt":"2022-01-16T14:38:30","guid":{"rendered":"https:\/\/in-the-focus.com\/?p=20078"},"modified":"2022-01-16T16:05:03","modified_gmt":"2022-01-16T15:05:03","slug":"aus-der-versenkung-holen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2022\/01\/aus-der-versenkung-holen\/","title":{"rendered":"Aus der Versenkung holen&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Das &#8220;Projekt Alte Deutsche Linien&#8221;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\"><strong><em>Definitionen gibt es viele im Reich des arabischen Pferdes. Da gibt es Crabbet mit Prozent-Angaben, \u201eOld World Polish\u201c, Classic und Straight Russian, Pure Spanish, Asile, \u00c4gypter und wie sie alle hei\u00dfen. Nur die deutschen Linien haben keine wirkliche Definition, damit auch keine wirkliche Identit\u00e4t und keine Lobby. Vielleicht sind sie deshalb in Vergessenheit geraten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"480\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mansul-662-12-Aufmacher-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20081\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mansul-662-12-Aufmacher-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mansul-662-12-Aufmacher-600px-300x240.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mansul-662-12-Aufmacher-600px-150x120.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den bekannten und historisch bedeutsamen Zuchtgebieten \u00c4gypten, England, Polen, Russland und Spanien hat auch Deutschland eine Historie in der Zucht arabischer Pferde. Dazu geh\u00f6rt in erster Linie nat\u00fcrlich die Weiler Zucht des K\u00f6nigs von W\u00fcrttemberg. Und obwohl er rund 1000 Fohlen gez\u00fcchtet hat, von denen die meisten in Privath\u00e4nde verkauft wurden, wurden diese entweder als Reitpferde genutzt oder fanden in der Landespferdezucht und zur Veredlung anderer Rassen ihren z\u00fcchterischen Einsatz. Aber im Gegensatz zu Polen, wo einige Adelsfamilien gro\u00dfe Vollblutaraberzuchten unterhielten, gab es in Deutschland kaum private Z\u00fcchter von Vollblutarabern, und wenn doch, so existierten sie nie f\u00fcr lange Zeit: Gest\u00fct Altenstein des Herzogs von Sachsen-Meiningen (1827-1848), Graf Schimmelmann in Ahrensburg (1848-1885), Heinrich und Emil von Nitzschwitz in K\u00f6nigsfeld (1861-1911), Gerhard von Schmidt in R\u00f6blingen (1919-1930) \u2013 sie alle hatten ihren Grundstock teilweise oder zur G\u00e4nze aus Weil. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann ganz zaghaft die Privatzucht in Deutschland auf einer breiteren Basis. Z\u00fcchter wie Entress (ab 1938), Griesbach (ab 1943), Knyphausen, Hansen und Ismer sind hier zu nennen. Sp\u00e4ter, in den 1960er- Jahren kamen von Kameke, Schober, Mundinger, Hagemann, D\u00f6mken, der Duisburger Zoo und einige andere hinzu. Die meisten haben ihre Zucht wenn nicht ganz, so doch teilweise auf Weil-Marbacher Blut aufgebaut. Die anderen \u201eTeile\u201c kamen meist aus Ungarn und Polen, von wo in den Wirren des Krieges einige Pferde nach Deutschland kamen, und ab 1955 auch aus \u00c4gypten (Hadban Enzahi, Ghazal, Kaisoon u.v.a.).<br>Es war also ein bunter Linien-Mix aus drei bis vier Hauptzuchtgebieten (Weil-Marbach, Ungarn, Polen, \u00c4gypten), der die deutsche Zucht zu Beginn pr\u00e4gte. Eine Zucht, die auf Funktionalit\u00e4t aufbaute, auf Charakterst\u00e4rke und Gen\u00fcgsamkeit. Diese Pferde, die oftmals noch die H\u00e4rten des Krieges er- und \u00fcberlebt hatten, stellen ein kulturelles Erbe dar, das in der Folge &#8211; dem jeweils aktuellen Zeitgeschmack geschuldet &#8211; immer weiter verloren ging. Immer wieder suchten Z\u00fcchter im Ausland \u2013 in USA, in \u00c4gypten, in Russland, zu geringen Teilen in Spanien, England und Frankreich \u2013 nach neuen Blutlinien, um \u201emithalten\u201c zu k\u00f6nnen, was in erster Linie hie\u00df: mithalten mit den sich rasch \u00e4ndernden Anforderungen des Schaurings, der in den 1980er-Jahren immer mehr an Bedeutung gewann und Mitte der 1990er- Jahren seinen H\u00f6hepunkt erreichte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"467\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Saoudi-Saher-x-Sabal-1974-220-03-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20082\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Saoudi-Saher-x-Sabal-1974-220-03-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Saoudi-Saher-x-Sabal-1974-220-03-600px-300x234.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Saoudi-Saher-x-Sabal-1974-220-03-600px-150x117.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Aber wo ist das Blut dieser \u201eGr\u00fcnderpferde\u201c geblieben? Die Antwort lautet: Es ist zwar noch vorhanden, aber es wurde \u201everw\u00e4ssert\u201c. Vielfach haben die Z\u00fcchter an ihren Stutenst\u00e4mmen festgehalten und versuchten die gew\u00fcnschte Ver\u00e4nderung \u2013 d.h. die Anpassungen an den Zeitgeschmack \u2013 \u00fcber die Hengste einzubringen. Das ist durchaus \u00fcbliche Zuchtpraxis. Um aber dieses Blut nicht \u201eunendlich gering\u201c werden zu lassen, braucht es ab und an eine R\u00fcckkreuzung mit Hengsten aus diesen Linien \u2013 und genau dies wurde ab den 2000er Jahren zunehmend schwieriger, weil es einfach kaum mehr Hengste mit einem nennenswerten \u201ealt-deutschen\u201c Linien-Anteil gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-normal-font-size wp-block-paragraph\" style=\"color:#dd9933\"><strong>Erhalt der genetischen Diversit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stuten, die innerhalb der Gruppe der \u201ealt-deutschen\u201c eine Stutenlinie gr\u00fcnden konnten, waren in erster Linie nat\u00fcrlich die Murana I, die sich in diverse Familien aufgespaltet hat. Des Weiteren die ungarischen Stuten, die im Gest\u00fct Achental von Frau Gertraude Griesbach eine neue Heimat fanden: Comtesse, Khabitha, Khema, Kho-Rha und Roszka\/Rozka, und die polnischen Stuten Armenia, Zygota und Galka, die im Zoo Rostock Einsatz fanden, sowie Polska aus dem Zoo Duisburg.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"392\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Shahwan-Said-x-Sayana-1981-201-20-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20083\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Shahwan-Said-x-Sayana-1981-201-20-600px.jpg 590w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Shahwan-Said-x-Sayana-1981-201-20-600px-300x199.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Shahwan-Said-x-Sayana-1981-201-20-600px-150x100.jpg 150w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Shahwan-Said-x-Sayana-1981-201-20-600px-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Kommen wir zur n\u00e4chsten Frage, der vielleicht schwierigsten \u2013 wie will man \u201ealt-deutsch\u201c \u00fcberhaupt definieren? Eine halbwegs praktikable L\u00f6sung ist, dass die Vorfahren des betreffenden Pferdes, die in den 1960er-Jahren geboren wurden, im deutschen Stutbuch eingetragen waren und auf die oben genannten Zuchten und Gr\u00fcnderpopulationen zur\u00fcckgehen m\u00fcssen. Importe, die sp\u00e4ter als 1970 in Deutschland eintrafen, werden nicht mehr zur Gr\u00fcnderpopulation gez\u00e4hlt. Nehmen wir beispielsweise den Hengst Mansul \u2013 einen der besten, aber auch einen der letzten wirklich breit eingesetzten Hengste aus \u201ealt-deutschen\u201c Linien. Er wurde 1975 geboren, sein Vater Sawih Ibn Wisznu entstammt Pferden, die auf die Entress\u2019sche Zucht und den Hengst Wisznu zur\u00fcckgehen, letzterer fand bei Griesbach und Ismer Verwendung. Mansuls Mutter Mekka geht auf Marbacher und Knyphausener Pferde zur\u00fcck \u2013 in ihm finden wir also fast alle Zuchten der ersten Stunde vereint und er kann als 100 % \u201ealt-deutsch\u201c angesehen werden.<br>Heute gibt es kaum noch Pferde, die man als 100 % \u201ealt-deutsch\u201c bezeichnen k\u00f6nnte, also mu\u00df man das, was noch vorhanden ist, zusammentragen und b\u00fcndeln. Um den origin\u00e4ren Typus zu erhalten, sollte weitm\u00f6glichst auf Schaupferdeblut verzichtet werden und z\u00fcchterisch sollten Reitpferdeeigenschaften, Charakter und Sanftmut im Vordergrund stehen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CD-Wassily-ox-IMG_1452-c-Waiditschka-600px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20080\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CD-Wassily-ox-IMG_1452-c-Waiditschka-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CD-Wassily-ox-IMG_1452-c-Waiditschka-600px-300x200.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CD-Wassily-ox-IMG_1452-c-Waiditschka-600px-150x100.jpg 150w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CD-Wassily-ox-IMG_1452-c-Waiditschka-600px-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Nun ist das Problem heute, dass kaum einer wei\u00df, wo diese Pferde noch zu finden sind. Diesem Umstand will das \u201eProjekt alte deutsche Linien\u201c Rechnung tragen, eine Initiative, die versuchen will, die Z\u00fcchter und Liebhaber dieser Pferde untereinander zu vernetzen. Denn ofmals haben sich die Z\u00fcchter dieser Linien in ein Schneckenhaus zur\u00fcckgezogen, weil jeder glaubt, dass es kaum mehr einen gibt, der diese Pferde z\u00fcchtet oder sich daf\u00fcr interessiert, und dadurch wei\u00df keiner von der Existenz des anderen. Deshalb ist die Vernetzung der noch vorhandenen Z\u00fcchter und Besitzer dieser Pferde so wichtig, das erleichtert dann auch die Hengstsuche, aber es w\u00e4re auch denkbar, dass auf diesem Weg die eine oder andere Stute f\u00fcr ein Wunschfohlen angepachtet wird. Daher wollen wir hier und im Internet f\u00fcr diese alt-deutschen Pferde etwas mehr \u201e\u00f6ffentliche Wahrnehmung\u201c schaffen, sodass sich die Leute untereinander finden und in Kontakt treten k\u00f6nnen. Das Projekt \u201calte deutsche Linien\u201d will damit aber auch einen Beitrag zur genetischen Vielfalt in der Vollblutaraberzucht Deutschlands leisten. Denn es ist un\u00fcbersehbar, dass in den letzten 20-30 Jahren eine Konzentration einerseits auf Schaupferde, andererseits auf \u00e4gyptische Linien stattgefunden hat. Ins Hintertreffen gerieten dabei die alten deutschen, polnischen, russischen und spanischen Linien, die nicht dem Modegeschmack entsprechen, aber wertvolle Genetik und Eigenschaften verk\u00f6rpern wie Knochenst\u00e4rke, Charakterst\u00e4rke und Rittigkeit.<br>In unserer Print-Ausgabe 4\/2021 machen wir mit einer Kurzfassung der Murana-I-Linie den Anfang \u2013 die ausf\u00fchrliche Version der Stutenlinie finden Sie auf der unten angegebenen Website, denn die rund 2500 Pferde w\u00fcrden den Rahmen dieses Heftes sprengen. In den n\u00e4chsten Ausgaben werden wir Ihnen sukzessive die anderen Stutenlinien vorstellen, aber auch heutige Z\u00fcchter, bei denen diese Pferde noch zuhause sind. Vielleicht kommt auf diese Art und Weise wieder etwas mehr \u201eLeben\u201c in diese Linien.<br>Gudrun Waiditschka<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#dd9933;color:#110e08\"><strong><em>Das &#8220;Projekt alte deutsche Linien&#8221; wurde von Cordula Schladitz und Gudrun Waiditschka ins Leben gerufen. Die Website finden Sie unter<a href=\"http:\/\/www.in-the-focus.de\/alte-linien\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.in-the-focus.de\/alte-linien\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> www.in-the-focus.de\/alte-linien<\/a><br>Wenn Sie Pferde dieser Linien haben, melden Sie sich und lassen Sie sich mit ihrem Bestand in das Z\u00fcchterverzeichnis eintragen! Kontakt: <a href=\"mailto:cschladitz@yahoo.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">cschladitz@yahoo.de<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &#8220;Projekt Alte Deutsche Linien&#8221; Definitionen gibt es viele im Reich des arabischen Pferdes. Da gibt es Crabbet mit Prozent-Angaben, \u201eOld World Polish\u201c, Classic und Straight Russian, Pure Spanish, Asile, \u00c4gypter und wie sie alle hei\u00dfen. Nur die deutschen Linien haben keine wirkliche Definition, damit auch keine wirkliche Identit\u00e4t und keine Lobby. 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