{"id":22406,"date":"2024-11-22T10:16:42","date_gmt":"2024-11-22T09:16:42","guid":{"rendered":"https:\/\/in-the-focus.com\/?p=22406"},"modified":"2024-11-22T17:58:14","modified_gmt":"2024-11-22T16:58:14","slug":"modern-vs-klassisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2024\/11\/modern-vs-klassisch\/","title":{"rendered":"Modern vs. klassisch"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Die Show-Richter &#8211; unter der \u00c4gide der ECAHO &#8211; haben \u00fcber die Jahre einen ganz eigenen Pferdetypus mit extremen Merkmalen (engl. hypertype) favorisiert und nach vorne gestellt. Gleichzeitig erfolgte damit eine Entwertung der &#8220;alten Typen&#8221;, die auf den hinteren Pl\u00e4tzen landen, bzw. gar nicht mehr antreten. Wer beiden Gruppen gerecht werden will, darf sich auf keine Kompromisse einlassen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Zuchtverb\u00e4nde tun sich heutzutage schwer, ein Veranstaltungsformat f\u00fcr alle Z\u00fcchter zu finden, denn die Interessenslage liegt oft weit auseinander: Die einen wollen Glamour-Shows, die anderen eine bodenst\u00e4ndige Zuchtbeurteilung. Der VZAP hat zumindest erkannt, dass die ECAHO-Shows zur Beurteilung von Zucht- und Gebrauchspferden nicht (mehr) geeignet sind. Und so versucht man, zumindest auf den vom Verband ausgerichteten Veranstaltungen, wieder etwas mehr \u201ehippologische Fachkenntnis\u201c einzuf\u00fchren. Das klappt ganz gut auf den VZAP-Stutenpr\u00e4mierungen oder bei der K\u00f6rung und Verbandshengstschau. Auch private Veranstaltungen, wie das (verbandsunabh\u00e4ngige) Kauber Platte Festival, lehnen mittlerweile eine ECAHO-Anerkennung ab und gehen eigene Wege: Hier werden die Pferde an der Hand und im Freilauf anhand von acht Kriterien beurteilt, die drei Richter besprechen sich und einigen sich auf eine Note, das Ergebnis wird anschlie\u00dfend fachkundig kommentiert. Ann\u00e4hernd das gleiche Format hat auch das Nationale Championat in Aachen. Es ist aber nicht (nur) das Richtsystem, sondern es sind vor allem die Richter, die bestimmen, wohin die Reise geht \u2013 in Richtung einer hippologischen Beurteilung oder in Richtung der modernen Show.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Keine Veranstaltungszwitter<\/strong><br \/>\n\u201eAllen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann\u201c \u2013 den Wahrheitsgehalt dieses Sprichworts konnte man deutlich beim Deutschen Nationalen Championat in Aachen erkennen: Auf der einen Seite versuchte man mit dem neuen Format (seit 2023 mit Freilauf, 7 Kriterien) die eher konservativ ausgerichteten Z\u00fcchter anzusprechen. Mit dem Austragungsort \u201eAachen\u201c, eingebettet in Glamour und VIP-Tische, und mit einem \u201emodernen\u201c Richtergremium aus hochkar\u00e4tigen ECAHO-Show-Richtern versuchte man, die eher modern ausgerichteten (Show-)Z\u00fcchter anzusprechen. Es entstand ein Zwitter, der keiner der beiden \u201eRichtungen\u201c gerecht wurde, was sich dann auch in geringen Nennzahlen bemerkbar machte. Also wurde herumtelefoniert, wer noch ein paar Pferde bringen k\u00f6nnte \u2013 Nayla Hayek brachte sechs hochkar\u00e4tige Show-Pferde, das Haupt- und Landgest\u00fct Marbach drei Mutterstuten aus der Erhaltungszucht, damit war die Schau zumindest zahlenm\u00e4\u00dfig gerettet, wobei dennoch mit 18 Pferden ein Tiefpunkt in den Starterzahlen erreicht ist. Zum Vergleich: Am kleinen regionalen Kauber Platte Festival waren es 20 Teilnehmer.<br \/>\nWas die Richter unter einem \u201emodernen Show-Pferd\u201c verstehen, wurde dann auch eindr\u00fccklich in der Klasse der 8-j\u00e4hrigen und \u00e4lteren Stuten demonstriert. Schauen wir uns hierzu die Noten der Siegerin und sp\u00e4teren Championesse Aaida Al Shaqab an, sowie die von den drei Marbacher Stuten, die sowohl am Kauber Platte Festival als auch am Nationalen Championat gestartet waren, und vergleichen wir die Noten in der Tabelle:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Tabelle-Modern-vs.-Klassisch-fullsize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22408 aligncenter\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Tabelle-Modern-vs.-Klassisch-600px.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Tabelle-Modern-vs.-Klassisch-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Tabelle-Modern-vs.-Klassisch-600px-300x113.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Tabelle-Modern-vs.-Klassisch-600px-150x56.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>Zum Vergr\u00f6\u00dfern, Bild anklicken<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es ist augenf\u00e4llig, wie viel h\u00f6her das \u201ealtmodische\u201c oder dem \u201eklassischen Typ\u201c zugeneigte Richtergremium in Kaub, bestehend aus der Zuchtleiterin Anja Daniels, Walter Kampmann und Dr. Ulrike Weckenmann, den Typ, aber auch Kopf &#038; Hals und das Geb\u00e4ude der Marbacher Stuten einstufte. Und wie gleichzeitig das \u201emoderne Richterteam\u201c in Aachen, bestehend aus Sylvie Eberhardt, Anna Stojanowska und Helen Hennekens, den modernen Hypertyp favorisierte und die klassischen Typen nach hinten stellte.<\/p>\n<p><strong>Richter bestimmen die Zucht<\/strong><br \/>\nEs ist eine Binsenweisheit, dass es die Richter sind, die die \u201eRichtung\u201c vorgeben, in die sich unsere Zucht entwickelt. Daher ist die Richterauswahl f\u00fcr eine solche Veranstaltung auch so eminent wichtig. Der VZAP sollte sich dringend dar\u00fcber klar werden, welche Richtung er f\u00fcr sein Nationales Championat gehen will: \u201eModerne Show-Richter\u201c verprellen die Z\u00fcchter des klassischen Typs und umgekehrt \u2013 der oben beschriebene Zwitter wird nicht funktionieren und damit wird die Veranstaltung trotz ge\u00e4nderten Rahmenbedingungen letztendlich scheitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Modern-vs.-Klassisch-37-fullsize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22408 aligncenter\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Modern-vs.-Klassisch-37-600px.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"225\" \/>Zum Vergr\u00f6\u00dfern, Bild anklicken<\/a><\/p>\n<p><strong>Zwei Veranstaltungsformate<\/strong><\/p>\n<p>Nun besteht aber die Z\u00fcchterschaft aus verschiedenen \u201eFraktionen\u201c, denen ein Verband Rechnung tragen mu\u00df \u2013 das ist leicht einzusehen. Daher besteht f\u00fcr mich die einzige L\u00f6sung zu diesem Problem darin, zwei verschiedene Veranstaltungen auszurichten \u2013 die gerne auch nur jedes zweite Jahr alternierend stattfinden! Also in \u201egeraden\u201c Jahren ein Nationales Championat in Aachen mit den klassischen 5 Kriterien und ausgewiesenen \u201eECAHO-Show-Richtern\u201c, in den \u201eungeraden\u201c Jahren ein Nationales Championat an einem anderen Austragungsort (z.B. Kranichstein) nach obigem Modell und ausgewiesenen \u201eVerbandsrichtern\u201c, wie sie auch f\u00fcr die Verbandshengstschau, K\u00f6rung, Stutenpr\u00e4mierungen etc. eingesetzt werden. Dieses Programm sollte f\u00fcr 10 Jahre festgeschrieben werden, sodass f\u00fcr die Z\u00fcchter eine gewisse Planungssicherheit besteht. Auch bedarf es einer Mindestzahl an Pferden, die ebenfalls festgeschrieben ist und bei deren Nichterreichung die Veranstaltung abgesagt wird. Nach den 10 Jahren kann man vielleicht erkennen, in welche Richtung die Reise geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Modern-vs.-Klassisch-38-fullsize-Korrektur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22408 aligncenter\" src=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/AP-3-24-Modern-vs.-Klassisch-38-fullsize-Korrektur.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"225\" \/>Zum Vergr\u00f6\u00dfern, Bild anklicken<\/a><\/p>\n<p><strong>Nicht nur in Deutschland<\/strong><br \/>\nDass Deutschland mit dem Problem \u201emodern vs. klassisch\u201c nicht alleine dasteht, zeigt auch das Beispiel aus der Schweiz. Hier wollte man bereits vor 28 Jahren mit der Best\u00e4ndeschau (11 Kriterien, Freilauf) einen Gegenpol zur herk\u00f6mmlichen \u201eShow\u201c etablieren. Das Reglement wurde jedoch im Lauf der Zeit immer weiter \u201eaufgeweicht\u201c. Dieses Jahr lie\u00df dann eine kleine Gruppe von Z\u00fcchtern die Muskeln spielen, denn die eingeladenen Richter waren ihnen nicht genehm \u2013 Richter, die erfahrene Z\u00fcchter und Ausbilder sind, und sicher die n\u00f6tige hippologische Fachkenntnis aufweisen, die zur Beurteilung von Zucht- und Gebrauchspferden n\u00f6tig ist. Die Kritik aber war: Man will \u201emoderne\u201c Richter, die regelm\u00e4\u00dfig ECAHO-Shows richten, und somit wissen, \u201ewas der Markt will\u201c. Die Crux an der Geschichte \u2013 ohne die Pferde dieser \u201emodernen\u201c Z\u00fcchter w\u00fcrde die Schau wegen mangelnder Teilnehmer nicht stattfinden k\u00f6nnen und so ist der Vorstand eingeknickt. Die \u201ealtmodischen Richter\u201c wurden ausgeladen und stattdessen ECAHO-Show-Richter eingeladen. Auch hier kann man nur dazu raten, sich ein langfristiges Schema \u201eShow vs. Best\u00e4ndeschau\u201c zu \u00fcberlegen. F\u00fcr die kleine Schweiz mit nicht einmal 20 Fohlen pro Jahr ist es verst\u00e4ndlicherweise schwierig, jedes Jahr eine Schau zu f\u00fcllen, weil einfach die jungen Jahrg\u00e4nge fehlen. Daher w\u00e4re auch hier eine alternierende Veranstaltungsreihe eine m\u00f6gliche L\u00f6sung.<\/p>\n<p><strong>Polarisierung der Z\u00fcchter?<\/strong><br \/>\nMan kann nun anf\u00fchren, dass zwei verschiedene Veranstaltungen f\u00fcr die beiden Gruppen zur Polarisierung der Z\u00fcchterschaft f\u00fchren. Ich sehe das anders, denn die Polarisierung hat in weiten Bereichen der Gesellschaft bereits stattgefunden, so auch in der Pferdezucht. Man denke nur an die Dressurpferdezucht, wo der Hypertyp in \u00fcberbeweglichen und verschlei\u00dfanf\u00e4lligen Pferden besteht. Auch in der Hunde- und Katzenzucht kennt man diesselbe Diskussion. Ob man will oder nicht, man mu\u00df beiden Bereichen Rechnung tragen, denn es ist eine Investition in die Zukunft der Rasse, dass diese \u201eklassischen Typen\u201c erhalten werden. Schon jetzt h\u00f6rt man hier und da den Ruf nach einem \u201eVerst\u00e4rkerhengst\u201c \u2013 die Show-Pferde sind zu fein geworden, man braucht wieder kr\u00e4ftigere Fundamente. Woher aber nehmen, wenn solche Typen nicht mehr gez\u00fcchtet werden?<br \/>\n<em>Gudrun Waiditschka<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Show-Richter &#8211; unter der \u00c4gide der ECAHO &#8211; haben \u00fcber die Jahre einen ganz eigenen Pferdetypus mit extremen Merkmalen (engl. hypertype) favorisiert und nach vorne gestellt. Gleichzeitig erfolgte damit eine Entwertung der &#8220;alten Typen&#8221;, die auf den hinteren Pl\u00e4tzen landen, bzw. gar nicht mehr antreten. 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