{"id":8853,"date":"2017-07-07T21:29:57","date_gmt":"2017-07-07T19:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/in-the-focus.com\/?p=8853"},"modified":"2017-07-07T21:32:34","modified_gmt":"2017-07-07T19:32:34","slug":"dillenburg-vor-dem-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/in-the-focus.com\/en\/2017\/07\/dillenburg-vor-dem-aus\/","title":{"rendered":"Dillenburg vor dem Aus?"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-size:150%; color:#d4a409\"><strong>Gemeinsame Erkl\u00e4rung der Pferdezucht- und -sportverb\u00e4nde<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Warendorf (fn-press).<\/strong> In dieser Woche wurde bekannt, dass die hessische Landesregierung das Landgest\u00fct Dillenburg nicht weiter unterst\u00fctzen wird. Die 400 Jahre alte Traditionsanlage steht damit vor dem Aus. In ihrer Begr\u00fcndung stellt Umweltministerin Priska Hinz unter anderem das Wohl der Pferde in Frage. Die Schlie\u00dfung des Gest\u00fcts h\u00e4tte nicht nur negative Folgen f\u00fcr die Pferdezucht in Hessen.<br \/>\n<div id=\"attachment_8855\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8855\" src=\"http:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Dillenburg_Reithaus_7676_LLH-Andreas-Rogocz-600px.jpg\" alt=\"Das Landgest\u00fct Dillenburg steht vor dem Aus! Die gr\u00fcne Umweltministerin Priska Hinz will den Geldhahn zudrehen.\" width=\"600\" height=\"400\" class=\"size-full wp-image-8855\" srcset=\"https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Dillenburg_Reithaus_7676_LLH-Andreas-Rogocz-600px.jpg 600w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Dillenburg_Reithaus_7676_LLH-Andreas-Rogocz-600px-300x200.jpg 300w, https:\/\/in-the-focus.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Dillenburg_Reithaus_7676_LLH-Andreas-Rogocz-600px-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-8855\" class=\"wp-caption-text\">Das Landgest\u00fct Dillenburg steht vor dem Aus! Die gr\u00fcne Umweltministerin Priska Hinz will den Geldhahn zudrehen.<\/br>Foto: Andreas Rogocz<\/p><\/div><br \/>\nNachfolgend die gemeinsame Erkl\u00e4rung von<\/p>\n<ul>\n<li>Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN)<\/li>\n<li>Pferdesportverband Hessen e.V.<\/li>\n<li>Verband der Pony- und Pferdez\u00fcchter Hessen e.V.<\/li>\n<li>Bundesvereinigung der Berufsreiter im DRFV e.V.<\/li>\n<li>Hannoveraner Verband e.V.<\/li>\n<li>Verband der Z\u00fcchter und Freunde des Ostpreu\u00dfischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung e.V.<\/li>\n<li>Friesenpferde-Zuchtverband e.V.<\/li>\n<li>Verband der Z\u00fcchter und Freunde des Arabischen Pferdes e.V.<\/li>\n<li>Zuchtverband f\u00fcr Sportpferde Arabischer Abstammung (ZSAA) e.V.<\/li>\n<\/ul>\n<p>zur Schlie\u00dfung des Landgest\u00fcts Dillenburg 7. Juli 2017<\/p>\n<h3 style=\"font-size:120%; color:#d4a409\"><strong>Pferdehaltung im Landgest\u00fct kein Grund f\u00fcr Schlie\u00dfung<\/strong><\/h3>\n<p>In dieser Woche wurde bekannt, dass die hessische Landesregierung das Landgest\u00fct Dillenburg nicht weiter unterst\u00fctzen wird. Die 400 Jahre alte Traditionsanlage steht damit vor dem Aus. In ihrer Begr\u00fcndung stellt Umweltministerin Priska Hinz unter anderem das Wohl der Pferde in Frage. Die Schlie\u00dfung des Gest\u00fcts h\u00e4tte nicht nur negative Folgen f\u00fcr die Pferdezucht in Hessen.<br \/>\n\u201ePferde sind gro\u00dfe Tiere, sie brauchen Platz und haben das Recht auf mehrst\u00fcndigen freien Auslauf auf der Weide\u201c, sagte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Gr\u00fcne) und berief sich dabei auf die \u201eLeitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Doch was sagen die Leitlinien tats\u00e4chlich? In Kapitel 2 hei\u00dft es: Pferde haben den Bedarf nach t\u00e4glich mehrst\u00fcndiger Bewegung. Kontrollierte Bewegung beinhaltet nicht die gleichen Bewegungsmuster wie freie Bewegung. Daher kann kontrollierte Bewegung die freie Bewegung nicht vollst\u00e4ndig ersetzen.<br \/>\n\u201eMehrst\u00fcndige Bewegung t\u00e4glich bedeutet f\u00fcr Pferde, die nicht geritten oder trainiert werden, wie zum Beispiel Zuchtstuten, Fohlen, Jungpferde oder alte Pferde, ausschlie\u00dflich freie Bewegung. F\u00fcr alle Pferde, die t\u00e4glich kontrolliert bewegt, also entweder geritten werden, in der F\u00fchrmaschine oder auf dem Laufband gehen, soll die freie Bewegung zus\u00e4tzlich angeboten werden. Dann kann das Pferd sich w\u00e4lzen, frei bewegen, sich austoben oder einfach herumstehen\u201c, erl\u00e4utert Agrarwissenschaftlerin Dr. Christiane M\u00fcller, Tierschutzbeauftrage und Pr\u00e4sidiumsmitglied der FN sowie \u00f6ffentlich bestellte und vereidigte Sachverst\u00e4ndige f\u00fcr Pferdehaltung, -zucht und -sport. \u201eWichtig ist, dem Pferd einmal am Tag die M\u00f6glichkeit zu geben, selbst die Gangart und Intensit\u00e4t der Bewegung zu bestimmen. Wenn dieses Angebot nach der kontrollierten Bewegung und ganzj\u00e4hrig t\u00e4glich besteht, gew\u00f6hnt sich jedes Pferd schnell daran und die Verletzungsgefahr wird minimiert. Das Pferd wird entspannt und gelassen, auch beim Training. Da Weidefl\u00e4chen nicht immer und nur selten im Winterhalbjahr zur Verf\u00fcgung stehen, sind wetterfeste Ausl\u00e4ufe oder das Freilaufen in der Reithalle eine gute Alternative. Die Aussage der Ministerin, dass freie Bewegung nur auf der Weide gew\u00e4hrleistet werden kann, ist demnach unzutreffend. Die Praxis zeigt seit vielen Jahren gute Beispiele f\u00fcr Bewegungsausl\u00e4ufe, die auch in st\u00e4dtischen Pferdest\u00e4llen umsetzbar sind.\u201c<\/p>\n<p>Laut dem F\u00f6rderverein Hessisches Landgest\u00fct Dillenburg werden die Vorgaben der Leitlinien auf der Anlage erf\u00fcllt. \u201eRund um das Landgest\u00fct stehen leider keine Fl\u00e4chen f\u00fcr Koppeln zur Verf\u00fcgung. Jedoch werden die Pferde t\u00e4glich geritten oder gefahren, gehen in die F\u00fchranlage und d\u00fcrfen zus\u00e4tzlich in der Reithalle frei laufen. Auf kleinen Paddocks haben sie auch die M\u00f6glichkeit sich zu w\u00e4lzen, haben Sozialkontakt und sind den Klimareizen wie Sonne, Wind oder Regen ausgesetzt. Gerne nimmt das Landgest\u00fct auch das Angebot der Stadt Dillenburg an, den angrenzenden Hofgarten in weitere Auslauffl\u00e4che umzugestalten. Sollte es tats\u00e4chlich etwas an der Anlage zu bem\u00e4ngeln geben, das ver\u00e4ndert werden kann, muss auch die Chance einger\u00e4umt werden, diese Ver\u00e4nderungen vorzunehmen.\u201c<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die nationale Nutztierstrategie. Darin enthalten ist erstmals eine klare Definition des Begriffs Tierwohl. Dabei geht es um Gesundheit, Verhalten und Emotionen. Angst, Schmerz und Stress f\u00fcr die Tiere m\u00fcssen vermieden werden, so besagt es auch das Tierschutzgesetz. Dies ist auch die Grundlage f\u00fcr die t\u00e4gliche Arbeit auf dem Landgest\u00fct Dillenburg sowie in der Hessischen Reit- und Fahrschule. \u201eDie Pferde werden gut gehalten, sind gesund und zeigen ein normales Verhalten, sie haben weder Angst noch Stress\u201c, hei\u00dft es von Seiten des F\u00f6rdervereins.<\/p>\n<h3 style=\"font-size:120%; color:#d4a409\"><strong>Touristenattraktion, Kulturgut, Wirtschaftsfaktor, Lebensraum<\/strong><\/h3>\n<p>Das 1869 gegr\u00fcndete Landgest\u00fct Dillenburg, dessen Geschichte sich bis ins 16. Jahrhundert nachverfolgen l\u00e4sst, umfasst heute nicht nur die zum Teil denkmalgesch\u00fctzten Stallgeb\u00e4ude, Reithallen, den Paradeplatz und das Kutschenmuseum in der historischen Orangerie, sondern seit 1929 auch noch die FN-zertifizierte Hessische Reit- und Fahrschule. Dort werden traditionell Reiter, Fahrer und Pferde, Trainer und Pferdewirte ausgebildet. Dar\u00fcber hinaus bietet das Landgest\u00fct auch Personen aus dem st\u00e4dtischen Umfeld die M\u00f6glichkeit, das Pferd hautnah erleben zu k\u00f6nnen. Jedes Jahr nutzen in der Landes Reit- und Fahrschule mehr als 50 Kinder und Jugendliche das Angebot \u201eReiten als Schulsport\u201c. Wie auch eine FN-Studie belegt, f\u00f6rdert der Umgang mit dem Pferd die charakterliche, soziale und k\u00f6rperliche Entwicklung \u2013 nicht nur von Kindern und Jugendlichen. Au\u00dferdem sind Pferdesport und -zucht ein bedeutender Wirtschaftsfaktor \u2013 der Umsatz der deutschen Pferdewirtschaft liegt bei gesch\u00e4tzten 6,7 Milliarden Euro. Die Hengstparaden des Landgest\u00fcts Dillenburg locken immer wieder Tausende Besucher an. Und auch die Anlage selbst ist Ausflugsziel vieler Touristen. Der Prinzensaal wird zudem als Standesamt und f\u00fcr Tagungen genutzt.<\/p>\n<p>Seit Jahrtausenden sind Pferde im h\u00f6chsten Ma\u00dfe an der Entwicklung des Menschen und dem kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt beteiligt. Deshalb gilt es, dieses Erbe zu bewahren. Die kulturhistorische Gest\u00fctanlage ist stadtbildpr\u00e4gend und bewahrt eine jahrhundertelange Tradition und den Flair einer vergangenen Zeit. Nicht nur f\u00fcr Pferde sind Reitanlagen wie das Landgest\u00fct ein Lebensraum, sie k\u00f6nnen es auch f\u00fcr andere sch\u00fctzenswerte Tierarten wie Schwalben und andere V\u00f6gel, Insekten, Eidechsen und kleine S\u00e4ugetiere, zum Beispiel Flederm\u00e4use sein. Die Schlie\u00dfung des Gest\u00fcts und die anschlie\u00dfende ungewisse Zukunft k\u00f6nnten auch den Lebensraum dieser Tiere gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Inzwischen wurde eine Online-Petition gestartet, die den Erhalt des Landgest\u00fcts Dillenburg fordert. Es gibt bereits mehr als 9000 Unterst\u00fctzer. Hier k\u00f6nnen Sie sich auch an der Petition beteiligen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsame Erkl\u00e4rung der Pferdezucht- und -sportverb\u00e4nde Warendorf (fn-press). In dieser Woche wurde bekannt, dass die hessische Landesregierung das Landgest\u00fct Dillenburg nicht weiter unterst\u00fctzen wird. Die 400 Jahre alte Traditionsanlage steht damit vor dem Aus. In ihrer Begr\u00fcndung stellt Umweltministerin Priska Hinz unter anderem das Wohl der Pferde in Frage. 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