Arabische Pferde – IN THE FOCUS

Kaufmann und Züchter – Baron von Fechtig (II)

Der Name “Baron von Fechtig” taucht in erster Linie mit den Importen bedeutender Gründerpferde auf. Aber Baron von Fechtig unterhielt auch über viele Jahre hinweg ein eigenes Gestüt, auf dem er “rein arabische Pferde” züchtete. Leider findet man kaum ein Pferd aus seiner Zucht in heutigen Pedigrees – außer bei den Haflingern!

Von seinen Importen behielt sich Baron von Fechtig einige Pferde zurück für seine eigene Zucht. Er mußte jedoch feststellen, daß sich seine Besitzungen in Kirchschlag aufgrund der Hanglage und der Witterung, aber auch aus Platzmangel nicht auf Dauer für die Zucht edler Pferde eigneten, und so verlegte er 1825/26 sein Gestüt nach Lengyeltóti, ca. 12 km südlich von Fonyód am Plattensee. Hier konnte Baron von Fechtig vom Grafen Anton von Inkey eine Länderei mit großzügigen Weiden pachten und seine Pferdezucht stark ausweiten. So bestand sein Gestüt bald aus drei Teilen, dem arabischen Gestüt, das aus Original-Arabern und deren rein gezüchtete Nachzucht bestand; dem ungarischen Reitgestüt, und dem Wagen- oder Wirtschaftsgestüt.
Das arabische Gestüt bestand aus 15 original-arabischen Stuten und deren reiner Nachzucht mit original-arabischen Hengsten. Innerhalb weniger Jahre wuchs dessen Bestand auf 70 bis 80 Pferden, incl. der Nachzucht.
Vom Jahre 1826-1827 liegt uns der folgende Gestütsbestand vor: vier Original-Araber-Hengste: El Bedavi, Hadban, Cohesuan, Obeyan; vier selbstgezogene Hengste, von originaler Abkunft: Samhan, Marssaud, Chebessian, Saklavy; 16 Original-Araber-Stuten: Fidavie, Zohée, Monakye, Harsa, Abeye, Saklavy, Melhaye, Obaye, Warde, Bedue, Koheyle, Wadue, Habibe, Hlatie, Hamdanie und sechs selbstgezogene Stuten: Saklavy, Gidran, Monakye, Warde, Kohie, Zohée. Neben diesen namentlich angeführten 29 Pferden befanden sich noch ca. 50 Fohlen aller Jahrgänge im Gestüt.

Der Stammhengst El Bedavi

El Bedavi und Coheile, zwei Original-Araber im Besitz von Baron von Fechtig

Insbesondere der Hengst El Bedavi Or.Ar. war der Stolz des Besitzers und wurde von den Fachleuten gerühmt: El-Bedavi Or.Ar., Goldbraun, Stamm Koheyl ohne Abzeichen, 15 Faust 1 Zoll – er stammte aus Fechtigs letztem Transport 1825 und kam dreijährig ins Gestüt. Hörmann beschreibt ihn wie folgt: „An diesem schönen Thiere bemerkt man alle Merkmale des hohen Adels im schönsten Vereine. Bei der ansehnlichen Körpergröße besitzt er die ausgezeichnetsten Formen und ein seltenes Verhältnis aller einzelnen Theile zu einander. Das Farbenspiel seidenartigen Haares durchläuft alle Nüancen von Braun zum Rothen, wodurch es in mancher Stellung zum Lichte einen braunartigen Schimmer erhält; der vollkommen gerade, mit einer breiten Stirne gebildete, Kopf ist an dem Halse gut angestzt, so daß die Rinne zwischen dem Quersatz des ersten Halswirbels und dem Schlaf-Beine bis herab zu dem Kehlkopfe deutlich wahrzunehmen ist; durch das schöne, gut geöffnete Ohr und das lebhafte Auge manifestiert sich die Vollkommenheit dieser beiden Sinne; die Nase ist weit geöfffnet. Der lange, jedoch im Verhältnis zu den übrigen Theilen stehende Hals geht durch einen tiefen Ausschnitt in den scharf bezeichneten Widerrist über. Rücken, Lende und die beinahe horizontale und breite Kruppe lassen hinsichtlich ihrer Verbindung und Bildung nichts zu wünschen übrig; letzere befriedigt noch überdieß durch ihre, für ein orientalisches Pferd ungewöhnliche, Stärke.
Die einzelnen Theile seiner Gliedmassen stehen im schönsten Ebenmaße zu einander, vorzüglich gut gelagert ist die Schulter. Seine Bewegung entspricht der richtigen Konstruktion seiner Gliedertheile, die durch sein inneres Vermögen (Blut) jene Kraft und Ausdauer erlangt, welche man außer dem edlen arabischen nur, mit den wenigen Ausnahmen, bei dem englischen Vollblutspferde trifft, wodurch sich dessen rein orientalische Abkunft erprobt.“ Während von Biel urteilte: “der practischste Arabische Hengst, den ich gesehen habe. Schöne Brust, vortrefflich geschlossen, und unter den Knieen unverbesserlich.“
Seine im Jahr 1828 geborenen 12 Fohlen waren laut Hörmann „von ausgezeichneter Schönheit und Stärke; nicht minder beurkundete er die Vererbungs-Fähigkeit seines Adels durch die originelle Kopf-Form, welche er seinen Kindern durchgehends anzeugte.“

Bestandsreduzierung

Das Gestüt wuchs in den folgenden Jahren rasch an, so dass sich Baron von Fechtig 1833 zu einer Bestandsreduktion entschloss. Am 10. Juni 1833 ging dann die „Lizitation“ des Gestüts von Baron von Fechtig durch die Presse: „Kürzlich wurde das große und ausgezeichnete Gestüte des Barons von Fechtig, in dem ungarischen Orte Lengyeltothy verkauft. Die Versteigerung dauerte drei Tage, und es hatten sich Pferdeliebhaber beinahe aus allen Gegenden Europas eingefunden. Unter ihnen bemerkte man den Grafen Hardegg, General-Lieutenant und General-Inspector sämmtlicher kaiserl. österreichischen Gestüte; Hrn. v. Coetdihuel, Aufseher der französischen Stutereien, so wie eine Menge von deutschen und englischen Stallmeistern. Unter den vorzüglichsten Racepferden machten die Käufer einander hauptsächlich den Besitz El-Bedavis, eines berühmten Hengstes streitig.”

Über 50 Pferde aus dem Gestüt des Baron von Fechtig standen 1833 zum Verkauf.

Auch im Königlichen Privatgestüt Weil hatte man Interesse, und so wurde Julius von Hügel mit dem Ankauf eines bestimmten Pferdes beauftragt, der zu diesem Zeitpunkt in Wien wohnte. Zu diesem Zweck hatte er einen Kreditbrief über 800 Dukaten erhalten, zusätzlich einen über 500 fl. für seine Reisekosten und den Transport des Pferdes. Um welches Pferd es sich hierbei handelte, geht aus den Unterlagen nicht hervor, aber es ist anzunehmen, dass es der Hengst El Bedavi Or.Ar. war. Von Hügel gelang es nämlich nicht, ein Pferd zu kaufen, und tatsächlich wurde für diesen Hengst von anderer Seite ein höherer Betrag geboten. Es heißt hierzu: “Zum großen Verdruße der ungarischen Edelleute wurde das Pferd zuletzt dem Hrn. Coetdihuel zugeschlagen, der es für die französische Regierung kaufte. Dasselbe ist von brauner Farbe, welche auch den meisten seiner Abkömmlinge eigen ist. Die männlichen befinden sich beinahe sämmtlich als Beschäler in ungarischen und deutschen Gestüten. Welchen Werth man in Ungarn auf El-Bedavi, den Stammvater aller dieser edlen Thiere, setzte, mag der Umstand beweisen, daß Hr. v. Coetdihuel denselben nebst dem Hengste Vadne und fünf sehr schönen Stuten nur unter dem Schutze eines Husaren-Pikets fortbringen lassen konnte, indem die Einwohner der Umgegend sich der Wegführung desselben mit Gewalt widersetzen wollten.
Der französische General-Agent der Gestüte, Baron Coetdihuel kaufte insgesamt fünf Stuten, wovon zwei der besten mit den Saugfohlen auf 1068 Dukaten zu stehen kamen und den Hengst El Bedavi Or.Ar. für 1200 Dukaten, obgleich er nicht mehr jung ist. “
Neben El Bedavi Or.Ar. gingen auch sein Sohn Vadne (a.d. El Bedu Or.Ar.), Fuchs, geb. 1829, und die Stuten Fedawie Or.Ar., Schimmel, geb. 1822; Warda Or.Ar., Braun, geb. 1821; Hamdanie (El Bedavi Or.Ar. / Or.Ar.-Stute), Braun, geb. 1826; Koheyl Or.Ar., Schimmel, geb. 1820 und Monaghie, Schimmel, geb. 1822 – die letzten drei Stuten wurden alle tragend von El Bedavi Or.Ar. exportiert.

Skeptische Franzosen

In Frankreich aber stand man den arabischen Pferden aus Ungarn, besonders jedoch dem Hengst El Bedavi Or.Ar., recht kritisch gegenüber und fragte sich, ob der hohe Preis tatsächlich gerechtfertigt war, waren die Pferde doch dazu gedacht, die bestehende Zucht zu verbessern. Dem Hengst war ein ausgezeichneter Ruf vorausgeeilt, den er nach Ansicht der Franzosen aber nicht erfüllte, „jedoch hat er die Verachtung, die ihm von den Anhängern [des englischen Vollbluts] in Paris und den meisten Züchter von Limousin entgegengebracht wird, ebenfalls nicht verdient“ schrieb Comte Achille de Montendre, der sich jedoch auch fragte, was insbesondere die Stuten seit ihrer Ankunft in Frankreich für die Zucht gebracht hätten, „wo sind die Produkte dieser Hengste und dieser Stuten, die man erwähnen könnte?“ Galten doch sowohl der Hengst als auch die Stuten als die Krönung des Fechtig’schen Gestüts, und so fragte man sich, warum der Herr Baron sich wohl von diesen getrennt hat. „Ich bin an einem Punkt angekommen“, lies sich Baron von Fechtig vernehmen, „an dem ich mich ohne Gefahr für mein Gestüt von El Bedavi Or.Ar. und einigen Stuten trennen kann, obwohl sie zu den besten meiner Zucht gehören. Der Grund liegt darin, daß ich Nachzucht von ihnen habe, die sie perfekt ersetzen können.“ Und tatsächlich hatte Fechtig zum Zeitpunkt der Auktion noch 18 Nachkommen von El Bedavi Or.Ar. aus seinen arabischen Stuten für sich zurückbehalten. Nach der Auktion, im Oktober 1833, bestand das Gestüt noch aus 80 Vollblut- und 120 Halbblutstuten, also zusammen 200 Stück. Offensichtlich aber mußte Baron von Fechtig den Bestand seiner Pferde weiter reduzieren, weil das Anwesen in Lengyelthoti nur eine begrenzte Anzahl Tiere ernähren konnte.
Als Anton von Inkey 1840 den Pachtvertrag für Lengyeltóti kündigte, mußte Baron von Fechtig sein Gestüt nach Siebenbürgen umziehen, wo er die Herrschaft Bulcs kaufte. Damit aber war er von potentiellen Käufern weit entfernt und es wurde ruhig um ihn.
Im Frühjahr 1844 stand das Königliche Privatgestüt Weil wieder mit Baron von Fechtig über den Ankauf eines Pferdes in Verbindung. König Wilhelm hatte offensichtlich eine Bestellung bei von Fechtig gemacht, wozu man nun Stallmeister von Hügel nach Wien schicken wollte, wohin die Pferde zur Ansicht geliefert wurden. Von Hügel kaufte einen Hengst namens El Bedavi bei von Fechtig. „Am 3. Mai 1844 ist aus Wien in dem K. Marstall anhier angekommen: Nr. 272 – El Bedavi, kastanienbraun mit wenig weißen Haaren auf der Stirn und Schnipp, beide rechte Fessel weiß, Hengst, 5 Jahre alt und 15 Faust 2 Zoll groß. Bem: Hat auf dem linken Vorderknie eine kleine Galle. Abstammung des Hengstes El-Bedavi, in dem Gestüt des Baron Fechtig zu Bultsch [Bulc] in Ungarn gezogen aus der arabisch-Stute Bedue und dem Hengste Hlavie, Sohn des El Bedavi.“ Er war damit also ein Enkel des El Bedavi Or.Ar., den man 1833 nicht kaufen konnte. Offensichtlich blieb der Hengst aber im Marstall und wurde in Weil nicht für die Zucht verwendet.
Baron von Fechtig starb ca. 1850 in Temeschwar und das Gestüt wurde aufgelöst.

In der Haflingerzucht

Der Hengst El Bedavi (in Frankreich “Elbedavy”), dem die Franzosen so skeptisch gegenüber standen, wirkte 1834-35 in Pompadour und 1836-37 in Tarbes. Er wurde aber tatsächlich kaum genutzt, denn es sind keine (!) Vollblutarabernachkommen von ihm im Französischen Stutbuch verzeichnet, ausser jenen, die über Ungarn ins Land kamen.


Wenngleich die Pferde, die Baron von Fechtig aus dem Orient importierte, in den verschiedensten Ländern Europas zu den Gründerpferden zählen, so waren die Pferde aus seiner eigenen Zucht bei weitem nicht so erfolgreich. Der wichtigste scheint El Bedavi II (El Bedavi Or.Ar. / Koheil Or.Ar.) *1830 gewesen zu sein, der in Bábolna in der Araberrasse-Zucht eingesetzt wurde. Sein Ur-Enkel, der 1868 geborene Landbeschäler 133 El Bedavi XXII (a.d. 361 Dahabi-4) wurde zum Linienbegründer in der Haflingerzucht – wobei man allerdings sagen muß, dass dieser mehr nach den Gidran-Vorfahren seiner Mutter kam. Der El Bedavi-Hengststamm wurde sowohl in Bábolna als auch in Radautz bald wieder aufgegeben und starb Ende des 19. Jahrhunderts aus.
Gudrun Waiditschka