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Mär 21 2015

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Unter dem Sattel erfolgreich

FN-Ranglisten-Analyse

Vielfach wird mit der Leistungsfähigkeit des Arabischen Pferdes geworben, aber nur wenige stellen dies auch unter Beweis. Um diejenigen, die nachweislich eine sportliche Leistung erbracht haben, herauszustellen, haben wir die FN-Turnierergebnisse näher unter die Lupe genommen, wohl wissend, dass es auch andere Sportarten gibt, die in den nächsten Ausgaben untersucht werden sollen.


Objektive Kriterien

Eine Möglichkeit, relativ objektiv die Sportpferde innerhalb der klassischen Disziplinen zu vergleichen, bieten die FN-Ergebnisse in Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Fahren – wobei es leider in 2014 keine arabischen Pferde gab, die im Fahrsport ins Preisgeld gekommen wären. Hier kann man die Pferde nach Jahresgewinnsumme, Lebensgewinnsumme und nach Ranglistenpunkte (RLP) vergleichen – alle Betrachtungsweisen ergeben eine unterschiedliche Reihenfolge, und jede hat so ihre Fallstricke. Der größte Nachteil dabei ist leider für unsere Araber, dass die Ergebenisse von WBO-Turnieren (Breitensport-Wettbewerbe), nicht in die Datenbank aufgenommen werden, und somit hier nicht berücksichtigt werden konnten. Das betrifft für 2014 beispielsweise die speziellen Araber-Turniere anläßlich des Asil Cups und das Araber-Turnier in Marbach, aber auch das Europa-Championat der Sport-Araber, das letztes Jahr im polnischen Staatsgestüt Janow Podlaski stattfand. Natürlich fallen darunter auch alle anderen WBO-Turniere, die nicht speziell für Araber ausgeschrieben sind, an denen aber der eine oder andere Araber teilgenommen hat.


Die Vollblutaraber im Einzelnen

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Vollblutaraber, von denen so gern behauptet wird, dass sie „nur schön“ seien. Der Sieger El Samalon (El Nabila / Sonoma Delight) unter Manja Höhne straft diese Behauptung Lügen, denn er ist ganz klar schön und leistungsfähig; er ist auf den ersten Blick als „Araber“ erkennbar, und dennoch ein leistungsfähiges Dressurpferd bis Klasse M in Konkurrenz mit Warmblütern. Ein Sieg gegen 25 Mitstreiter aus dem Warmblutlager war das „Highlight“ in 2014 und spülte 77 Punkte auf das Ranglistenpunkte-Konto. Weiters erreichten die beiden einen 4. und einen 10. Platz in M-Dressuren in Ostdeutschland. Nicht gewertet wurde, wie oben erwähnt, das Europa-Championat in Polen, wo die beiden sich die Bronze-Medaille in der Dressur im Prix St. George erritten haben. Leider hat sich El Samalon einen Sehnenschaden zugezogen, so dass er nicht nach Aachen kommen konnte – hoffen wir, dass die Genesung vorangeht und er dieses Jahr wieder mit dabei ist! El Samalon stammt von El Nabila B ab, russisch/ägyptisch gezogener National-Champion in USA und Brasilien, sowie World Cup-Champion in Las Vegas – „mehr“ Schaupferd geht kaum; mütterlicherseits geht er mit Sonoma Delight auf russisch/englische Linien zurück – beides Linien, die auf Reiteigenschaften selektiert wurden, was sich offensichtlich auch über die Generationen hinweg erhält.
Auf Platz zwei unserer „Hitliste“ landete Wakil (Wisznu Ibn Sawih / Louise-Ann), der sein Punktekonto hauptsächlich mit A-Dressuren füllte. Seit 2008 ist er mit seiner ständigen Reiterin Angela Gricks auf Turnieren unterwegs, 2014 waren die beiden zum ersten mal auch in Aachen mit dabei, wo sie in den A- und L-Dressur starteten, und sechste und achte Plätze belegten. „Fast alles was Wakil kann, hat er von mir und umgekehrt. Wir haben uns wirklich alles selbst erarbeitet, zusammen mit meiner Mutter, die Reitlehrerin ist“, erzählt Angela Gricks. „Dank der nun bald 13 Jahren, in denen ich fast jeden Tag mit ihm verbracht habe, ist er wirklich ein Teil von mir geworden. Viele sagen ja, es gibt ein Pferd im Leben, das besonders ist, mehr als alle anderen – und, ja, ich denke Wakil ist genau so ein besonderes Pferd und wird es immer sein. Er ist ehrlich, treu, arbeitswillig und wenn er jemanden gut kennt, dann geht er mit ihm wirklich durch dick und dünn.“ Väterlicherseits stammt Wakil über Wisznu Ibn Sawih aus Weil-Marbacher Linien mit einigem polnischen Blut, seine Mutter Louise-Ann stammt aus England und ist aus englisch/polnischen Linien gezogen. Beide Eltern waren im Besitz von Angela Gricks’ Großmutter, und so war Wakil Zeit seines Lebens ein Familienmitglied.

TOP TEN Vollblutaraber

Pferde in Lebensstellung

Der beste Sportaraber 2013 ist auf Platz drei gerutscht: MS Madrass (Kamerton / Marenah). Hier war es die Reiterin Susanne Giese, die aus gesundheitlichen Gründen nicht die volle Saison reiten konnte, ja eigentlich hatten die beiden nur das Turnier in Aachen bestritten, dabei aber in der M** einen sechsten Platz belegt, was allein 90 Punkte auf das Konto brachte. „Ich habe ihn zum ersten Mal als zweijährigen Hengst auf dem Gestüt ‚Vogelsberg-Araber’ von Maria Sens und Harald Frey gesehen.“ erzählt seine Besitzerin Susanne Giese. „’Maddi’ zeichnete sich durch seine Bewegungen und seine Aufmerksamkeit aus. Ich habe mich sofort in ihn verliebt und gekauft. Madrass‘ Ausbildung verlief problemlos. Er wollte und will immer arbeiten, alles richtig machen und das seit seinem ersten Tag als Reitpferd. Gleichzeitig ist das wohl sein größtes Problem: Durch seinen Ehrgeiz ist es manchmal schwierig, ihn in der gewünschten Losgelassenheit zu präsentieren. Madrass ist sehr intelligent und lernt Lektionen sehr schnell. ‚Privat’ ist Maddi ein netter Kerl. Mit seinem Freund, Carat, und ein paar Warmblut-Kollegen geht er täglich auf die Weide, ist immer für Blödsinn zu haben, ständig in Bewegung und beim Wettrennen der schnellste! Er ist ein ganz besonderer und liebenswerter Charakter. Mit seinen gerade mal zehn Jahren hat er hoffentlich noch viele erfolgreiche Jahre vor sich.“
Abstammungsmäßig konnte man seine Reiteignung bereits vorhersehen, stammt er doch aus „rein russischen“ Linien. Sein Vater Kamerton ist rennleistungsgeprüft und seine Nachkommen sind überwiegend auf langen Distanzen unterwegs.
Ein ganz anderer Typus Pferd ist Gordon Chamway (Gaylord I / Samiah), der eher „quadratisch, praktisch, gut“ daher kommt und den vierten Platz in unserer Top Ten belegt. Unter seiner Besitzerin Christine Pape war sein größter Erfolg in 2014 ein zweiter Platz in der M*-Dressur in Salzkotten. Bereits sein Vater Gaylord I war unter Christine Pape im Dressurviereck bis Klasse M zu sehen. Blutsmäßig ist Gordon Chamway eine Mischung aus polnischen, russischen, ägyptischen und englischen Linien, wobei die englischen wohl am prägendsten waren.

Dressurtalente überwiegen

Platz fünf belegt No Doubt (Fargo / Dshamila) unter seiner Reiterin Jasmin Fischer. Auch dieses Paar war 2014 insbesondere in der Dressur der Kl. A und L unterwegs, hat aber auch einen Ausflug in das Gelände (Geländeritt Kl. A) nicht gescheut. No Doubt wurde „ohne Zweifel“ einst unter dem arabischen Namen „Daoud“ im Stutbuch registriert; sein Vater Fargo entammt sozusagen dem „Golden Cross“, also 25 % ägyptisch x 75 % spanischen Blutlinien, seine Mutter ist aus der Zucht von Ingeborg Wagner und somit klassisch Weil-Marbach gezogen mit den Hamdi-Töchtern Dawa und Danil im Pedigree.
Die einzige, die ihre Ranglistenpunkte aussschließlich im Parcours „ersprungen“ hat, ist die Fuchsstute Djamila Bint Halim (Halim I / Asra Nahema) unter ihrer Reiterin Ria-Samira Speer, die auf Platz sechs nach RLP gelandet sind. Dieses Paar war erfolgreich bis Kl. A* und A** unterwegs; die letzte Prüfung des Jahres 2014 war dann auch das Highlight mit einem Sieg in der Springprüfung Kl. A**. Auch in Djamila’s Pedigree findet sich etwas Weil-Marbacher Blut, die Mehrheit der Vorfahren aber ist ägyptisch.
Auf Platz sieben dann Haifi El Sorrento (BS Specific / Haifi Dinjah) unter seiner Ausbilderin Susanne Hoyler. Das Paar würde eigentlich weiter nach vorne gehören, wenn eben, wie eingangs erwähnt, gewisse WBO-Turniere in den FN-Ranglisten mitgezählt würden. In L ist er mittlerweile sicher, und so konnte das Paar als ihren größten Erfolg einen fünften Platz in der L-Kür in der Aachener Soers verbuchen, anläßlich des ANC Turniers. Trotz dessen, dass er eigentlich ein „Großer“ ist mit rund 1,65 m Stockmaß (!), ist er doch ein „kleiner Schisshase“, der selbst vor dem Klicken der Kamera erschreckt – aber auch das wird mit mehr Turniererfahrung immer besser. Über den Winter sollen nun noch die Galoppwechsel trainiert werden, dann steht für die kommende Turniersaison einem Start in seiner ersten M-Dressur nichts mehr im Wege.
Blutssmäßig stammt Sorrento von einem „typischen“ Schaupferde-Vater ab: BS Specific war nicht nur selbst Europa-Champion, auch seine Mutter, die rein spanische gezogene Basara Saiyana, war Junioren Welt-Championesse. Haifi Dinjah ist ägyptisch / Marbach gezogen, und geht über die Mutterlinie auf das rumänische Gestüt Mangalia zurück.

Springen mit Manier

Das Springtalent Al Ashar (Ashur / Aswana V) ist einer der wenigen, die sowohl in Dressur, als auch (vor allem) im Springen unterwegs waren – allerdings im letzten Jahr deutlich weniger als die Jahre zuvor, was seinen achten Platz erklärt. Nach der Lebensgewinnsumme würde er auf Rang drei liegen. Der gekörte und leistungsgeprüfte Hengst steht auch der Reitponyzucht zur Verfügung und ist einer der wenigen aktiven Vollblutaraber-Deckhengste im Sport, und kann im Springen unter seiner Reiterin Anne Werner auf Platzierungen in Kl. L zurückblicken. Das beste aber an ihm ist seine Springmanier – um einen Araber mit einer so vorbildlichen Springmanier zu sehen, muß man weit gehen! Al Ashar geht väterlicherseits auf die Stute LM Sadunga zurück, die vielfache Schau-Champions gebracht hat. Insgesamt betrachtet ist sein Pedigree eine Mischung aus ägyptisch, spanisch, Marbach, polnisch.
Auf Dressurprüfungen der Kl. A sammelte Sharik Ibn Sheik Mandu (Sheik Mandu / Safrah) mit seiner Reiterin Karin Trice seine Punkte, was ihm den neunten Rang in der Top Ten einbrachte. Bereits sein Vater Sheik Mandu war im Sport unterwegs, allerdings eher im Gelände als im Dressurviereck. Interessant auch, dass Sheik Mandu der einzige Hengst ist, der zwei Nachkommen unterschiedlicher Rassen in den Top Tens hat, denn auch sein Anglo-Araber-Sohn Shandor hat sich innerhalb seiner Rassegruppe behaupten können. Gezogen ist der Hengst ägyptisch-polnisch.
Der letzte im Bunde, der es in die Top Ten geschafft hat, ist Gorbas Gagarin (Davidoff / Wenkum Gorba) unter Sophie Stephan. Im letzten Jahr stand nur ein Start in Aachen auf dem Turnierprogramm, der mit einem siebten Platz in der Dressur Kl. M* endete. Die Jahre zuvor war das Paar weit häufiger unterwegs und kommt daher in der Lebensgewinnsumme auf Rang vier. Der Hengst stammt überwiegend aus russischen Linien, mit etwas polnischem Blut und hat das Springtalent Davidoff zum Vater, das Dressurtalent (bis Kl. S) Gomel als Großvater im Pedigree.

Zehn aus 31

Diese Top Ten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2014 nur 31 Vollblutaraber in Deutschland zumindest so erfolgreich im Turniersport gegangen sind, dass sie ins Preisgeld gekommen sind. Sicher ist es für einen Vollblutaraber nicht einfach, sich in einem „gemischten“ und von Warmblutpferden dominierten Feld zu behaupten, aber die Ursachen liegen tiefer, und sind auch darin zu suchen, dass es an geeigneten Reitern mangelt, die mit entsprechendem Können auch einen Vollblutaraber zu reiten bereit sind. Sofern sie genügend Einfühlungsvermögen haben, sind sie nämlich in der Regel durchaus von dieser Rasse angetan.

Die Shagya-Araber

Kommen wir zur zweiten Gruppe: die Shagya-Araber. Hier siegte nach Ranglistenpunkten sowie nach Jahresgewinnsumme die bildschöne Roxana (Occident / Rahwina) unter Ina-Charlotte Weber. Sie ist vor allem im Springparcours unterwegs und siegte in Aachen beim ANC Turnier im Zeitspringen Kl. L und errang zwei weitere dritte Plätze in Springprüfungen der Kl. A* und L. Die Stute geht über ihren Urgroßvater Pamino auf Bajar zurück, der als Springpferdevererber bekannt ist und von dem rund 170 Nachkommen im Sport eingesetzt werden, die zusammen die stolze Summe von 228.000 € an Preisgeldern gewannen. Mütterlicherseits geht Roxana auf Pferde aus den Staatsgestüten Mangalia, Topolcianky und Babolna zurück.

TOP TEN Shagya-Araber

Während Roxana eine Ur-Ur-Enkelin von Bajar ist, ist der zweitplazierte Banderas (Puschkin R / Bagiera) ein Ur-Enkel. Aber auch Banderas hat ganz klar das „Spring-Gen“ geerbt und war 2014 vor allem in Springprüfungen und Vielseitigkeiten der Kl. A unter seinem Reiter Jonathan Marquardt unterwegs, der mit diesem Hengst auch hessischer Vize-Meister in der Vielseitigkeit wurde. Betrachtet man die Lebensgewinnsumme, so führt Banderas die Liste der Shagya-Araber an.
Vom gleichen Vater, aus dem gleichen Stall, nämlich dem Gestüt Rhön der Familie Wehner, und unter dem gleichen Reiter schaffte es Diamant (Puschkin R / Diema II) auf Platz 3 der Top Ten. Der zwei Jahre jüngere Diamant kommt in der Jahresleistung schon fast an seinen Halbbruder heran, in der Lebensgewinnsumme steht er naturgemäß noch etwas zurück. Auch er war vor allem in Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen der Kl. A unterwegs, in Salzkotten wagten beide einen Ausflug in die Kl. L und belegten den zweiten (Diamant) und dritten Platz (Banderas). Die beiden Hengste sind eine der wenigen aktiven Deckhengste, die auch aktiv im Turniersport gehen.
Und noch ein Springpferd: Baricello (Shagan / Bushra) nahm unter seiner Reiterin Annika Henke an Springen der Kl. A* teil, und konnte drei Siege verbuchen, was genug Punkte auf’s Konto spülte, um den vierten Rang zu belegen. Vier Nachkommen von Shagan werden in Deutschland im Sport eingesetzt, der weit größere Teil seiner Nachkommen steht in Ungarn, wo er lange Jahre gedeckt hatte.
Auch der Wallach Saladin (Pamour ox / Santana II) war 2014 unter seinen Reiterinnen Mareike Placke und Jule Schwidop im Springparcours bis Kl. L unterwegs. Er stammt vom Vollblutaraber Pamour ox aus Janow Podlaski, der Muttervater ist Gadar, der wiederum den Vollblutaraber Diem zum Vater hat und als hervorragendes Springpferd bekannt ist.
Die restlichen Platzierungen in der TOP TEN können der obenstehenden Tabelle entnommen werden.

Die Anglo-Araber

Die Liste der Anglo-Araber führt wie die Jahre zuvor Bonaparte N AA (Benedict N AA/ Marina AA) an, doch wird sich dies in Zukunft ändern, denn der 1996 bei Christian Thoroe geborene Hengst wurde Anfangs des Jahres in Verden vom Sport verabschiedet. Mit über 20.000 € hat er die höchste Lebensgewinnsumme der „deutschen“ Anglo-Araber, noch 2014 gewann er – 18jährig – ein M**-Springen. Züchterisch gab er seinen Nachkommen seine enorme Härte mit, die er selbst im schwesten Parcours der Welt, dem Hamburger Springderby, bewies. Den Züchtern steht er weiterhin zur Verfügung, auf Deckstation im Landgestüt Celle.
In Hinblick auf die nachfolgenden Pferde muß leider aus Platzgründen auf die untenstehende Tabelle verwiesen werden.

TOP TEN Anglo-Araber

Gudrun Waiditschka

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