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Jun 24 2015

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Miteinander zum Sieg

Österreichische Meisterschaften der Sport-Araber

Die großzügige Anlage des WTC Schulz und das „Kaiserwetter“ boten ideale Rahmenbedingungen für das internationale Turnier, das eine gute Vorbereitung für die Europa-Meisterschaften in Janow Podlaski darstellt, weil nahezu das gleiche Prüfungsspektrum angeboten wird, auf etwas niedrigerem Niveau. Und wo sonst kann man „Mounted Native Costume“, „Ladies Sidesaddle“ oder „Classic Pleasure“ reiten?

TEILNEHMER AUS FÜNF NATIONEN

Dass diese Veranstaltung eine ideale Vorbereitung für das Europa-Championat ist, haben offensichtlich auch die Teilnehmer aus dem Ausland erkannt, denn die Reiter kamen aus Deutschland, Polen, Dänemark und den Vereinigten Arabischen Emirate. Den Europäern hat dabei sicherlich auch das in Aussicht gestellte Preisgeld von insgesamt 30.000 € geholfen, das doch zumindest hilft, einen Teil der Reisekosten abzudecken.
Das Niveau der führenden Pferde in den vorderen Rängen ist enorm angestiegen, besonders die Gäste aus UAE haben sehr gute Leistungen gezeigt. Hervorzuheben ist Tove Roye mit ihrem Schimmelhengst Padrons Must, die aus Dänemark angereist waren. Dieses Paar war in allen Dressurwettbewerben und in der Classic Pleasure uneingeschränkt führend: 4 x Gold! Kaja Dembinska mit ihrem Echo Apollo, die aus Polen angereist war, hat sich auch sehr gut weiter entwickelt und wird bei der EM in Polen dieses Jahr eine starke Gegnerin sein: Gold im All-Round Classic war ihr nicht zu nehmen. Unschlagbar war auch Line Moen mit ihrem Al Miljas W´rsan in der Traditional Arabian Riding (die zur Niederösterr. Landesmeisterschaft zählte); sie zeigte einen sehr guten Ritt und hatte ein phantastisches Kostüm. Ihr Stallkollege Noah Vera Rabal mit Muteeaa W´rsan holte sich Gold in derselben Disziplin in der Österr. Meisterschaft.

Die Österreicher haben mit dem altersbedingten Wegfall von einigen älteren, sehr gut ausgebildeten und hochdekorierten Pferde zu kämpfen, umso erfreulicher daher der Zuwachs, speziell in der Reining durch einige gute, junge Pferde. Hier ist insbesondere Reinhard Hochreiter mit GFH Sonar SeGanges zu nennen, der in der ÖM Gold in der Reining holte. Auch die anderen Leistungen in den Western Wettbewerben konnten sich sowohl in der Zahl der Starter als auch in den Scores sehen lassen. Unumstrittener All-Round Champion wurde Sabrina Pauli aus Deutschland mit ihrer WAS Zahims Zarina. Sonja Dries aus Österreich mit ihrem bewährten Pajan haben sich sehr souverän den Titel „Österreichischer Meister“ und die Goldmedaille im Trail geholt. Aber auch bei den jungen Reitern tut sich was: die jugendliche Reiterin Isabel Bartlechner mit ihrem Najim errang einen sehr beachtlichen 2. Platz und damit Silbermedaille in der ÖM in Ladies Side Saddle. Mit der Bronzemedaille in Western Pleasure ist die jüngste Teilnehmerin Camilla Haberl mit Malika nach Hause gefahren.
„Wir müssen in Zukunft noch mehr Reiter dazu bringen, mit ihren Vollblutarabern in den Turniersport einzusteigen und hier teilzunehmen“, meint Petra Dries vom Gut Fronleitenhof, die seit Jahren die Veranstaltung mit der aktiven Teilnahme ihrer Pferde unterstützt und deren Team dieses Jahr insgesamt zwei Gold-, drei Silber- und vier Bronze-Medaillen gewann. „Ich habe es zum Beispiel als sehr positiv empfunden“, erklärt Petra Dries, „dass hier Western- und Classic-Reiter zusammen in der Abreitehalle sind und durch den Zeitplan kann auch jeder dem „anderen“ zuschauen, applaudieren und jubeln. Und dies wurde auch getan! Überhaupt ist mein Eindruck, dass die VA-Reiter auf diesem Turnier die Möglichkeit hatten, ’näher zusammenzurücken‘, egal welche Disziplin sie reiten. Mir ging es auch so, noch nie habe ich so viele Dressurprüfungen angesehen und erklärt bekommen.“

Tabelle S. 50

MITEINANDER STATT MISSGUNST

Das „Miteinander“ und die entspannte und freundliche Atmosphäre gepaart mit Hilfsbereitschaft ist auch Deirdre Hyde aufgefallen, die die Pferde aus dem Gestüt W’rsan aus den UAE begleitet hat, welche einmal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze gewannen: „Es war dies unser zweites Mal, dass wir die Reise nach Österreich unternommen haben. Wir hatten vorher keine Idee, ob wir hier mithalten können, aber unsere Ergebnisse waren zufriedenstellend, und so kamen wir wieder. Es wurde auch durch die Hilfsbereitschaft von Elisabeth Chat und den WTC-Mitarbeitern sehr erleichtert, und wir fühlten uns sehr gut aufgenommen. Überhaupt ist es die Freundlichkeit und der Spaß, den die Teilnehmer haben – unabhängig von der Ernsthaftigkeit der Wettbewerbe –, was diese Veranstaltung von anderen Araberveranstaltungen abhebt. Ich kann es nicht genug betonen, wie wichtig dies ist, daher sollten Sportklassen überall gefördert werden, um die Vielseitigkeit des Arabers zu demonstrieren und den Spaß, den man haben kann, wenn man sich bei einem solchen Anlaß mit Leuten trifft, die das gleiche Interesse haben.“
Auch Sabrina Pauli, die zweimal Gold und einmal Silber gewann, fühlte sich unter all den Gleichgesinnten gut aufgehoben: „Also ich war jetzt das zweite mal dabei und wie auch letztes Jahr fand ich es super. Es waren wieder viele nette Menschen dabei. Die Konkurrenz war groß, denn es waren wahnsinnig gute Pferde und Reiter da. Die Richter haben zwar streng aber bei allen sehr fair gerichtet und alles in allem war es fast perfekt organisiert. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Jahr.“
Was die Richter anbelangt, so war dieses Jahr zusätzlich ein Richterkurs der ECAHO vor Ort, um das Richten von Pleasure-Klassen zu erlernen. „Ich hoffe“, meint Petra Dries, „dass diese Richter Botschafter für den gerittenen Vollblutaraber werden. Die Kurs-Teilnehmer waren nämlich sichtlich beeindruckt, so viele gut gerittene Vollblutaraber zu sehen und sind sicher motiviert, den Araber-Sport auch bei den Haltershows zu verankern. Zur Zeit ist es zwar nur Pleasure, aber das ist zumindest ein Anfang“.
Und noch eine hübsche Anekdote zum Schluß, die zeigt, dass man mit ‚Miteinander‘ weiter kommt, als mit Missgunst und ‚Gegeneinander‘: Der Wettbewerb ‚Type & Conformation’ ist obligatorisch, um an der Allround-Wertung teilzunehmen. Dazu mussten die Teilnehmer im Laufe des Sonntag-Vormittags ihre Pferde nacheinander beim Richter vorführen. Aber nicht jeder Reiter hatte ein schönes Showhalfter dabei. Und so wechselte ein- und dasselbe Showhalfter von einem Pferd zum anderen. Wahrscheinlich dachte der Richter, dass dieses Halfter in Österreich gerade in Mode ist, oder zum Diskountpreis zu erhalten war!
E. Chat / G. Waiditschka

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