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Jun 25 2015

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Tänzer im Viereck – Exquisite’s Fantasy

Er geht Dressur bis Intermédiaire I, er hat sich zahlreiche Fans durch seinen Sieg in Aachen erobert und nun hat er in Wels die WAHO-Trophy 2014 erhalten: Exquisite’s Fantasy! Wir fragten seine Züchterin und Besitzerin Susanne Hofbauer-Werth, wie alles kam.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Susanne, Du hast Exquisite’s Fantasy selbst gezüchtet, wann hast Du bemerkt, dass er etwas „Besonderes“ ist, wann wurde seine Eignung für den Reitsport erkennbar?
Susanne Hofbauer-Werth: Also eigentlich hatte ich ihn ja für mich gezüchtet. Um mit ihm ein bisschen auf die Schau zu gehen, und natürlich auch zum Reiten – im Alter. Als ich seinen Vater Gasir bei einer Hengstpräsentation mit großem Feuerwerk, komplett gelassen und gelangweilt zwischen den anderen herumspringenden Hengsten sah, dachte ich mir „na der ist genau der Richtige für meine ‚lustige‘ Exquisite Shatana: Selbstsicher, gelassen, stabiler Körper, korrekte Beine und ein riesiges, ruhendes Auge. Als Jan Calis seinen Gasir auch noch einem Freund während des Feuerwerks zum halten gab, mit den Worten, der ist superbrav, war mir klar, der wird es.
Als Fantasy vier Jahre alt wurde, war ich schon 46 und wollte ihn daher nicht mehr selber anreiten. Andreas Stöger, ein Bereiter, den ich gut kannte und der vorher schon viele Vollblutaraber geritten hatte, begann mit Fantasy zu arbeiten. Einfach Schritt, Trab, Galopp und lässig vorwärts. Dann irgendwann während der Arbeit sagte Andi plötzlich: „Du, der ist aber ein extrem geniales Teil“.
Leider verließ uns dieser Reiter Richtung Deutschland und ich war wieder auf der Suche. Die Suche gestaltete sich jedoch als durchaus schwierig und langwierig… Bis eines Tages eine Freundin zu mir kam und sagte: „Du, der Reiter von Padrons Khen Saabi, der Dir in Stadl Paura so gut gefallen hat, ist jetzt in Niederösterreich bei uns im Stall!“
Ich konnte mich gut an den wirklich gut sitzenden Reiter erinnern, und so fragte ich ihn. Aber es dauerte dann ein bisschen, brauchte auch Überredungskunst, und es vergingen einige Monate bis er sich Fantasy endlich anschaute. Das war 2009, der Hengst war 7jährig. Seit der Zeit ist Stefan Hirnböck Exquisite´s Fantasy´s einziger Reiter.

Exquisites Fantasy mit Stefan Hirnböck an der Messe Wels.

Exquisites Fantasy mit Stefan Hirnböck an der Messe Wels.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Welche Faktoren müssen zusammentreffen, dass Talent erkannt und gefördert werden kann?
Susanne Hofbauer-Werth: Ein freundliches und zur Mitarbeit bereites Pferd, begabt, klar im Kopf, den besten Reiter den man finden kann und ausreichend Zeit und Geduld. Und: Vertrauen ist das Stichwort. Das gilt für alle im Team.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Woher nimmst Du die Motivation, so viel Arbeit und Geld in die Ausbildung und reiterliche Vorstellung von Fantasy zu investieren?
Susanne Hofbauer-Werth: Haha, ja das liegt schon eine Weile zurück. Ich fing mit sechs Jahren zu reiten an und ich war, glaub ich, dreizehn da hatte ich mir fest vorgenommen einmal Dressur in der Olympiade zu reiten.
Dieser Traum war mit 17 schnell ausgeträumt, meine Mutter fürchtete sich vor Pferden und meinte immer, „das sei ja nur ein Sport für die oberen 10.000“. Ich begriff sehr schnell, dass es ohne Unterstützung niemals klappen würde. So ritt ich halt „normal“ und versuchte immer herausragende Reiter als Lehrer zu bekommen. Wenn ich sie mir nicht oder nur sehr selten leisten konnte, sah ich einfach stundenlang zu. Alfred Knopfhart war einer von ihnen. Mein spürbar ernsthaftes Interesse öffnete mir jedoch oft Türen. Auch heute noch.
Also die Motivation ist ungebrochen vorhanden, ich erfülle mir einfach einen Traum, den ich in der Jugend nicht erfüllt bekam. Geht es nicht vielen anderen auch so? Meinem Mann geht es genauso in seinem Sport. Er investierte in einen jungen Mann der letztendlich Superbike Weltmeisterschaften fuhr….und er war auf den Rennstrecken rund um die Welt immer dabei….
Es ist unheimlich spannend wie sich ein harmonierendes Pferd-Reiter-Paar entwickeln kann. Den beiden bei der Arbeit zusehen zu können und zu dürfen ist und war für mich immer „großes Kino“. Ausserdem werden Pferde durch die Dressur viel ausdrucksvoller und schöner, das habe ich immer schon so empfunden.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Woran hapert es im VA-Sport am meisten? Gibt es einen Mangel an talentierten Pferden oder eher an talentierten Reitern, die auch bereit sind Araber zu reiten?

Susanne Hofbauer-Werth: Bei den Züchtern hapert es am Willen, Pferde auch reiterlich zu testen und ausbilden zu lassen. Für mich persönlich ist das aber langfristig für den Fortbestand unserer Zucht unbedingt erforderlich.
Die andere Seite ist: jungen Reitern wird nicht erklärt, wie wichtig Grundausbildung ist und wie genial sich ein wirklich gut gerittenes Pferd anfühlt. Auf der Vorhand im Gelände herumzutuckern ist nicht gerade pferdegerecht. Aber wer sagt es ihnen und wer nimmt sich auch die Zeit und erklärt es gut?
Über den Mangel an talentierten Pferden kann man nicht einmal nachdenken, weil wir es einfach nicht wissen. Über eine Population, bei der gerade mal vielleicht 10-20 % geritten werden, wenn überhaupt, kann man keine aussagekräftige Behauptung aufstellen. Ich glaube es gibt genug talentierte Reiter und es gibt sicher auch welche, die für die vielen anderen Sonderrassen auch ein Händchen haben. Die gilt es zu finden und für den Vollblutaraber zu gewinnen. Das ist in erster Linie auch eine Aufgabe der Züchter. Dann könnten sie auch die Käufer ihrer Pferde mit diesem Reiter weiterbetreuen. So etwas spricht sich sicher herum. Ich glaube sowieso, es geht um Wertschöpfung für alle. Miteinander. Und: Ja, es kostet etwas, aber das gilt für alle Seiten, und: ja, Züchten war noch nie langfristig mit Gewinnen verbunden. Auch früher nicht.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Welche Charaktereigenschaften schätzt Du an Deinem Hengst am meisten?
Susanne Hofbauer-Werth: Seine innere Ruhe und Stabilität. Das spiegelt sich auch in seinem ruhenden Auge.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Was waren (für Dich) die größten Erfolge dieses Paares, Exquisite’s Fantasy und Stefan Hirnböck?
Susanne Hofbauer-Werth: Eigentlich das Jahr 2014 im Ganzen, voll von Highlights, allem voran der Sieg in Aachen. Dann die beiden Körungen. Und gestrahlt habe ich, und Stefan natürlich auch, bei über 65% in der Intermediare I im „Horsebox Austria Cup“ im Oktober unter den Warmblüter. Der verhältnismäßig kleine (1,60m) Vollblutaraberhengst mit einem so großen Herz unter der wirklich großen Konkurrenz.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Werden wir die beiden in Janow Podlaski bei den Europameisterschaften der Sport-Araber sehen….???
Susanne Hofbauer-Werth: Ich denke nicht, aber letztlich entscheidet Stefan.

Arabische Pferde IN THE FOCUS: Besten Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Glück und Erfolg für die beiden!
(Die Fragen stellte Gudrun Waiditschka)

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