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Jul 16 2017

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Über die Regenbogenbrücke – Shagan

Geboren 1988 bei der Züchterfamilie Meusert, trat Shagan in die großen Hufspuren seines Vaters Shagal und der bezaubernden Shydra. Nach einem langen ereignisreichen Leben im Besitz von Dr. Walter Huber, der ihn ausgiebig als Reitpferd nutzte, konnte er am 29. April diesen Jahres nicht mehr aufstehen – der Tierarzt hat ihn sanft einschlafen lassen. Shagan hat das biblische Alter von 29 Jahren erreicht.
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Bereits im Alter von nur zweieinhalb Jahren wurde er 1990 vom VZAP in Aachen gekört; vier Jahre später auch vom ZSAA anerkannt. „Dazwischen“ absolvierte er seine HLP in Warendorf, damals noch ein 100-Tage-Test, mit einer Endnote von 86,45 Punkte und einem deutlichen Talent für die Dressur (Teilnote 94,96 Punkte).
In der Zucht wurde er in den Folgejahren häufig und erfolgreich eingesetzt. Von den über 50 Nachkommen, die – Gefriersamen sei Dank – in den verschiedensten Ländern dieser Erde geboren wurden, von Irland, Venezuela und Kolumbien, über Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Österreich und Deutschland, tragen zumindest in Deutschland ein gekörter Sohn und fünf eingetragene Zuchtstuten sein genetisches Erbe weiter. Allein bei seinem Zuchteinsatz im ungarischen Bábolna hinterließ er 24 Fohlen, als er zu Pacht im bulgarischen Kabiuk stand, waren es dort 10 Fohlen.
Mit dem in Deutschland stehenden Salasar S (Shagan / Sahbel v. Bajar), und dem in Österreich wirkenden Hengst Sahman hat er würdige Nachfolger. In Ungarn stehen drei gekörte Söhne: 3731 Shagya-Bagoly (a.d. 1211 Farag II-2) *1996, 3732 Shagya-Bónusz (a.d. 942 Ibn Galal Borostyán) *1996 und Shagya IV-1 (a.d. 189 Gazal XII) *1996. Shagya-Bónusz ging 2001 nach Topolcianky, wo er als 10 Shagya XXVII wirkte. Er hinterlies in Tschechien und Topolcianky insgesamt 14 Nachkommen. Auch auf seinem „Altersruhesitz“ in Brandenburg bei Familie Orgis hat Shagan noch zahlreiche und gute Nachzucht hinterlassen.
Gudrun Waiditschka


Mein Freund, der Hengst, ist tot

1998 holte ich Shagan zu mir in den Stall. Sein Züchter, Gottfried Meuser, ein passionierter Pferdemann, hatte mir den Hengst überlassen, da er selbst nicht mehr gesund genug war, um ihn zu händeln.
Die Zeit mit Shagan war immer spannend, aber ein Ereignis hat unser Verhältnis besonders geprägt: Seine besondere Stärke war seine Ausdauer, daher trainierten wir abends seine Kondition für Distanzritte bis in die Dunkelheit, weil der Tag dem Beruf gehörte. Ich hatte mir eine lange Strecke ausgesucht, zur Schonung der Beine ritt ich am Wegesrand. Ein Landwirt, der uns nicht wohl gesonnen war, spannte Stacheldraht in ca. 50 cm Höhe. Wir gerieten da hinein. Stacheldraht und Holzpflöcke schlugen dem Hengst um die Beine, er geriet in Panik und bockte los. Ich fiel bald herunter. Shagan lief nicht davon, sondern drehte ca. 100 m weiter mit flatternden Bügeln seine Runden. Er suchte mich offensichtlich. Als ich ihn rief, kam er angaloppiert. Ein Spaziergänger half mir auf das Pferd, und wir trotteten im Schritt nachhause. Shagan hatte zum Glück nur viele oberflächliche Schürfwunden, aber es war klar, dass er in den folgenden Wochen diesen Feldweg nicht mehr betreten wollte. Ganz ungeschoren bin ich auch nicht davon gekommen, ich hatte eine kleine Fraktur vorne am Becken. Mir war klar, dass ich diesen Hengst niemals verkaufen würde.
2011 fing Shagan an, zu lahmen. Ich verschaffte mir Gewissheit durch Röntgen-Aufnahmen. Er hatte an allen vier Beinen Arthrose. Deshalb zog er nach Brandenburg, in das Gestüt „Eichenhof“ der Familie Orgis um. Dort hat ihn der „märkische Sand“ geheilt. Er hatte einen großen Paddock, in dem er immer unterwegs war. Es zeigte sich, dass nicht der Röntgen-Befund die Krankheit ist, sondern der sogenannte klinische Befund. Die Lahmheit war nach drei Monaten verschwunden. Ich besuchte ihn, wann immer ich konnte, und wir machten herrliche und lange Ausritte ohne Einschränkungen. Höchstens die Luft wurde dem alten Herrn etwas knapp, aber dann konnte er ja aufhören.
Ich habe einen langen und treuen Weggefährten verloren. Er ist viele Springen gegangen, unzählige Jagden und er hat sich auf der Distanz-Strecke bewährt. Jeder Ausritt war Abenteuer und Erlebnis zugleich. Grandios war es, in Bulgarien die Weiten zu durchstreifen. Dressur akzeptierte er nur als gymnastische Übung.
„Ich danke dir, mein Freund, für diese wunderbare Zeit“.
Dr. Walter Huber

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