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Okt 10 2015

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… da waren’s nur noch vier!

ZSAA – Hengstleistungprüfung in Marbach

Sieben Hengste sollten ursprünglich zur Hengstleistungsprüfung des ZSAA in Marbach antreten, einer fiel schon im Vorfeld aus, einer verletzte sich auf dem Transport und einer während der Prüfung – da waren’s nur noch vier. Von diesen aber war der Kleinste letztendlich der Größte: HAB Grand Couleur zeigte allen, was in ihm steckt.

HAB Grand Couleur - IMG_8535 (c) Waiditschka-600px
Die Hengstleistungsprüfung des ZSAA ist nicht von Pappe, umfasst sie doch einen Freispringtest, eine Dressurprüfung (Kl. A, R2), einen Rittigkeitstest (unter zwei Fremdreitern), einen Springtest im Standardparcours, eine Geländeprüfung der Kl. A, einen Konditionstest (Distanzritt über 39 km) und einen Wesenstest – das alles in drei Tagen. Für einen jungen Hengst von vier Jahren ein happiges Programm, weshalb es dem Besitzer frei steht, seinen Hengst älter vorzustellen, ohne Altersabzug.
Strahlender Sieger dieser Prüfung – da waren sich alle einig – war der Jüngste und Kleinste des Prüfungslots, HAB Grand Couleur (Klepholms Ikarios / Gondy), ein Arabisch Partbred-Hengst in Cremello-Jacke im Besitz von Nicole Gatermann. Seine Teilnahme stand ursprünglich unter keinem guten Stern, denn seine Reiterin fiel kurzfristig aus. Eingesprungen ist dafür kurzerhand Ines Kupfer vom Haupt- und Landgestüt Marbach, die ihre Sache ausgezeichnet machte. Der nur 1,55 m große HAB Grand Couleur zeigte, dass er nicht nur ein Schönling ist – schließlich verließ er erst jüngst die ZSAA-Körung in Alsfeld mit dem Prädikat „Prämienhengst“ – sondern dass er auch eine Menge leisten kann: In sechs von 12 Teilprüfungen erhielt er die beste Note des Prüfungslots und schloß die Prüfung mit der Gesamtnote 7,78 ab. Der Hinweis, der Körkommission, dass der Hengst im Springen – wofür er damals lediglich eine 6 erhielt – seinen Fähigkeiten nicht gerecht wurde, da er zwar Talent zeigte, aber wohl zu wenig Vertrauen hatte, bestätigte sich in der HLP, denn hier lagen nun gerade im Springen seine Stärken und das Freispringen wurde nun mit einer 8,00 wesentlich höher bewertet!

Vergleich der Gewichtungen der einzelnen Prüfungsteile innerhalb der Hengstleistungsprüfungen des ZSAA und VZAP

Vergleich der Gewichtungen der einzelnen Prüfungsteile innerhalb der Hengstleistungsprüfungen des ZSAA und VZAP

Einzelnoten der Hengste der HLP des ZSAA in Marbach

Einzelnoten der Hengste der HLP des ZSAA in Marbach


Ein ganz anderer Typus Pferd stellt der bereits 8jährige Schimmelhengst BB King (Best Before Midnight / Bella Marjell) dar, ein Arabisch Partbred Richtung Deutsches Reitpferd aus dem Besitz von Dr. Reiner Strojek-Baunack. Der 1,69 m große und rahmige Hengst schloß die Prüfung mit einer Gesamtnote von 7,63 ab. Er glänzte vor allem durch seine Rittigkeit und hohe Interieursnoten. Seine Leistungsbereitschaft hat er nicht nur hier auf der HLP bewiesen, er war auch bereits auf Spring- und Geländeprüfungen bis Kl. L unterwegs, was sich natürlich in einer größeren Routine in diesen Teildisziplinen niederschlug.
Diese beiden Hengste setzten sich mit deutlichem Abstand vor den 5jährigen Anglo-Araber MK Crystal (Nadeshnij ox / Corinessa xx) aus der Zucht und im Besitz von Michaela Kosel. Der im letzten Jahr beim VZAP gekörte Hengst ist stark von seinem Vater, dem russisch gezogenen Vollblutaraberhengst Nadeshnij geprägt. Seine Stärken lagen im eindeutig Gelände, wo er sich sicher am Sprung zeigte. Ihm dicht auf den Fersen lag der 8jährige Arabisch Partbred / Dt. Reitpferde-Hengst High Spirit (Pampero / Helia) aus der Zucht von Stephanie Herken-Wendt, der bereits 2011 beim ZSAA gekört wurde. Die „Araber-Komponente“ kommt hauptsächlich über seinen Vater Pamplero, der hier in Marbach 2002 Siegerhengst des 70-Tage-Tests war und vom Anglo-Araber Panchero II abstammt. High Spirit’s Mutter Helia ist eine Trakehnerstute und auch Mutter von High Light, der aufgrund einer Transportverletzung hier nicht antreten konnte, aber dennoch seinen Wesenstest absolviert hat. High Spirit zeigte sich sehr ausgeglichen in allen Prüfungsbereichen, jedoch auch ohne Höhepunkte.
Der Wesenstest ist Bestandteil des Prüfungsteils Interieur und wird in der Halle durchgeführt. Er führt die Pferde zu drei Stationen mit einem visuellen beweglichen Objekt (sich bewegendes Plastikband), einem visuell statischen Objekt (am Boden stehende Regenschirme) und einem akustischen Objekt (Raschelbüchse). Alle vier Hengste bestanden diese Prüfung mit großer Gelassenheit, aufmerksam aber ohne von der Seite des Führers zu weichen.
Ein weiterer Bestandteile der Prüfung ist nicht in der Noten-Tabelle aufgeführt, weil es hierbei nur das Urteil „bestanden“ oder „nicht bestanden“ gibt: Es ist dies der Konditionstest, der eine Aussage über Härte, Ausdauer und Regenerationsfähigkeit machen soll.
Beim Konditionstest handelt es sich um einen Distanzritt über 39 km, der in einer maximalen Reitzeit von 195 min. (entspricht Tempo 5 = 12 km/h) absolviert werden muß. Wer innerhalb dieser Zeit liegt und nicht vom Tierarzt aufgrund von zu hohen Pulswerten oder wegen Lahmheit eliminiert wurde, hat den Test bestanden; dieser Prüfungsteil, der am dritten Tag stattfand, war für keinen der vier Hengste ein Problem – im Gegenteil, man hatte den Eindruck, dass sowohl Ross als auch Reiter große Freude daran hatten.
Gudrun Waiditschka

BB King - IMG_8787 (c) Waiditschka-600px

MK Crystal - IMG_8621-600px

High Spirit - IMG_1250 (c) Seitz-600px

HLP des VZAP in Hünfeld

Einzelnoten des Hengstes Al Jamilah an der HLP des VZAP

Einzelnoten des Hengstes El Jamilah an der HLP des VZAP

Auch die HLP des VZAP, die am ersten August-Wochenende in Hünfeld stattfand, litt unter Teilnehmerschwund: von vier gemeldeten Hengsten blieb letztendlich nur der Shagya-Araber Al Jamilah (Banderas / Amee) übrig. Dieser aber machte seine Sache richtig gut!
„Ich hätte Jamie gern im Vergleich zu anderen Hengsten im Wettbewerb gesehen“, erklärt Besitzerin Daniela Kübbeler. „Aber wir sind sehr stolz auf die sehr gute Wertnote, die sicherlich auch der ausgezeichneten Vorbereitung zu verdanken ist durch Fam. Wehner vom Arabergestüt Rhön und seinem Trainer und Reiter Jonathan Marquardt. Wenn man bedenkt, dass Jamie erst 5 Jahre alt ist, und erst seit 10 Monaten unter dem Sattel ist, dann ist das Ergebnis für uns fantastisch. Er wurde auf den Punkt genau vorbereitet.“
Die Prüfung wurde erstmals nach dem neuen Reglement durchgeführt, bestehend aus Überprüfung der Gundgangarten und der Rittigkeit, sowie der Springveranlagung im Freispringen und unter dem Reiter. Am zweiten Tag folgte dann eine Geländeprüfung der Klasse A.

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