[:de]Besser spät als gar nicht[:en]Better Late than Never[:]

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Vor annähernd 12 Jahren (!) habe ich den nachfolgenden Text für die Zeitschrift ARABER JOURNAL (No. 2/2006) geschrieben. Erschreckend, dass wir noch immer die gleichen Probleme haben!!

Viel zu lange wurde das Arabische Pferd in der Öffentlichkeit hauptsächlich als Schaupferd dargestellt. Mit der zurückgehenden Zahl von Teilnehmern an Schauen sind zwar einige Leute wach geworden – doch das Image des Arabischen Pferdes zu verändern kostet Geld!

Food for thought white-300pxHaben Sie sich auch schon einmal gewundert, warum Schauen zu einem so wichtigen Bestandteil in der Araberszene geworden sind, und eigentlich den Platz eingenommen haben, der in anderen Rassen von den verschiedenen Reitsportdisziplinen besetzt ist?

Die vier Gründe

1. Schauen haben ihren Ursprung in den Zuchtschauen, d.h. der Bewertung von Zuchttieren und daher sind die Züchter, d.h. die Mitglieder der Zuchtverbände, diejenigen, die an Schauen teilnehmen. Daraus ergibt sich ein enger Zusammenhang zwischen Züchtern, Zuchtverbänden und Schauen.
2. Man kann auf Schauen bereits mit einem Jährling starten, oder sogar mit einem Fohlen. Das bedeutet, man bekommt eine Beurteilung, ob das Produkt ein „Erfolg“ ist, bereits recht früh Zeitpunkt im Leben eines Pferdes, was für weitere Zuchtentscheidungen von Vorteil ist.
3. Ein Pferd auf Schauen zu schicken, benötigt – im Vergleich zum Sport – relativ wenig Vorbereitungszeit; auch eine seriöse Vorbereitung für eine größere internationale Schau braucht bestenfalls 3-4 Monate.
4. Schauen haben ein Eigenleben entwickelt. Sie haben ihre eigene Daseinsberechtigung erlangt, denn sie schaffen Spannung, Wettkampf, Erfolg und Beachtung, genau wie der Pferdesport.
Diese Entwicklung führte während der Hochzeit der Schauen in den 1980er und 90er Jahre nach oben, denn der Markt für Zucht- und Schaupferde war noch groß genug, und die alleinige Aufgabe eines Arabischen Pferdes lag darin, auf Schauen zu starten und in die Zucht zu gehen. Dann aber kam die Zeit als das Angebot größer als die Nachfrage war. Neue Märkte wären nötig gewesen, aber in der Zwischenzeit war der Freizeitreitermarkt und der Markt für Käufer eines vielseitigen Sportpferdes von anderen Rassen bereits eingenommen. Die Araberzuchtverbände hatten vielfach die Gelegenheit versäumt, das Arabische Pferd als ein vielseitiges Reitpferd für jedermann. Dieses, zusammen mit der Tatsache, dass Araberzüchter selten aktive Reiter sind, führte dazu, dass es zu einer Trennung von Züchtern als „Produzenten“, und Reitern als „Verbrauchern“ kam, bis hin, daß der eine nicht weiß, was der andere braucht.

Die Kluft

Selbst wenn das folgende Bild verallgemeinert ist, so beinhaltet es doch eine Portion Wahrheit: Für die meisten Züchter ist die Zucht Arabischer Pferde ein Hobby, ein teures Hobby, bei dem sie ihre Befriedigung darin finden, daß Pedigreestudiums und Auswahl des Zuchthengstes sich schließlich in einem Fohlen präsentieren, welches ihren Erwartungen entspricht. Sie freuen sich an der Geburt des kleinen Wesens, wie es seine ersten Schritte an der Seite seiner Mutter macht, und später auf der Weide herumtollt.
Reiter, auf der anderen Seite, freuen sich daran, für ihr Pferd zu sorgen, es zu reiten und es vielleicht an einem Wettkampf zu zeigen. Sie reiten gerne aus, sind gern in der Gesellschaft von Gleichgesinnten und freuen sich an der körperlichen Ertüchtigung, die der Sport bietet. Züchter empfinden es als zusätzliche finanzielle Bürde, ein junges Pferd reiterlich ausbilden zu lassen, während die Reiter – gewöhnlich junge Leute mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten – nicht bereit sind, den höheren Preis dafür zu bezahlen.
Die Verbindung zwischen den beiden Gruppen fehlt. In anderen Zuchten, wo der Erfolg im Reitsport von den Züchtern als Werbemöglichkeit für ihre Zucht genutzt wird, besteht diese Verbindung.
Versuche, diese beiden Gruppen – Schau und Sport, Züchter und Reiter – einander näher zu bringen, wurden unternommen. Es funktioniert auch in manchen Ländern, z.B. Großbritannien, wie die Kluft traditionell nicht so groß ist, aber es scheint in den meisten anderen Ländern nicht zu funktionieren: Geht man nach Aachen, sitzen Tausende von Zuschauern in der Halle und verfolgen die Schau, während nur eine Handvoll Freunde und Familienangehörige der Reiter sich die Sportklassen anschauen.

Das falsche Image

Selbst wenn wir nun verstehen, warum die Schauen das einzige „Markenzeichen“ des Arabischen Pferdes geworden sind, heißt das nicht, dass dies auch so bleiben muß. Rückläufige Zahlen bei den Teilnehmern an Schauen zeigen, daß etwas getan werden muß, damit das Arabische Pferd im Wettbewerb mit all den anderen Rassen überleben kann. Daher braucht es Ideen, wie man die Züchter dafür interessieren könnte, dass ihre Pferde im Sport gehen, und Reiter müssen dafür begeistert werden, an Rasseturnieren, die zu Aushängeschilder werden müssen, zu starten. Aber wie kann man das erreichen?
Einige Ideen, wie man den Züchtern helfen könnte sind: Preisgeld an Reitwettbewerben auszuschreiben, von dem ein Teil als Züchterprämie ausgezahlt wird. Sportresultate müssen in einer Datenbank gesammelt werden, damit die Züchter Informationen über spezielle Leistungslinien erhalten können, die besten Leistungspferde oder –vererber sollten gekennzeichnet werden.
Um den Reitern zu helfen, müssen die Rasseturniere attraktiv sein und so gut oder besser organisiert sein, wie rasseoffene (FN-)Turniere. Da ihre Verbreitung nie die der rasseoffenen Turniere erreichen kann, könnten Transportzuschüsse bezahlt werden, oder die Nenn- und Startgelder werden von den Zuchtverbänden bei erfolgreicher Teilnahme zurückerstattet. Aber das Problem mit all diesen Vorschlägen liegt auf der Hand: Geld.
Jede dieser Ideen, die das Arabische Pferd in einem anderen Licht darstellen könnte, kostet Geld, welches knapp ist. Jedoch sollte man bedenken, dass das Geld, welches in die Promotion und für die Öffentlichkeitsarbeit investiert wird, sich indirekt wieder auszahlt, wie man am Beispiel der Quarter Horses sieht: In vielen Ländern, wo der Westernreitsport eingeführt wird, ist dieser Markt schon bald ausschließlich von Quarter Horses gedeckt, und dies nicht nur, weil sie sich für den Sport besser eignen!
Daher müssen die Zuchtverbände und ihre Mitglieder erstens verstehen lernen, daß die Reiter ihnen helfen, ihre Pferde zu vermarkten. Selbst wenn diese Reiter nicht Mitglieder des Zuchtverbandes sind, sind doch die Pferde Produkte von Züchtern, d.h. von Verbandsmitgliedern. Zweitens, ist das Geld, das in den Sport geht, nicht rausgeschmissenes Geld, sondern sollte eigentlich unter „Werbe-Etat“ oder „Öffentlichkeitsarbeit“ laufen, denn die Reiter beweisen die Gebrauchsfähigkeit des Arabischen Pferdes und das ist es, worauf der Markt anspricht. Wie mit allem Geld, das in die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt wird, zahlt es sich nicht sofort aus, und auch nicht immer direkt für denjenigen, der es investiert. Wenn es jedoch in der richtigen Art und Weise gemacht wird, zahlt es sich auf lange Sicht aus. Das aber braucht Weitsicht. Hoffen wir, daß wir diese im Neuen Jahr haben.
Gudrun Waiditschka

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Almost 12 years ago (!), I have written the following article for the ARABER JOURNAL magazine (no. 2/2006). It is frightening, that we still have the very same problems!!

For too many years, the Arabian horse was mainly promoted as a show horse. But with declining numbers in shows some people woke up. However, changing the image of the Arabian horse is going to cost some money!

Food for thought white-300pxDo you occasionally wonder why shows have become such an important part of the Arabian horse scene, and actually took the space occupied in other horse breeds by the various sports disciplines? The reasons are complex, but let’s try to analyse them.

The Four Reasons

1. Shows have their origin in breed or stock shows, i.e. the evaluation of breeding animals, and as such, the breeders who are the members of the breed associations are the ones who exhibit at shows. For this reason, there is a firm link between breeders, breed associations, and shows. Breed associations do what their members ask them to do. If the breeders’ interests are in shows, they will promote the shows.
2. You can start showing with a yearling, or even with a foal, thus you get an assessment and an idea whether or not your product is a “success” quite early in the horse’s life, which is helpful for future breeding decisions.
3. Showing doesn’t require a lot of preparation (compared to sports); even if done seriously, a preparation time of 3 – 4 months is enough to train and condition a horse for a major international show.
4. Shows have developed a life of their own, they have achieved their own right to exist, as they create the same suspense, excitement, competition, success, recognition, etc, that others may find in a sports competition. And so, over the years shows have completely filled the space where sports classes prevail in other breeds.
This development has become a spiral, going up at first, during the heydays of the shows in the 1980ies and 90ies when there was a sufficiently big market for breeding horses and the sole purpose of the Arabian horse was to be shown and to breed on. Then the market of those who would buy a horse for breeding and showing purposes was saturated, but the production was still going on. New markets would have been needed, but in the meantime, the market for leisure time and versatile sports horses was occupied by other breeds, and the Arabian breed associations had missed the opportunity to establish the Arabian horse as a versatile riding horse for everybody. This, together with the fact that Arabian horse breeders were seldom active riders themselves, led to a separation of breeders as “producers” and riders as “users”, to the extent that the first ones do not know about the needs of the latter ones.

The Gap

Even if the following picture is generalised, it does bear some truth: For most breeders, breeding Arabian horses is a hobby, not a profession or source of income. It is an expensive hobby, where they enjoy the excitement whether the hours of studying pedigrees and selecting breeding stallions have finally paid off in producing a foal that comes up to their expectations. They find pleasure in experiencing a foal being born, doing its first steps, growing at the side of its mother and later playing in the fields.
Riders, on the other hand, enjoy grooming, riding and competing with their horse, they enjoy hacking out with them in nature, the company of others with the same interest and the physical exercise this sport provides.
Breeders find it an additional financial burden on their shoulders to have their young horses broken to saddle and trained, while riders, often young people without much money, are not prepared to pay that higher price.
The link between the two groups is missing. In other breeds, where success in riding competitions is used as a promotion tool by breeders, this link exists. Attempts have been made to bring the two together: Shows and sports, breeders and riders. It works in some countries, such as Great Britain, where, traditionally, the rift hasn’t been so deep, but it doesn’t work in most countries: If you go to Aachen, you’ll find thousands of spectators watching the show, but only a handful of grooms and family members of the riders to watch the sports classes.

The False Image

Even if we understand how it happened that shows have become the one and only “brand name” of the Arabian horse, it doesn’t mean that it should remain this way. Declining numbers in show entries demonstrate that something needs to be done for the Arabian horse to survive in direct competition with all the other breeds. Therefore, schemes are needed to get breeders interested in their horses competing in sports classes, and riders must become interested in participating in breed competitions. How to achieve this?
Some ideas to help the breeders are: To give price money for riding competitions of which a certain percentage is paid as breeders’ premium. To collect the sport results in a database, for the breeders to get an idea where certain performance bloodlines can be found and to indicate successful performance horses or sires/dams of performance horses.
In order to help the riders, the breed competitions need to be attractive and of comparative or better standard than the open competitions. As the frequency will never be as high as that of open competitions, transportation subsidies might be an additional idea, as is refunding entry fees by the breed association, if the competition has been successfully completed.
But the problem with all these ideas is easily to be pinned down: Money. Any of these promotional tools will cost money, which is rare these days. However, money which is spent in public relations and promotion seems to pay off, if you think about the successful promotion of Quarter Horses: In any country where Western Riding is being promoted, the market is soon almost completely occupied by Quarter Horses and this is not only because they are more suitable for the sport! Therefore, breed associations and their members need to understand that supporting the riders indirectly helps themselves to market their horses. Even if these riders are not a member of the breed associations, the horses are the products of the members. Secondly, any money that goes into the sport is not wasted, but should actually be labelled as “public relations” or “promotional” money, as the riders promote the usability of the Arabian Horse and that is what the general market is looking for. Like with all public relations, it does not pay off immediately, and not necessarily directly back to the point where it came from. However, if done the right way, it pays off on a long-term basis. But it takes farsightedness. Let’s hope for it for the New Year.
Gudrun Waiditschka

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