Editorial AP 3/2025 – Von nichts kommt nichts

Wenn wir so auf das zurückliegende Jahr 2025 blicken, so ist dieser Rückblick eher zwiegespalten. Das Nationale Championat fiel mangels Teilnehmer aus und der ANC hatte deutlich weniger Teilnehmer als im Vorjahr. Auch die beiden Hengstleistungsprüfungen (VZAP und ZSAA) sind ausgefallen und beim 30-Tage-Test in Stadl Paura waren nur zwei Arabische Partbreds am Start. Die beiden privat organisierten ECAHO-Schauen halten sich wacker, wenn auch auf niedrigem Niveau. Fast täglich lesen wir von Gestütsaufgaben, die zwar großenteils demographischer Natur sind, weil die Besitzer mittlerweile schon längst das Rentenalter erreicht haben, teils aber auch den gestiegenen Kosten geschuldet sind. Es werden weniger Pferde gezüchtet und damit finden auch weniger „Aktivitäten“ egal welcher Art statt. Ein Lichtblick war deshalb das VZAP-Zuchtchampionat, das sozusagen „aus dem Stand heraus“ 29 Teilnehmer zählte, und auch das Turnier in Aachen hatte wieder mehr Starts als im letzten Jahr. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich daraus ein Trend ergibt.

Insgesamt aber ist ein Rückzug „auf sich selbst“ zu erkennen. Man bleibt lieber zuhause, als sich mit Pferd auf eine Veranstaltung zu begeben, denn das bedeutet Arbeit, Mühe, Stress – und Kosten. Und was hat man davon? Im besten Fall eine Schärpe oder einen Titel. Dieses „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ ist vielfach ausschlaggebend, nicht nur bei den Züchtern, auch bei den Verbänden. Ein Lichtblick hier, die Messebeschickungen des VZAP dieses Jahr. Offensichtlich hat man erkannt, dass man die Rasse in der Öffentlichkeit zeigen muß, soll sie nicht gänzlich aus dem Bewusstsein derselben verschwinden.

Die Zuchtverbände geben sich also redlich Mühe, den Züchtern Angebote zu machen. Auszeichnungen wie Sportpferdeplaketten, Titel wie Prämie, Elite oder Zucht-Champion werden vergeben, Hengstkörungen und -leistungsprüfungen werden angeboten – all dies, um den Züchtern eine möglichst objektive Bewertung an die Hand zu geben. Aber zahlen sich Titel und Leistungsprüfungen letzten Endes aus? Auch hier stellen viele die „Kosten-Nutzen“-Frage, ob denn ein Hengst mit einer HLP mehr Stuten bekommt, als einer ohne HLP? Und welcher Käufer aus dem Freizeitreiterbereich kennt sich überhaupt mit irgendwelchen Auszeichnungen aus?

Das Bewußtsein für die Wichtigkeit der Leistungsüberprüfung in einer Zucht muß gefördert werden. Denn leider sind es heute nur noch ein paar wenige Züchter, denen das tatsächlich wichtig ist – und die würden vermutlich auch ohne diese Auszeichnungen die richtigen Zuchtentscheidungen fällen. Die anderen vertiefen sich lieber in die Pedigrees ihrer Pferde und schwärmen von den Leistungen der Vorfahren vor fünf Generationen, von der Reinheit des Blutes oder der Seltenheit der Blutlinie. Das alles mögen valable Zuchtkriterien sein, aber nicht allein, sondern bestenfalls als Tüpfelchen auf dem „i“. Die Leistungsüberprüfung hier und heute bleibt das A und O in der Zucht.

Es hilft also nichts: Wer Reitpferde, und seien es auch „nur Freizeitpferde“ züchten will (und hier liegt ja der größte Absatzmarkt), der kommt nicht umhin, auch die Rittigkeit, charakterliche Leistungsbereitschaft und körperliche Leistungsfähigkeit seiner Zuchttiere und/oder deren Nachzucht zu überprüfen. Die Angebote sind da, es liegt an den Züchtern, sie zu nutzen. Denn es gibt nichts schlimmeres für den Ruf des Arabischen Pferdes als enttäuschte Käufer, die nach 1-2 Jahren einsehen müssen, dass sie zwar ein hübsches aber leider unreitbares Pferdchen haben, das sich nur noch als Beisteller eignet. Das darf nicht die Zukunft unserer Rasse sein!

Gudrun Waiditschka