Editorial AP 1/2026 – Die falschen Leute…

Es gibt sie ja kaum noch, die Schauen, an denen sowohl Shagya-Araber als auch Vollblutaraber, zwar in getrennten Klassen, aber auf einer Veranstaltung, gezeigt werden. Die Idee ist ja auch gut, hat man doch als Veranstalter mehr Nennungen bei gleichem Personal- und Kostenaufwand. Wenn da nicht das „ABER“ wäre …
Das Araber-Festival in Bábolna zeigte genau auf, wo der Hase im Pfeffer liegt: Unter den gleichen Rahmenbedingungen (Richter, DCs, Veranstalter etc.) waren die Vorführungen der Shagya-Araber meist pferdefreundlich, die Jungpferde wurden vielfach sogar am Stallhalfter vorgestellt. Die Vorstellung der Vollblutaraber aber war oftmals „pferdeverachtend“ in ihrem Umgang mit dem Tier. Während also die Shagya-Araber-Fans noch Pferdeleute sind, die sich die „modernen Show-Methoden“ nicht zu eigen gemacht haben, haben die Vollblutaraber-Besitzer, insbesondere aus Polen und der Slowakei, tief in die „Trickkiste“ der Show-Utensilien gegriffen: Rasieren, Schminken, gestrecktes Aufstellen, Zirkeln ohne Ende und die fragwürdige Unterstützung durch gewisse „Derwische“ am Rand, die mit Löwengebrüll und Peitsche das Pferd unterstützen sollen, es aber in Wirklichkeit nur in Angst und Schrecken versetzen, sodass es eh nicht trabt. Nichts gegen einen Peitschenführer, der in gewissem Abstand hinter dem Pferd herläuft und es ein wenig „motiviert“. Aber was hier auf einer kleinen C-international-Schau mit 40 Vollblutarabern abging, hatte so rein gar nichts mehr mit „Horsemanship“ zu tun.
Woran also liegt es? Die Rahmenbedingungen, selbst die Richter waren dieselben, und letztere zumeist aus dem Shagya-Araber-Lager. Der einzige Unterschied waren die Besitzer und Vorführer der verschiedenen Pferderassen, was doch eindeutig beweist, dass es diese beiden Personengruppen sind, die für diese Exzesse verantwortlich sind. Das Ganze zeugt für mich von einem grundlegend verschiedenen Klientel in der Vollblutaraberzucht und der Shagya-Araber-Zucht. Das ist jetzt nicht wirklich neu, aber es wird einem nur selten so klar vor Augen geführt!
Nun gibt es Leute, die machen (auf Facebook) die Richter, Veranstalter, ja sogar die Journalisten und Fotografen für diese Misere verantwortlich. Die wahren Schuldigen aber werden nicht genannt. Die eigentlichen Täter sind für mich die Vorführer (die die tierschutzwidrigen Aktionen ausführen) und die Besitzer (die diese nicht unterbinden bzw. möglicherweise sogar fordern, um zu gewinnen). Ja, es gibt Regeln, und ja, die DCs, Ringstewards und Richter hätten mehr auf die Einhaltung dieser Regeln bestehen müssen. Aber warum geht es bei der Vorführung der Shagya-Araber so „zivilisiert“ zu, bei den Vollblutarabern dagegen nicht? Das lag doch nicht an den DCs, Stewards oder Richtern. Das lag doch ausschließlich an den ausführenden Personen, besser gesagt, den Tätern. Und da es sich überwiegend um Richter aus dem Shagya-Araber-Lager handelte, konnten die Vollblutaraberbesitzer auch nicht davon ausgehen, dass diese extreme Vorstellungsart den Richtern gefallen könnte.
Die Weichen für diese Fehlentwicklung wurden bereits Ende der 1990er-Jahre gestellt. Man versuchte, das arabische Pferd als „Accessoire“ der „Reichen und Schönen“ zu vermarkten, weil man hoffte, damit in ein höheres Preissegment zu kommen. Ein arabisches Pferd zu besitzen, sollte eine Form von „Life-
style“ sein, so wie man eben Porsche oder Maserati fährt. Was man dabei völlig übersah, war, dass dieses Klientel keine Pferdemenschen sind. Die Trainer und Vorführer hätten dabei ein Korrektiv sein können, die das fehlende „Horsemanship“, das Pferdewissen, in diese Beziehung einbringen. Aber die sahen sich im Konkurrenzkampf um die besten Kunden in einer Zwickmühle: Die Kunden wollen gewinnen, koste es, was es wolle, und die Leidtragenden sind die Pferde. Das alles ist nicht neu, das alles wurde schon im Araber Journal in den 1990er- und 2000er-Jahren so oder so ähnlich geschrieben. Traurig ist, dass es immer noch ein Thema ist.
Aber solange es Zuschauer gibt, die diese Machenschaften tolerieren oder gar bejubeln, glauben sich die Täter im Recht. Solange Besitzer solche „Vorführmethoden“ fordern, um zu gewinnen, unterstützen sie dies alles aktiv. Solange die Züchter auf den falschen Kundenkreis setzen, wird sich an der Situation der Pferde nichts ändern.
Wir brauchen wieder mehr Pferdeleute in der Araberszene – die wachsen jedoch nicht auf den Bäumen. Die muss man sich heranziehen und ausbilden. Jugendarbeit und das Einbinden der jüngeren Züchtergeneration ist heute wichtiger denn je, nur dann können wir den Jungen unsere Werte vermitteln.

Gudrun Waiditschka