
Früher war alles besser?
In dieser Ausgabe finden Sie wieder einen neuen Beitrag aus der Reihe „Was züchten die Deutschen“, in dem wir die deutsche Araberzucht beleuchten. Unter anderem kam dabei auch heraus, dass die Anzahl der Fohlengeburten seit 2017 drastisch abgenommen hat, während im gleichen Zeitraum die Fohlengeburten in der REITpferdezucht um 15 % zugenommen haben. Was sagt uns dies?
Zum einen, dass es derzeit keinen mangelnden Absatzmarkt bei REITpferden gibt, denn auch die Warmblutzüchter können es sich nicht leisten, auf ihren Pferden sitzen zu bleiben. Zum anderen, dass der Araber offensichtlich nicht von diesem Trend profitiert und er anscheinend vom breiten (Freizeit-)Reiterpublikum nicht (mehr) als Reitpferd wahrgenommen wird. Das ist eine Schande, denn er wurde einst zur Verbesserung der Reitpferdezuchten aus dem Orient eingeführt. Es zeigt aber auch die Fehler auf, die in der Vergangenheit gemacht wurden.
Nun ist der Ruf des Arabers nicht erst gestern ruiniert worden. Aber was früher die Hochglanzzeitschriften waren, sind heute die diversen Social-Media-Plattformen – und da werden einem tagtäglich die Bilder von Shows auf der ganzen Welt auf die Timeline gespült, mit steigenden, wild um sich schlagenden Hengsten, mit bis zur Karikatur entstellten Köpfen, die aber als „extrem typvoll“ gelten, und mit Pferden, die kaum mehr eine vernünftige Trabbewegung zeigen können. Das alles formt das Bild des Arabers, auch in den Köpfen der Reiter. Man kann auf den Social-Media-Plattformen aber auch Gruppen finden, die sich speziell dem „alten Typ“ verschrieben haben und dort liest man (z.B. unter einem Kopfbild von Wisznu Ibn Sawih *1975) dann Kommentare wie: „Wunderschön! Das waren noch Köpfe von Pferden, nicht von Seepferdchen!“, „Das waren noch richtige Araber“, „Früher war ich Araberfan, das waren immer meine Traumpferde, heute finde ich sie nicht mehr so schön …“, „Der hat noch diesen wunderschönen alten Araberkopf. Was ist da eigentlich passiert, dass die heutigen Araber solch einen Seepferdchen-Kopf haben?“
Ja, was ist da passiert? Der unmittelbare Einfluß des Showrings auf die Zucht ist das eine. Man hat aber auch versäumt, parallel dazu den Araber als Reitpferd zu etablieren. Zwar gibt es schon seit Jahren ein Araberturnier in Aachen, aber es findet weitgehend im Hintergrund statt, nur für „Eingeweihte“. Man hat sich jahrelang von den Pferdemessen zurückgezogen weil sie zu teuer wären, obwohl man gerade dort das „normale Reitervolk“ trifft. Löblicherweise soll sich das für 2025 wieder ändern, u.a. mit Auftritten auf der Partner Pferd in Leipzig und der Eurocheval in Offenburg. Das ist wichtig und richtig, denn mit ansprechende Vorführungen kann man hoffentlich den einen oder anderen davon überzeugen, dass der Araber mehr ist als nur Showpferd. Wir müssen mit unseren Pferden an die Öffentlichkeit, denn die Pferdeliebhaber, bei denen die Vorurteile über den Araber bereits gefestigt sind, kommen nicht zum Züchter auf den Hof, um sich vom Gegenteil zu überzeugen, die kommen noch nicht einmal nach Kranichstein. Aber auf einer Messe bietet sich sozusagen im Vorbeigehen die Möglichkeit, auch mal einem Araber zuzusehen und sich Infos vor Ort einzuholen.
Aber das ist nicht genug, wir alle, denen die Rasse am Herzen liegt, müssen uns mehr engagieren, an die Öffentlichkeit gehen, am besten mit unseren Pferden! Auf den Social-Media-Plattformen die „Likes“ an der richtigen Stelle zu setzen darf nur der Anfang sein.
Gudrun Waiditschka











